Dunkle Wolken über BMW: Stellen werden zu 90 Prozent in München abgebaut

Der Umsatz sinkt, es droht Verlust im Automobilgeschäft und in China läuft es weiter mies. Wie die Zahlen aussehen, was der Chef dazu sagt und was das für die Arbeitsplätze in München bedeutet.
von  Ralf Müller
Finstere Aussichten in der Münchner BMW-Konzernzentrale: Der Gewinn bricht ein und Stellen müssen weichen – vor allem in München.
Finstere Aussichten in der Münchner BMW-Konzernzentrale: Der Gewinn bricht ein und Stellen müssen weichen – vor allem in München. © Fotomontage: MiS/imago

Die Zahlen, die BMW am Mittwoch für das zurückliegende Quartal meldete, können die Anleger nicht begeistern: Der Konzernumsatz sank von Juli bis September um 6,3 Prozent auf 30,5  Milliarden Euro, die weltweiten Pkw-Auslieferungen der Marken BMW, Mini und Rolls-Royce gingen um 6,3 Prozent auf 552.000 Einheiten zurück und der Überschuss sank gegenüber dem Vorjahresquartal um 14,7 Prozent auf 1,45 Milliarden Euro.

Für das Gesamtjahr soll es noch etwas schlechter kommen. Mit der zweiten Gewinnwarnung in diesem Jahr korrigierte BMW insbesondere die Erwartungen an die Ebit-Marge (Gewinn vom erwirtschafteten Umsatz in Prozent) im Bereich Automobile für 2026 jetzt auf minus 0,5 bis plus 0,5 Prozent – weit entfernt von der noch vor wenigen Jahren angestrebten Standard-Marge zwischen acht und zehn Prozent.

BMW: Operativer Gewinn bricht um 35 Prozent ein

Das bedeutet nicht weniger, als dass BMW im ungünstigsten Fall Verlust im Automobilgeschäft machen könnte. Der Betriebsgewinn fiel auf den niedrigsten Stand seit 2020. In den ersten neun Monaten des Geschäftsjahres muss BMW hinnehmen, was mit einem "Gewinneinbruch" bezeichnet wird: Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) sank gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 35,2 Prozent auf 5,2 Milliarden Euro.

Doch Vorstandschef Milan Nedeljkovic und Finanzvorstand Walter Mertl erklärten die kurzfristig schwachen Aussichten zu Investitionen in die Zukunft. Das laufende "Mitarbeiterprogramm", verbunden mit "Strukturmaßnahmen", belastete die Profitmarge mit etwa 2,5 Prozentpunkten. Ohne diese Anstrengungen würde die Marge im Autobereich bei etwa zwei Prozent liegen.

Der nunmehr für das Gesamtjahr erwartete "moderate" Rückgang bei den Fahrzeugauslieferungen zwischen fünf und zehn Prozent ließ sich mit den Restrukturierungsaufwendungen nicht erklären.

BMW-Chef Milan Nedeljkovic ist noch kein Jahr im Amt, muss aber bereits Abbau von Personal verkünden.
BMW-Chef Milan Nedeljkovic ist noch kein Jahr im Amt, muss aber bereits Abbau von Personal verkünden. © Sven Hoppe/dpa

BMW: Es wird erstmal schlechter

Ursache dafür ist vor allem die anhaltend schwierige Lage auf dem chinesischen Automarkt. Während der Autoabsatz der BMW-Group in Europa im dritten Quartal um 2,6  Prozent und in den USA um 2,5 Prozent zulegte, sackte er in China um 24,8 Prozent ab.

Finanzchef Mertl bestritt, dass die in China ehrfurchtsvoll "wertvolles Pferd" (Baoma) genannte Premium-Marke unbeliebter werde. Der Gesamtautomarkt im Reich der Mitte sei ebenfalls um 24,6 Prozent eingebrochen.

Nach Schilderungen der BMW-Chefs wird es für den Autobauer jetzt erst einmal schlechter, bevor es besser wird. Mit dem "Personalprogramm" und der strukturellen Transformation verfolge man das Ziel, das Unternehmen weniger kompliziert zu machen. Damit sei man erheblich schneller vorangekommen als erwartet, berichtete Vorstandschef Nedeljkovic.

Nedeljkovic: "Wir gehen so weit, wie Füße uns tragen" 

Man wolle jetzt dieses "Momentum" nutzen, um die Ziele rascher zu erreichen. Für das Jahr 2028 peilt der Vorstand eine Ebit-Marge zwischen drei und fünf Prozent an, Anfang der 30er-Jahre will man zu dem in guten Zeiten üblichen Korridor von acht bis zehn Prozent zurückgekehrt sein.

Man habe "proaktiv entschieden, unsere Portfolio- und Strukturmaßnahmen auszuweiten, um die notwendigen Veränderungen zu beschleunigen", so Nedeljkovic zu den zusätzlichen Ergebnisbelastungen. Zu den Maßnahmen zählt auch ein groß angelegtes Abfindungsprogramm für Beschäftigte zur Reduzierung der Personalkosten.

Mitarbeiter von BMW arbeiten im Stammwerk in der Produktion an der Karosserie von verschiedenen Modellen des Autoherstellers.
Mitarbeiter von BMW arbeiten im Stammwerk in der Produktion an der Karosserie von verschiedenen Modellen des Autoherstellers. © Sven Hoppe/dpa

Nach wie vor ziert sich BMW mit genauen Zahlen dazu, doch die Chefs bestätigten: Das "Budget" für Abfindungen sei schneller als geplant aufgebraucht gewesen. Andererseits mochte Nedeljkovic ein Ende der Personalreduzierung nicht verkünden: "Wir gehen so weit, wie die Füße uns tragen." Nach inoffiziellen Informationen soll BMW dafür etwa eine Milliarde Euro vorgesehen haben, um damit einen Personalabbau um 8000  Beschäftigte zu erreichen.

Stellen werden zu 90 Prozent in München abgebaut

Nedeljkovic bestätigte, dass "mehr als 90 Prozent" dieser Stellen in der Münchner Zentrale eingespart werden. Dabei geht es vor allem um das mittlere Management. Ein Fünftel der "Senior-Vice-President-Funktionen" soll verschwinden.

Ferdinand Dudenhöffer, Direktor des Center Automotive Research (CAR), führt die Misserfolge von BMW und anderen europäischen Marken auf dem chinesischen Markt auf ihr nicht mehr erfolgreiches Geschäftsmodell der Modell- und Ausstattungsvielfalt zurück.

Ferdinand Dudenhöffer ist Direktor des Center-Automotive-Research-Institutes (CAR Institute) und wegen seiner Expertise gemeinhin als "Autopapst" bekannt.
Ferdinand Dudenhöffer ist Direktor des Center-Automotive-Research-Institutes (CAR Institute) und wegen seiner Expertise gemeinhin als "Autopapst" bekannt. © Frank Oppitz via imago-images.de

Am stärksten zeige sich auf dem chinesischen Markt, dass dieses Modell nicht mehr funktioniere, reagierte Dudenhöffer auf die BMW-Quartalsbilanz. Allein in Deutschland zeige die Marke BMW 85 Modelle auf ihrem Konfigurator, die weiter mit Motoren, Ausstattungen, Farben und mehr modifiziert werden könnten. Der Gegenentwurf sei der Autobauer Tesla, der in China relativ stabil laufe. "Man könnte auch sagen, hohe Standardisierung schlägt zu teure Vielfalt", so der Auto-Experte. 

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