"Fix und fertig": Münchner Friseur von angeblicher Kundin dreist beklaut - Beute tut besonders weh

Im kleinen Schwabinger Salon von Friseurmeister Christian Suri greift eine Frau blitzschnell hinter die Empfangstheke und stiehlt seinen Lieblingsgeldbeutel mit fast 1000 Euro an Einnahmen. Jetzt hofft der geschockte Friseur auf Hinweise – und auf die Rückgabe des Erinnerungsstücks.
Irene Kleber |
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Friseurmeister Christian Suri (60) wurde in seinem Friseursalon in der Nordendstraße bestohlen: „Ich hätte wenigstens gern meinen Lieblingsgeldbeutel zurück.“
Friseurmeister Christian Suri (60) wurde in seinem Friseursalon in der Nordendstraße bestohlen: „Ich hätte wenigstens gern meinen Lieblingsgeldbeutel zurück.“ © Daniel von Loeper

Blitzschnell muss die Frau am Dienstagnachmittag zugelangt haben. Sie spazierte in den Friseurladen, ging einen Schritt um die hölzerne Empfangstheke herum – und zack, war Christian Suris Ledergeldbeutel mit fast 1000 Euro in bar plus Bankkarten weg. Und die unbekannte Frau auch.
So erzählt es der Schwabinger Friseurmeister (60), der seinen Salon Vanitas Hair nahe dem Elisabethplatz schon seit 17 Jahren führt. "Das ist so unfassbar gemein", sagt er, "ehrlich, ich könnte heulen, dass jemand sowas macht."

Türe offen, wegen eines Baugerüsts

Christian Suris Salon ist einer der kleinen in Schwabing, gerade mal 30 Quadratmeter groß. Momentan sieht man ihn kaum an der Nordendstraße 54, weil der schmucke Altbau, in dem er sich befindet, eingerüstet ist. "Ich kann wegen dem Gerüst die Markise nicht ausfahren", sagt er. "Die Sonne brennt deshalb ziemlich herein, darum stand am Dienstag auch die Türe offen."
Gleich hinterm Eingang befinden sich drei Frisierplätze für Kundinnen und Kunden. Rechts dahinter steht seine halbrunde Empfangstheke aus Teakholz. Drei Stufen führen zum Haarwaschbereich. Dahinter befindet sich – hinter einem halb offenen Vorhang – das kleine Labor, wo Suri und seine Mitarbeiterin Haarfarbe vorbereiten.

Vanitas Hair heißt Christian Suris Friseursalon. Gerade ist das Haus an der Nordendstraße 54 eingerüstet, deshalb übersieht man ihn fast.
Vanitas Hair heißt Christian Suris Friseursalon. Gerade ist das Haus an der Nordendstraße 54 eingerüstet, deshalb übersieht man ihn fast. © Daniel von Loeper

Der Geldbeutel, ein Erinnerungsstück

Dort sei er gestanden, nachdem er gerade die letzte Kundin abkassiert hatte. "Da war mein Lieblingsgeldbeutel, ein Burberry, noch da, der ist 20 Jahre alt, ein Erinnerungsstück aus hellem Leder mit schöner Patina. Ich weiß das genau, weil ich die Geldscheine der letzten Kundin gerade hineingesteckt hatte." Den Geldbeutel habe er in die Metallkassette hinter der Theke gelegt, der Deckel blieb, wegen der Dicke des Geldbeutels, ein Stück offen.

Dann kam, kurz nach 16.30 Uhr, die unbekannte Frau in den kurzzeitig leeren Salon. Jeans, helles T-Shirt, braune Ledertasche umgehängt. 40 bis 50 Jahre alt, so beschreibt er sie. "Ich habe sie durch den halb offenen Vorhang gesehen und mich noch gewundert, warum sie so nah an der Innenseite der Empfangstheke steht."
Sie habe nur gefragt, ob er auch Herrenhaarschnitte mache. "Ja, mache ich, nehmen Sie gern eine Karte mit", habe er geantwortet. Dann habe die Frau sich schnell umgedreht und sei aus dem Laden verschwunden.

"Ich war total schockiert, fix und fertig"

Eine knappe Stunde später, als die nächste Kundin fertig war und der Friseurmeister kassieren wollte, habe er sich gewundert, warum die Metallkassette nicht mehr ein Stück geöffnet, sondern komplett geschlossen war. „Der Geldbeutel war weg. Ich war total schockiert, fix und fertig, ich konnte an dem Tag gar nicht mehr weiterarbeiten.“
Doppeltes Pech: Suri hatte die Bar-Einnahmen der letzten Tage in der Früh noch zur Bank bringen wollen. „Ich war aber zu spät dran, weil viel zu erledigen war, habe das nicht mehr geschafft und auf den nächsten Tag verschoben. Leider.“ Und was ihn obendrein bedrückt: „Für die 1000 Euro an Einnahmen, die weg sind, muss ich ja trotzdem auch noch Steuern zahlen.“

Friseurmeister Christian Suri vor seinem "Labor", das ein Vorhang vom Salon abschirmt.
Friseurmeister Christian Suri vor seinem "Labor", das ein Vorhang vom Salon abschirmt. © Daniel von Loeper

Christian Suri hat den Diebstahl umgehend bei der Polizei angezeigt – und auch die Läden in seiner Nachbarschaft vor möglichen Diebestouren gewarnt. „Offenbar darf man in einem kleinen Laden mitten in Schwabing seine Kasse keine Sekunde aus den Augen lassen.“
Über die Frau, die er als Diebin im Verdacht hat, sagt er noch: „Sie hat Hochdeutsch gesprochen und sah eigentlich unauffällig aus.“ Schlank sei sie gewesen, mit hellbraun gefärbtem halblangem Haar. „Die Haare waren ein bisschen struppig, ein ziemlich breiter Ansatz war grau, sie hat wahrscheinlich seit drei Monaten nicht mehr nachgefärbt.“

Zwei Einbrüche bei Friseuren seit Anfang Juni

Hoffnung, dass er seine knapp 1000 Euro schnell zurückbekommt, haben ihm die Beamten nicht gemacht. Der Friseurmeister hofft nun auf Hinweise aus dem Viertel.
Auf AZ-Nachfrage heißt es bei der Polizei, es habe in München seit Anfang Juni zwei Einbrüche bei Friseuren gegeben – allerdings jeweils erst nach Ladenschluss. Da seien die Kassen aufgebrochen worden. Einen vergleichbaren Diebstahl aus der Kasse, während der Salon geöffnet war, gab es zuletzt nicht. Die Aufklärungsquote bei Diebstählen generell liege laut der Kriminalstatistik bei 37,3 Prozent.

Appell an die Diebin

„Ich wünsche mir, dass ich wenigstens meinen Lieblingsgeldbeutel zurückbekomme“, sagt Christian Suri, „da hängt wirklich mein Herz dran.“ Deshalb will er der Langfinger-Dame auch etwas ausrichten lassen: „Hallo Diebin, kannst du mir meinen Ledergeldbeutel bitte vor den Laden legen?“ Notfalls eben auch ohne das Geld.

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