Eigeninitiative auf der Straße: Münchner sprühen Zebrastreifen auf die Fahrbahn

In Untergiesing sprühen Bürger einen eigenen Zebrastreifen – ein Ausdruck von Frust über die Verkehrssituation. Bei einigen stößt die Aktion auf Verständnis, die Polizei reagiert mit einer Anzeige.
Sophia Willibald
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Am Sonntag war der selbst gemachte Zebrastreifen noch im satten Weiß auf dem Asphalt. Mittlerweile hat die Stadt die Streifen größtenteils entfernt.
Am Sonntag war der selbst gemachte Zebrastreifen noch im satten Weiß auf dem Asphalt. Mittlerweile hat die Stadt die Streifen größtenteils entfernt. © Ulrike P.

Fußgänger hasten über die Straße, während schon das nächste Auto heranrauscht. Kaum wird die Ampel weiter vorn rot, staut sich der Verkehr, und die Fußgänger nutzen den Moment: Sie schlängeln sich zwischen den Autos hindurch und eilen auf die andere Seite.

Eine alltägliche Szene an der Pilgersheimer Straße in Höhe der Cannabichstraße. Das Problem: hohes Verkehrsaufkommen gepaart mit weiten Strecken zur nächsten Verkehrsinsel oder Ampel.

Selbstgemalter Zebrastreifen in Untergiesing sorgt für Aufsehen – und eine Anzeige

Diese Situation brachte einige Bürger nun zu einer ungewöhnlichen Form der Eigeninitiative – die allerdings in Anzeigen endete. Laut der Polizei sprühten in der Nacht zum Sonntag vier Personen einen eigenen Zebrastreifen auf die Fahrbahn. Die Beamten erwischten sie auf frischer Tat.

Gegen sie wird nun wegen gemeinschädlicher Sachbeschädigung und Amtsanmaßung ermittelt. Trotz der Strafbarkeit stößt die Aktion bei einigen auf Verständnis.

Anwohnerin Ulrike P. (56) wohnt seit 25 Jahren in der Nachbarschaft und kennt die Stelle gut. In der Umgebung gibt es viele Geschäfte, ein Altenheim und zwei Kinderbetreuungen. "Da sind viele Kinder und Rentner unterwegs", erzählt sie. "Ich finde, das ist eine sensible Ecke." Deshalb sei irgendwann auch eine 30er-Zone eingeführt worden. "Aber das beeindruckt niemanden", sagt die Münchnerin.

Vom 6. bis 13. August stand an der Stelle auf Höhe der Cannabichstraße außerdem ein Blitzer der Kommunalen Verkehrsüberwachung. Laut KVR passierten in diesem Zeitraum 62.435 Fahrzeuge die Messstelle, 2885 verstießen dabei gegen die Geschwindigkeitsbegrenzung.

Anwohnerin: "Ich finde das toll. Ich finde das wirklich bürger-initiativ"

Doch der Blitzer ist wieder weg und das Problem geblieben – ebenso wie der Wunsch nach mehr Sicherheit. Das zeigt der Zebrastreifen. Anwohnerin Ulrike P. sagt dazu: "Ich finde das toll. Ich finde das wirklich bürger-initiativ. Auch, wenn man das natürlich nicht darf und es Sachbeschädigung ist."

Die Vorsitzende des Bezirksausschusses Untergiesing-Harlaching, Anais Schuster-Brandis (Grüne), bewertet die Aktion kritischer: "Sowas kann man natürlich nicht machen. Da geht es um Verkehrssicherheit." Gleichzeitig kennt sie die Problematik und versteht die Unzufriedenheit der Bürgerinnen und Bürger: "Wir haben das Thema im BA auf dem Tisch."

BA-Chefin: "Wir wissen ja, wie die Finanzmittel der Stadt sind"

Eine weitere Querung in dem Bereich einzurichten, habe hohe Priorität. Schnell würde es deshalb nicht gehen. "Wir wissen ja, wie die Finanzmittel der Stadt sind", sagt sie. Sie befürchte, dass es bis zu drei Jahre dauern könne, bis tatsächlich eine neue Fußgängerquerung entsteht.

Keine guten Nachrichten für die Anwohner. Die Streifen selbst aufzumalen ist jedenfalls keine langfristige Lösung – die Stadt hat den Zebrastreifen bereits größtenteils entfernt. Auf dem nassen Asphalt schimmern nur noch ausgeblichene Reste. Und auch die sollen bald entfernt werden, schreibt das Baureferat auf Anfrage.

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110 Kommentare
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  • Gelegenheitsleserin am 27.11.2025 10:52 Uhr / Bewertung:

    Natürlich handelt man sich mit dem selbstgemalten Zebrastreifen eine Anzeige ein, aber originell ist diese "Maßnahme" schon.
    Und dass an dieser Stelle Handlungsbedarf besteht, dürfte wohl niemand bezweifeln, der die Verkehrsverhältnisse dort kennt.

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  • Lackl am 27.11.2025 10:25 Uhr / Bewertung:

    Schon krass, wie so manche ideologisch Verwirrte meinen ihren ureigensten Egoismus anderen aufs Auge drücken zu wollen. Die sind ja schlimmer als diese klbenden Klimterroristen.

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  • doket am 27.11.2025 10:33 Uhr / Bewertung:
    Antwort auf Kommentar von Lackl

    Der Egoismus ist eher, dass da keiner 30 fährt und es den Autofahrern völlig Wurst ist, ob da Menschen queren wollen. Selbst wenn kleine Kinder am Straßenrand stehen, würde keiner sein Tempo zumindest auf die zul. Höchstgeschwindigkeit drosseln.

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