Diebe im Rathaus: Kruzifix der Münchner CSU-Fraktion geklaut

Aus den Fraktionsräumen im Rathaus ist erst die Glocke verschwunden, mit der der Chef um Ruhe bimmelt – und dann auch noch das Kreuz. Haben Besucher lange Finger gemacht?
| Irene Kleber
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Der CSU wurde jüngst ein Kruzifix geklaut.
Christian Dittrich/dpa Der CSU wurde jüngst ein Kruzifix geklaut.

München - Vielleicht darf man sich die Situation so vorstellen: ein Sitzungstag Ende Oktober. Die CSU-Fraktion trudelt ein im Sitzungssaal in den Fraktionsräumen im zweiten Stock des Rathauses. Die Damen und Herren setzen sich an die Tische, die zu einem Rechteck aufgebaut sind, tuscheln ein bisschen, ehe es losgeht.

Dann schweift der Blick über die acht Meter Längswand. Irgendwas ist anders dort. Dann fährt ein Ellbogen raus, zum Tischnachbarn: "Du sag amal", sagt der Stadtrat leise, "wo is’n des Kruzifix?"

"Ja, Herrgottsakra", flüstert der andere zurück, schaut sich elektrisiert im Raum um und fährt hoch: "Nein, bittschön, Leut, ned scho wieder!"

Kruzifix geklaut: CSUler gehen von Diebstahl aus

Fakt ist: Das Kruzifix ist weg. Spurlos. Keiner in der Fraktion hat gesehen, wer es wann abgehängt hat. Und keiner hat eine Idee, wie es aus den gesicherten Räumen der Fraktion (draußen hängt sogar eine Kamera) hinausgewandert ist. Das ist umso erstaunlicher, als das Holzkreuz, an dem der leidende Jesus Christus hängt, fast einen Meter groß ist – und entsprechend sperrig und schwer.

Dass das ein dreister Diebstahl war, daran haben die CSUler keinen Zweifel mehr. Denn knapp zwei Wochen zuvor war schon ein zentraler Gegenstand verschwunden: die legendäre Tischglocke, die seit den 70er Jahren auf dem Platz des Fraktionsvorsitzenden stand, damit der – wenn die Kollegen schwätzen – beherzt um Ruhe bimmeln kann. Gestiftet vom Bürgerliebling Rudi Hierl, der 34 Jahre für die CSU im Stadtrat saß und 2010 mit 88 gestorben ist.

Die Glocke war plötzlich weg. Man rätselte noch ein paar Tage, wer sie wohl woanders hingestellt oder sich ausgeliehen haben könnte, suchte akribisch alle Räume ab. Fehlanzeige. Dabei hatte Hierl die Glocke in seiner Schlosserwerkstatt für die Fraktion angefertigt. So was lässt sich nicht ersetzen.

Geschäftsstelle besorgt neues Kruzifix

Man traf sich zur Krisensitzung. Überlegte, wie mit dem Doppel-Diebstahl umzugehen sei. An die große Glocke hängen? Man sei zwar Opfer geworden – aber die Sticheleien der anderen Rathausparteien darüber erdulden, dass man sich gleich zwei Mal hat beklauen lassen? Besser nicht, befand man wohl.

Die Geschäftsstelle hat inzwischen geräuschlos ein neues Kruzifix besorgt – halb so groß wie das angestammte. Zum Motiv und zu den Langfingern herrscht Rätselraten. Die Fraktion empfange ja häufig Besucher, heißt es. Aus der Sozial-, Sportler-, Künstler- und Umwelt-Szene. Vielleicht spiele ja auch die Geheimtür eine Rolle, die hinterm Flur in den Großen Sitzungssaal des Rathauses führt. Die Suche nach den Tätern geht also weiter.

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