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"Ein Auftrag zum Handeln": Yad Vashem schafft weltweit erste Außenstelle in München

Yad Vashem kommt nach München. Es ist eine Entscheidung von großer historischer Bedeutung. Neben Bayern hatten sich auch Nordrhein-Westfalen und Sachsen um eine solche Einrichtung beworben. Die AZ fasst die wichtigsten Reaktionen zusammen.
von  Guido Verstegen
Die Halle der Namen in der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem in Jerusalem. (Archivbild)
Die Halle der Namen in der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem in Jerusalem. (Archivbild) © Fabian Sommer/dpa

Die Zusage ist da: Ein Bildungszentrum der israelischen Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem soll in München entstehen. Zudem soll es eine Außenstelle in Leipzig geben, heißt es in einer Mitteilung von Yad Vashem.

Auseinandersetzung mit den nationalsozialistischen Verbrechen und dem Holocaust

Die zentrale israelische Gedenkstätte zur Erinnerung an den Holocaust und die Ermordung von mehr als sechs Millionen Juden während der NS-Zeit eröffnet ihre erste Niederlassung außerhalb Israels in der bayerischen Landeshauptstadt. Das ist seit dem heutigen Donnerstag klar.

Ministerpräsident Söder: "Jüdisches Leben gehört fest zu Bayern"

Yad Vashem hatte in den vergangenen Monaten die Eröffnung eines "Educational Center" in Deutschland intensiv vorbereitet. Standorte in Bayern, Nordrhein-Westfalen und Sachsen waren in der Auswahl. In dem Bildungszentrum soll eine Auseinandersetzung mit den nationalsozialistischen Verbrechen und dem Holocaust stattfinden.

"Was für eine Ehre! Yad Vashem kommt nach Bayern" 

Die Einrichtung soll innerhalb von drei Jahren am Karolinenplatz entstehen – in unmittelbarer Nachbarschaft zum NS-Dokumentationszentrum und in einem Quartier, das an den Aufstieg des Nationalsozialismus erinnert.

Der bayerische Ministerpräsident Markus Söder betont: "Wir stehen zu unserer geschichtlichen Verantwortung: Die Gräuel des Nationalsozialismus dürfen sich niemals wiederholen." Das geplante Bildungszentrum ist der erste Ableger der Jerusalemer Gedenkstätte außerhalb Israels. (Archivbild)
Der bayerische Ministerpräsident Markus Söder betont: "Wir stehen zu unserer geschichtlichen Verantwortung: Die Gräuel des Nationalsozialismus dürfen sich niemals wiederholen." Das geplante Bildungszentrum ist der erste Ableger der Jerusalemer Gedenkstätte außerhalb Israels. (Archivbild) © Felix Hörhager/dpa

"Was für eine Ehre! Yad Vashem kommt nach Bayern. Die israelische Holocaust-Gedenkstätte eröffnet ein Bildungszentrum in München – es ist die erste internationale Außenstelle überhaupt. Wir haben uns als Freistaat sehr dafür eingesetzt. Jüdisches Leben gehört fest zu Bayern", wird Ministerpräsident Markus Söder in einer Mitteilung der Bayerischen Staatskanzlei zitiert.

"Wir stehen zu unserer geschichtlichen Verantwortung"

Dass die israelische Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem ein Bildungszentrum mit Hauptstandort in München errichte, zeige "unsere enge Beziehung zur jüdischen Gemeinde und zu Israel", betont Söder: "'Nie wieder!' ist nicht nur ein Satz, sondern jeden Tag aufs Neue ein Auftrag zum Handeln."

Israel-Reise 2023: Markus Söder bei einem Besuch der Halle der Namen in der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem.
Israel-Reise 2023: Markus Söder bei einem Besuch der Halle der Namen in der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem. © Karl-Josef Hildenbrand/dpa

Und: "Wir stehen zu unserer geschichtlichen Verantwortung: Die Gräuel des Nationalsozialismus dürfen sich niemals wiederholen. Dazu braucht es Gedenk- und Bildungsstätten wie Yad Vashem, damit niemals vergessen wird, was passiert ist. Das ist ein klares Bekenntnis für Demokratie und gegen Antisemitismus. 'Nie wieder!' muss für immer gelten. Dafür gebe ich als Ministerpräsident auch persönlich ein Schutzversprechen. Bayern wird für Yad Vashem ein gutes Zuhause sein."

Charlotte Knobloch: "Nötiges Gegengewicht zu politischem Extremismus" 

Auch Charlotte Knobloch, die Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, begrüßt die Entscheidung: "Yad Vashem hat mit dem Entschluss, sein erstes Bildungszentrum in Deutschland in München zu eröffnen, die richtige Entscheidung getroffen. Mit ihrer Geschichte als frühere 'Hauptstadt der Bewegung' und ihrer Gegenwart als Ort des Erinnerns und Knotenpunkt des jüdischen Lebens in Europa bietet unsere Stadt perfekte Voraussetzungen für eine Einrichtung, die die Gedenkkultur in einer neuen Epoche stärken soll."

