Nach Todesfall am Eisbach: So kämpft die Surferszene monatelang um die Eisbachwelle

Ein tragischer Todesfall und die anschließende Schließung der Eisbachwelle werfen Fragen auf. Während die Surfer-Community um ihre geliebte Welle kämpft, plant die Stadt Maßnahmen zur Wiederherstellung. Ein Blick auf die dramatischen Ereignisse.
Anna Kelbel |
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Blumen, Kerzen und Briefe liegen in den frühen Morgenstunden vor einem Zaun am Ufer der Eisbachwelle im Englischen Garten. Links ist ein Surfboard aufgebaut, auf dem Nachrichten und Unterschriften hinterlassen wurden. Eine Surferin, die im April auf der Eisbachwelle im Englischen Garten stürzte, war im Krankenhaus verstorben.
Blumen, Kerzen und Briefe liegen in den frühen Morgenstunden vor einem Zaun am Ufer der Eisbachwelle im Englischen Garten. Links ist ein Surfboard aufgebaut, auf dem Nachrichten und Unterschriften hinterlassen wurden. Eine Surferin, die im April auf der Eisbachwelle im Englischen Garten stürzte, war im Krankenhaus verstorben. © Peter Kneffel/dpa

Eisbach vor Frauenkirche, Glockenspiel und Hofbräuhaus: Was Schlagzeilen angeht, schlägt die berühmte Surfer-Flusswelle am Haus der Kunst 2025 alle Münchner Sehenswürdigkeiten. Und was mit einem Uni-Gutachten und einer nächtlichen Guerilla-Surfaktion seinen Lauf nimmt, beginnt mit einem tragischen Todesfall. Eine Chronologie.

16. April: Es ist schon dunkel, als sich gegen 23.30 Uhr bei einer Surferin (33) die Sicherheitsleine am Grund des Eisbachs verhakt. Die Frau wird unter Wasser gezogen – zu lange. Tage später stirbt die junge Frau im Krankenhaus. Der Schock in der Surferszene sitzt tief.

Die Sperre nach dem Todesfall

27. Juni: Nachdem die Welle wegen des Unfalls wochenlang gesperrt war (und der Kummer der Surfer-Community darüber groß), eröffnet sie nun wieder.

Betonklötze und Absperrungen werden am Eisbach entfernt. Im Hintergrund ist ein Banner mit der Aufschrift «Surf must go on» an der Eisbachbrücke an der Eisbachwelle befestigt. Seit dem Tod einer Surferin im Münchner Eisbach war die Welle gesperrt. Die Ermittlungen sind beendet - und jetzt auch die Wartezeit für die Wellenreiter. Doch für sie gibt es neue Regeln.
Betonklötze und Absperrungen werden am Eisbach entfernt. Im Hintergrund ist ein Banner mit der Aufschrift «Surf must go on» an der Eisbachbrücke an der Eisbachwelle befestigt. Seit dem Tod einer Surferin im Münchner Eisbach war die Welle gesperrt. Die Ermittlungen sind beendet - und jetzt auch die Wartezeit für die Wellenreiter. Doch für sie gibt es neue Regeln. © Michael Faulhaber

31. Oktober: Kein Halloween-Scherz, trotzdem gruselig: Die Welle ist weg. Zuvor hat die Stadt bei einer Bachauskehr das Bachbett gereinigt und viel Sand und Kies ausgebaggert. Das Rätselraten beginnt: Hat man es bei der Putzaktion heuer ein bisserl zu gut gemeint?

5. November: Die Stadt startet einen dreistufigen Rettungsplan, um die Surferwelle wiederherzustellen. Die Teile eins und zwei (Erhöhung der Wasserzufuhr und Regulierung des Unterwassers) scheitern.

Die improvisierte Holzrampe

7. November: Der im August diesen Jahres gegründete Surfclub München postet ein Video. Zu sehen ist, wie ein Wellenreiter nachts am Eisbach surft – dank einer offenbar eilig zusammengezimmerten Holzrampe, die eine Flusswelle herstellt.

