Dieser U-Bahn-Kiosk in München steht seit Jahren leer – und verändert den ganzen Bahnhof
Hellblaue Wände, wohin man schaut, ein paar gelbe Streifen, ansonsten viel Granit, Glas und Edelstahl: Wenn man sich am U-Bahnhof Max-Weber-Platz die Gleise und Rolltreppen wegdenkt, dann könnte man fast meinen, dass man in ein Schwimmbad hinuntersteigt; in eines, aus dem das Wasser abgelassen wurde.
Der unterirdische Bahnhof wurde 1988 eröffnet und gehört zu den wichtigen Verkehrsknoten im Münchner U-Bahn-Dschungel. Hier steigen täglich Tausende aus und ein, die im TU-Klinikum rechts der Isar arbeiten, sich dort behandeln lassen oder Patienten besuchen. Auch die Landtagsabgeordneten, die mit der U4 und U5 in die Arbeit ins Maximilianeum fahren, kommen hier an und fahren, sofern sie die Öffis nehmen, von hier wieder fort.
U-Bahnhof ist steril und kühl
Zudem ist der U-Bahnhof in Haidhausen Umsteigebahnhof für die vielen Menschen, die aus den Trambahnen der Linien 17, 19, 21, 25, 37 und den Bussen 155 und 9410 steigen. Vom Max-Weber-Platz geht es dann weiter in Richtung Haupt- oder Ostbahnhof oder auch zur Theresienwiese. Einladend wirkt hier wenig. Der U-Bahnhof ist steril und kühl. Kaum jemand bleibt mal stehen, nicht einmal an dem historischen Pferdetramwagen, der eigentlich spektakulär platziert ist.
Und auch die Obdachlosen schlagen ihr Lager lieber draußen unter dem Vordach auf als im geschützten Sperrengeschoss. Es gab mal eine Zeit, da hat es unter dem verkehrsreichen Platz in Haidhausen trotz Hallenbad-Atmosphäre sehr gemenschelt. Das lag an Ilona Geppert. Fast 20 Jahre lang stand sie im Sperrengeschoss in ihrem Kiosk, verkaufte Zeitungen und Fahrkarten, frischen Kaffee, Zigaretten und süße Drops.
Nur noch eine hält im Zwischengeschoss die Stellung
Sie lächelte viel, hatte für jeden ein freundliches Wort. Manche Stammkunden stiegen extra ihretwegen in den Untergrund – nicht auf dem Weg zur U-Bahn, sondern einfach, um mit ihr zu ratschen. Dass sie immer ohne Tageslicht arbeitete, störte Ilona Geppert nicht sonderlich. Sie sah das Blau der Wände und dachte ans Meer.
Im Dezember 2017 hörte sie aus familiären Gründen auf. Seitdem steht der Kiosk leer, mal abgesehen von einer kurzen Zwischennutzung. Eigentlich sollte er saniert und neu ausgeschrieben werden. Aber passiert ist nichts. Ohne die Kioskfrau ist der U-Bahnhof anonymer geworden. Er hat an Menschlichkeit verloren.

Dabei gibt es noch jemanden, der zwischen den blauen Wänden die Stellung hält, zumindest werktags bis 14 Uhr. Etwas weiter hinten im Zwischengeschoss versteckt sich eine kleine "Backstube". Darin steht eine Frau mit kurzen, dunklen Haaren und markanter Brille. Sie arbeite sehr gerne hier, erzählt sie. "Da bin ich für mich allein."
Egal, wie oben das Wetter ist, für sie ist hier unten immer gleich. "Wenn es schneit, kriege ich es nicht mit", sagt sie fröhlich.
Ist grad keiner da, der eine Butterbreze, ein Croissant oder einen Cappuccino (mit perfektem Milchschaum) bestellt, blickt die Verkäuferin auf die Rückseite eines Fahrkartenautomaten. Der wirkt wie ein Überbleibsel aus einer anderen Zeit.
Wunsch nach Kiosk-Öffnung
Ab und an, also nur noch selten, kommt es vor, dass jemand eine Fahrkarte aus Papier kaufen will. Dann muss die Backstubenverkäuferin erklären, dass es die Tickets in diesem blauen Kasten gibt.
Allerdings muss man dafür erst mal um ihn herumgehen. Wer nicht weiß, wie Münchner Fahrkarten-Kästen von hinten ausschauen, wird von selbst nicht so leicht fündig – und muss eben die einzige Person fragen, die man fragen kann in dem U-Bahnhof, also die einzige, die nicht zur U-Bahn, Tram oder zum Bus eilt. Die Backstubenverkäuferin würde sich freuen, wenn der Kiosk wieder öffnen würde. Vermutlich würde das auch ihr Geschäft beleben und mehr Leute zu einem kurzen Stopp bewegen. Blöd nur, sollte der Neue ebenfalls Backwaren verkaufen wie sie.
28 U-Bahn-Kioske stehen leer
Das Kiosk-Sterben in den U-Bahnhöfen ist kein neues Phänomen. 2019 standen 17 leer, heute sind es 28. Ein MVG-Sprecher sagt, aktuell befänden sich sieben dieser Kioske in Bahnhöfen, die bald saniert werden sollen. Langfristiges Ziel sei, alle "wieder dauerhaft zu vermieten".
Klingt gut. Am Beispiel Max-Weber-Platz muss man allerdings feststellen, dass das ganz schön lange dauern kann. Hier hat sich seit mehr als acht Jahren nichts getan.

Oberirdisch pulsiert das Leben. Direkt an den Ausgängen des U-Bahnhofs gibt es viele kleine Geschäfte: die Klosterapotheke mit ihrer frechen Werbung, Blumen-, Gemüse- und Buchläden – und ja, auch zwei Kioske.
In wenigen Minuten ist man in den Maximiliansanlagen, im Hofbräukeller oder auf dem Markt am Wiener Platz.
Und auch über den U-Bahnhof gibt es Positives zu berichten. Er ist barrierefrei (der Lift ist vor der Sparkasse). Und gegenüber, auf der anderen Seite der Tramgleise, ist ein besonders schöner Ein- und Ausgang mit einem denkmalgeschützten Trambahnpavillon. Der stand einst mitten auf der Kreuzung. Als der U-Bahnbau begann, wurde er abgetragen und versetzt.
Außerdem gibt es eine öffentliche Toilette im Sperrengeschoss. Auf den ersten Blick schaut alles sauber aus, die Benutzung kostet 60 Cent – passt!

Anderswo, zum Beispiel am Hauptbahnhof, ist es teurer (ein Euro). Also wenn’s pressiert ...
Im WC gibt’s dann auch Wasser – das fehlte noch zum Meerblick und Schwimmbad-Blau.
- Themen:
- Hofbräukeller
- Wiener Platz