"Dem Judenhass ist ohne Kenntnis der Geschichte nicht beizukommen", sagt Charlotte Knobloch, die Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern.
"Dem Judenhass ist ohne Kenntnis der Geschichte nicht beizukommen", sagt Charlotte Knobloch, die Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern. © imago images/Sven Simon

München war als sogenannte "Hauptstadt der Bewegung" mit der Gründung der NSDAP sowie mit dem ersten Konzentrationslager im nahegelegenen Dachau ein Ort, an dem man Täter und Taten in besonderer Weise nachzeichnen kann. Knobloch betonte weiter, "angesichts einer stetig sinkenden Zahl von Zeitzeugen bei gleichzeitigem Anwachsen des politischen Extremismus vor allem, aber nicht nur von rechts ist dieser Schritt besonders dringlich". 

Das Bildungszentrum werde "als Gegengewicht zu Entwicklungen in Politik und Gesellschaft gebraucht, dem Judenhass ist ohne Kenntnis der Geschichte nicht beizukommen. Wenn Yad Vashem künftig vor Ort mit den Menschen und Institutionen in München, Bayern und ganz Deutschland gemeinsam daran arbeitet, das Gedenken an den Holocaust lebendig zu halten, "dann ist das eine gute Nachricht für die demokratische Kultur insgesamt in unserem Land".

Ludwig Spaenle: "Zukunftsweisende Entscheidung von historischer Bedeutung"

Auch die Außenstelle in Leipzig sei ein gutes Signal, findet Markus Söder. Gerade auch im Osten Deutschlands werde viel für Demokratie getan. Seinen ausdrücklichen Dank "für die intensive Vorbereitung" richtete er an Staatskanzleiminister Florian Herrmann, Kultusministerin Anna Stolz und den Antisemitismusbeauftragten Ludwig Spaenle.

"Wir können mit der Yad Vashem Bildungsstätte mit einem zusätzlichen Impuls das Gedenken an die Shoah und ihre Opfer behandeln", betont Ludwig Spaenle, Antisemitismusbeauftragter der Staatsregierung.
"Wir können mit der Yad Vashem Bildungsstätte mit einem zusätzlichen Impuls das Gedenken an die Shoah und ihre Opfer behandeln", betont Ludwig Spaenle, Antisemitismusbeauftragter der Staatsregierung. © Peter Kneffel/dpa

"Mit ihrer Festlegung auf Bayern und konkret auf München als Standort für die erste Außenstelle des israelischen Erinnerungszentrums Yad Vashem in München haben die israelischen Verantwortlichen eine zukunftsweisende Entscheidung von historischer Bedeutung getroffen", sagt Spaenle laut einer entsprechenden Mitteilung.

"Zusätzlicher Impuls für das Gedenken an die Shoah und ihre Opfer"

Die Entscheidung fuße für ihn auf drei Grundlagen: "München als heutiger Sitz wichtiger Einrichtungen der jüdischen Gesellschaft und führender wissenschaftlicher Einrichtungen sowie der erschreckenden Rolle der Stadt bei der Entwicklung der braunen Diktatur."

Spaenle weiter: "Wir können mit der Yad Vashem Bildungsstätte mit einem zusätzlichen Impuls das Gedenken an die Shoah und ihre Opfer behandeln. Wir können im Dialog, der auch die Entwicklung in Ost- und Südosteuropa mit einbezieht, neue Formen einer aktiven und zukunftsgerichteten Bearbeitung dieses barbarischen Handelns in deutschem Namen finden." 

In München haben mit der Europäischen Rabbinerkonferenz sowie dem Generalkonsulat des Staates Israel bereits wichtige Institutionen für jüdisches Leben und Kultur ihren Sitz. Dazu kommen zwei lebendige jüdische Gemeinden, die Israelitische Kultusgemeinde für München und Oberbayern und die Liberale Gemeinde Beth Shalom.  

Verena Dietl: "Ein lebendiges Gedenken ist für München Teil demokratischer Stadtkultur" 

"Für München ist die Ansiedlung zugleich Anerkennung und Auftrag", betont die Dritte Bürgermeisterin Verena Dietl: "Das NS-Dokumentationszentrum als zentraler Lern- und Erinnerungsort der Landeshauptstadt und unmittelbarer Nachbar der geplanten Einrichtung freut sich auf die zukünftige Zusammenarbeit."

„Ich ducke mich nicht weg“, sagt Verena Dietl.
„Ich ducke mich nicht weg“, sagt Verena Dietl. © Ben Sagmeister

"Ein lebendiges Gedenken" sei für München Teil demokratischer Stadtkultur, findet Dietl und sieht darin "ein Gegengewicht zu wachsendem Antisemitismus und der Relativierung historischer Tatsachen". 

Yad Vashem in Jerusalem habe München nach einer bundesweiten Standortprüfung ausgewählt, heißt es bei der Stadt: "Ausschlaggebend waren neben der geografischen Lage ausdrücklich die Bildungslandschaft der Stadt und ihre bestehende Erinnerungsinfrastruktur." Das neue Bildungszentrum solle "lokale Erinnerungsarbeit mit internationaler Expertise verknüpfen" und werde wichtige Impulse für Schulen, Jugendarbeit und die gesamte Stadtgesellschaft geben.

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