Der Mann, der die Eisbachwelle einst ins Leben rief: Walter Strasser, "Vater" der Eisbachwelle.
Der Mann, der die Eisbachwelle einst ins Leben rief: Walter Strasser, "Vater" der Eisbachwelle. © Ben Sagmeister

Die Aktion ist illegal, doch die Wellenreiter beweisen: Eine Rampe macht die Welle.

15. November: Die AZ macht Surferlegende Walter Strasser in Sardinien ausfindig. Der „Vater der Eisbachwelle“, genannt „Hausmeister“, hat vor 30 Jahren die erste Rampe erfunden und so eine dauerhafte Eisbachwelle hergestellt. Die junge Surferszene hatte Strasser für verstorben gehalten.
Er bietet der Stadt seine Hilfe an – doch die setzt zunächst auf andere Experten.

Zwei Kubikmeter Kies sollen es richten

21. November: Die wasserrechtliche Genehmigung liegt vor. Der Münchner Hochschulprofessor Robert Maier-Staude führt im Auftrag der Stadt einen Vorversuch mit Mini-Rampen und Kies durch. Ergebnis: Es braucht eine dreiteilige Rampe für drei Monate, damit sich das Flussbett renaturiert. Und es braucht zwei Kubikmeter Kies.

Noch läuft das Genehmigungsverfahren für einen solchen Einbau. So wird wohl auch nächstes Jahr am Haus der Kunst noch die Kunst gefragt sein, geduldig zu bleiben.

Ein Weihnachtswunder: Die Eisbachwelle ist zurück!

25. Dezember: Die Eisbachwelle kehrt zurück, ein Surfer reitet sie. Auf einem Instagram-Video sind eine Kette an der Brücke und ein quer liegender Holzbalken unter Wasser zu sehen, die die Welle formen. An der Brücke hängt ein Banner mit "Just Watch" und "Merry X-Mas". Am selben Tag meldet der Surf Club München, dass der Antrag auf offizielle Wiederherstellung der Welle abgebrochen wird. Grund seien behördliche Auflagen, die eine Nutzung praktisch unmöglich machen.

Und wieder ist sie weg

28. Dezember: Die Feuerwehr entfernt den illegal eingebauten Balken aus dem Eisbach. Die Welle verschwindet, Surfen ist nicht mehr möglich. Surfer zeigen sich entsetzt, der Surf Club München kritisiert das Vorgehen als massiven Eingriff in den urbanen Freiraum. Bürgermeisterin Verena Dietl bezeichnet die Situation als unglücklich, betont aber, dass die Einbauten illegal und gefährlich waren. Sie kündigt Gespräche mit den Surfern und eine rechtlich sichere Lösung an.

Die Feuerwehr baut die an Weihnachten eingesetzte Rampe am 28. Dezember wieder ab.
Die Feuerwehr baut die an Weihnachten eingesetzte Rampe am 28. Dezember wieder ab. © Peter Kneffel/dpa
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  • Oberniederbichler am 31.12.2025 12:08 Uhr / Bewertung:

    Vielleicht hilft es.
    Wir haben in Hannover die Leinewelle, die der Eisbachwelle nachempfunden ist.
    Ist ebenfalls mitten in der Stadt und für viel Geld neu gebaut worden.
    Die Stadtverwaltung in Hannover ist mindestens so schikanös wie die Münchner zu sein scheint,
    aber das Ding bei und ist abgenommen und genehmigt

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  • Wickie712 am 01.01.2026 11:42 Uhr / Bewertung:
    Antwort auf Kommentar von Oberniederbichler

    Ideen und "wie es geht" von woanders herholen, das wird in München wohl nie passieren.

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  • Witwe Bolte am 30.12.2025 21:30 Uhr / Bewertung:

    Kann man vielleicht mal mit dem gschissana Surfwellenthema aufhören?
    Nervt wie die tägliche Hofberichterstattung über Felix N.

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