Diskussion um Radl-Rambos in München: Interview mit Fabian Norden von Green City

Beim Umweltverein Green City plädiert man in der Diskussion um rücksichtslose Fahrradfahrer für weniger Wut – und bessere Infrastruktur.
| Annika Schall
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Zwischen Radlern und Autofahrern wird es in München oft eng. Wer daran Schuld hat, darüber lässt sich vortrefflich streiten. Fabian Norden vom Verein Green City im AZ-Interview.
Tobias Hase/dpa Zwischen Radlern und Autofahrern wird es in München oft eng. Wer daran Schuld hat, darüber lässt sich vortrefflich streiten. Fabian Norden vom Verein Green City im AZ-Interview.

Fabian Norden ist politischer Referent beim Umweltverein Green City, der sich für den Ausbau des Radverkehrs in der Stadt starkmacht. Im Interview erklärt er, wie Springers Meinung hier gesehen wird und warum wir mehr Dialog und weniger Wut brauchen.

AZ: Herr Norden, Christian Springer fordert: Stoppt die Radl-Rambos. Hat er recht?
FABIAN NORDEN: Ich sehe Springers Kommentar als einseitige Position, die bewusst aus der Perspektive des Autofahrers erzählt. Das ist in meinen Augen etwas kurz gedacht. Man ist ja in der Stadt selten nur Auto- oder Fahrradfahrer, und rücksichtslose Menschen gibt es überall. Umso wichtiger ist es mit- statt gegeneinander zu arbeiten. Bezeichnungen wie „Radl-Rambo“ sind da nicht zielführend.

Woher kommt die Wut beider Seiten aufeinander?
Gerade in München gibt es für beide oft nicht genug Platz, und wenn es eng wird, kommt es schnell zu Schuldzuweisungen. Durch die abgekapselte Form des Autos findet zudem ein richtiger Dialog oft nicht statt. Stattdessen kommt es zu Beschimpfungen im Vorbeifahren.

Fabian Norden: Nicht im Streit, sondern im Dialog

Also ist es auch ein Problem mit der Infrastruktur?
Ja, viel könnte schon mit kleinen Maßnahmen systematisch verbessert werden. Mit Lieferzonen für Transporter zum Beispiel, so dass die nicht Radwege blockieren, oder mit Radabstellplätzen, die nicht Fußgängern im Weg sind. Und mit breiteren, deutlich markierten Radwegen und priorisierter Verkehrsführung für ÖPNV, Fuß- und Radverkehr könnten Zusammenstöße vermieden werden.

Oft wird behauptet, eine Kennzeichnungspflicht für Radl könnte Probleme beseitigen.
Ich verstehe die Hoffnung, die damit verbunden wird, aber insgesamt scheint es mir zu viel Aufwand für zu wenig Nutzen. Autos blockieren ja auch trotz Kennzeichen immer wieder Radwege oder schneiden Radlern den Weg ab. Die Ressourcen wären in Infrastrukturmaßnahmen und Informationskampagnen besser aufgehoben.

Was können alle Verkehrsteilnehmer tun, um das Miteinander angenehmer zu gestalten?
Rücksicht und sich in die Position des anderen hineinzuversetzen ist das Wichtigste. Da kann es helfen, auch mal auf das jeweils andere Verkehrsmittel umzusteigen, um eine neue Perspektive zu bekommen. Auch brauchen wir mehr Gelassenheit und mehr Austausch miteinander. Nicht im Streit, sondern im Dialog. Viele kleine Konflikte im Straßenverkehr kann man zum Beispiel oft schon mit Blickkontakt vermeiden.

Lesen Sie hier, was die AZ-Leser zur Debatte sagen!

Im Video: Alles Radl-Rambos - das sagen die Münchner?

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