Diridari-Nachschub: Münchner Autor sieht Schanigärten kritisch

Schanigärten, die neuen Freischankflächen auf Parkplätzen, polarisieren. Friedrich Ani, Münchner Schriftsteller und Krimi-Autor, sieht sie skeptisch. Hier lesen Sie seinen Gastbeitrag in der AZ.
| Friedrich Ani
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Die Schanigärten sind in der ganzen Stadt verteilt.
AZ/iko 2 Die Schanigärten sind in der ganzen Stadt verteilt.
Schriftsteller Friedrich Ani.
imago/Sabine Gudath 2 Schriftsteller Friedrich Ani.

Das Weinen der Wirte ist laut. Und es melden sich, naturgemäß, vor allem die Wohlhabenden mit den größten Biergärten und Gaststuben zu Wort und beklagen das Ausbleiben der Gäste. Es wäre doch genügend Abstand zwischen den Tischen vorhanden!

Vielleicht, denke ich und nehme einen Schluck vom guten Münchner Leitungswasser, bleiben viele Gäste nicht nur wegen Corona weg. Vielleicht überlegen sich einige von ihnen zweimal, ob sie - noch dazu unter den gegebenen, schwierigen Umständen - weiterhin einen Haufen Geld hinblättern wollen, um sich das übliche mittelmäßige Essen und überteuerte Getränke von scheinfreundlichem Servicepersonal kredenzen zu lassen.

Schon vor der Pandemie stopfte gerade der eine oder andere Großgastronom sein Wirtshaus gerne mit Leuten voll, die einfach nur konsumieren und die Einzelheiten nicht weiter hinterfragen, hoit im Sinne urbayerischer Gemütlichkeit, woaßt scho.

Der Gastronom lacht, der Künstler geht leer aus

Doch keine Panik: Für Diridari-Nachschub ist gesorgt. Der hochgeschätzte und heiß ersehnte Gast hat jetzt seinen Schanigarten. Ursprünglich eine österreichische Erfindung, greift dieses gastronomische Ausdehnungskonzept seit Corona auch in der Landeshauptstadt Raum.

Wirte dürfen Tische und Stühle auf öffentlichen Grund stellen, auf Bürgersteige und Parkplätze, schön abgegrenzt und von flüchtigem Aufbau, im Gegensatz zu einem festinstallierten Biergarten auf dem Gelände des Pächters. Angeblich, höre ich von allen möglichen Seiten, trage diese neuartige Speis- und Trankkultur zum Aufblühen des Münchner Lebensgefühls bei.

Interessant: Eine Installation, deren ausschließlicher Nutzen ökonomisch bedingt ist, erfährt in unserer Stadt sofort eine kulturelle Aufwertung als etwas zum inspirierenden Leben Gehörendes. Da lacht der Gastronom. Und der Künstler, dessen Atelier einer systemrelevanten Immobilie weichen musste, beantragt Hartz IV.


Schriftsteller Friedrich Ani.
Schriftsteller Friedrich Ani. © imago/Sabine Gudath

Friedrich Ani ist sieben Mal mit dem Deutschen Krimi-Preis ausgezeichnet worden. Er lebt (und unterstützt mit seinen Besuchen die Gastronomie) in Giesing.


Schanigärten für immer? Schreiben Sie uns Ihre Meinung

Die Café- und Restaurant-Tische auf Parkplätzen waren zunächst als kurzfristige Krisen-Hilfe für die Gastronomen gedacht. Jetzt bleiben sie wohl doch auch für den nächsten Sommer. Das hatte zunächst Bürgermeisterin Katrin Habenschaden (Grüne) in der AZ angekündigt. Was denken Sie, liebe Leser? Schreiben Sie an AZ, Leserforum, Garmischer Straße 35, 81373 München, an leserforum@az-muenchen.de oder in die Kommentare unter diesem Artikel.

Lesen Sie auch: 403 Schanigärten in München - Kommen noch mehr?

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