Eichendorff und der Wein

Hier erzählen bekannte Münchner von ihrem Wochenende. Heute: der Kabarettist Josef Brustmann, der in seiner Freizeit gerne in alten Lyrikausgaben schmökert.
| Josef Brustmann
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Hier erzählen bekannte Münchner von ihrem Wochenende. Heute ist das der Kabarettist Josef Brustmann.

Am 5. Juli spielt Balloon Pilot, die Band von meinem Neffen, ein extravagantes Konzert am Kiosk von Fräulein Grüneis am Eisbach. Die Jungs machen gerade Furore auf dem Millaphon-Label von Mehmet Scholl, sind aber noch ein echter Geheimtipp. Aber das nur am Rande, ich soll ja was über das aktuelle Wochenende erzählen.

Ich wohne ja nicht mehr in München, sondern seit sechs Jahren draußen in Icking. Aber wenn ich in die Stadt reinfahre, dann gehe ich mit meiner Frau, der Olivia Reinecke, die zugleich auch meine Agentin ist, gerne ins Café Kubitscheck in der Gollierstraße. Das betreibt der Armin Stegbauer. Der hat noch ein zweites Kubitscheck in der Waldfriedhofstraße, das ist so ein reines 50er-Jahre-Café. Da hat sich ewig nichts verändert. Ich mag das, ich bin ja eher ein Nostalgiker.

Ich gehe auch öfter mal ins Lyrik-Kabinett. Ich glaube, das ist die größte Lyriksammlung Deutschlands. Die findet man in einem Hinterhof in der Amalienstraße. Das ist so eine richtige Insel in diesem städtischen Treiben. Da kann man sich die seltensten Lyrikausgaben raussuchen lassen, einen alten Jandl, einen Turrini oder auch einen Eichendorff. Da kann man dann kostenlos drin schmökern und bekommt sogar noch einen Wein oder einen Kaffee dazu.

Im Ruffini bin ich auch oft. Das ist ein sehr schönes Café in Neuhausen. Ich mag das allein schon wegen des Terrazzo-Bodens und wegen der alten Möbel – das ist irgendwie alles so aus der Welt. Die Kellner da sind alle Miteigentümer des Cafés. Die sind ihre eigenen Chefs und deswegen ein bisschen distanzierter und cooler. Das schafft eine ganz eigene Atmosphäre.

Ich bin zudem ein fleißiger Flohmarktgänger. Auf den Hinterhofflohmärkten war ich heuer viel unterwegs. Das ist total empfehlenswert, weil die Leute auch ein Stück weit ihre Häuser öffnen und man einfach mal ein bisschen hinter die Kulissen schauen kann. Mir geht es da eher um die Begegnungen als um die Schnäppchen. Letztens habe ich zum Beispiel einen kennengelernt, der züchtet bei sich hinten im Garten Bienen. Der stand dann auf der Straße und hat Honig verkauft.

Ich gehe auch sehr gerne rudern auf dem Starnberger See. In der Regel alleine, weil ich schon sehr früh fahre, schon um 6 oder 7 Uhr – oder auch ganz spät bei Nacht. Ich fahre meistens von Starnberg bis zur Roseninsel und zurück. Da bin ich schon so anderthalb Stunden unterwegs. Beim Rudern arbeitet man mit dem ganzen Körper, von den Zehen- bis zu den Haarspitzen, und es ist trotzdem so ruhig und meditativ. Ich bin jetzt kein Wettkampfruderer, aber wahrscheinlich der lustvollste.

Und abends ist natürlich immer das Bermuda-Dreieck vom Till Hofmann angesagt: Lustspielhaus, Vereinsheim und Lach- und Schießgesellschaft. Da gibt es immer viel zu schauen. Und wenn man spätnachts noch etwas braucht – das ist so ein Geheimtipp – dann gibt es auf der Theresienhöhe das Krone. Das ist ein schönes altes Hotel. Die haben vor allem eine unglaublich tolle Bar mit alten Ledersitzen. Die hat ziemlich lange auf, so bis vier, fünf Uhr in der Früh bekommt man da die besten Drinks. Da kommen dann auch so manche Nachtfalter rein – Kabarett-Kollegen oder Künstler. Das ist eine völlig wilde Welt da.

Was bei uns draußen dann natürlich noch schön ist, ist das Gasthaus zur Mühle, ein altes Wirtshaus aus dem Jahr 1880. Das liegt am Isarkanal, auf dem die Floße nach München fahren. Wenn ich ein neues Programm habe, gehe ich da oft spazieren und studiere die Texte ein, drei Wochen lang jeden Tag vom Kloster Schäftlarn zu diesem Wirtshaus. Da sitzt man dann direkt an der Floßrutsche, links die herrlichen Buchenwälder. Es gibt eigentlich keinen schöneren Platz.

Protokoll: Florian Zick

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