Hier brauchen Sie keine Busse, Trams und U-Bahnen: Spaziertipps für München

Bei herrlichem Frühlingswetter lässt sich München am Streikwochenende auch schön zu Fuß erkunden. Die AZ-Lokalredaktion hat einige Tipps zusammengesammelt.
von  Carmen Merckenschlager, Jan Krattiger, Sophia Willibald, Myriam Siegert, Ralph Hub, Maja Aralica
Zumindest am Samstag heißt es für die Münchner: Zu Fuß gehen, der ÖPNV wird bestreikt. Aber bei herrlichem Frühlingswetter ist es draußen ohnehin am schönsten. In der AZ haben wir einige schöne Spaziergänge für ein paar schöne Stunden in der Sonne gesammelt.
Zumindest am Samstag heißt es für die Münchner: Zu Fuß gehen, der ÖPNV wird bestreikt. Aber bei herrlichem Frühlingswetter ist es draußen ohnehin am schönsten. In der AZ haben wir einige schöne Spaziergänge für ein paar schöne Stunden in der Sonne gesammelt. © imago

Was für ein neues Lebensgefühl: Statt grauem Himmel und dicker Winterjacke heißt es seit ein paar Tagen: strahlender Sonnenschein und das erste Mal im T-Shirt nach draußen. Wenn das nicht die Lebensgeister weckt.

Zwar wird es am Wochenende etwas weniger sonnig als noch zum Ende der Woche, und am Sonntag könnte es vereinzelt zu Schauern kommen, aber: Der Anfang ist gemacht, der Frühling scheint München erreicht zu haben. Das zeigen nicht nur die hübschen Krokusse im Englischen Garten und die Schneeglöckchen fast überall am Wegesrand. Die Vogerl zwitschern wie wild und die Außenplätze der Gastronomen sind fast bis auf den letzten Platz besetzt. Da wird klar, München will raus.

Tipps für den Frühlings-Spaziergang

Nur einen kleinen Haken gibt es an der Sache. Noch bis einschließlich Sonntag, 3.30 Uhr, wird der ÖPNV in der Stadt bestreikt. Aber mal ehrlich, zum Ärgern ist das Wetter ohnehin zu schön. Und falls Sie sich doch grämen, haben wir ein paar wunderbare Tipps in der AZ gesammelt, wie Sie auch zu Fuß den Frühling in der Stadt genießen können.

Allacher Lohe: Den Vöglein lauschen

Eingequetscht zwischen MAN-Betriebsgelände, Autobahn und riesigem Rangierbahnhof liegt im Münchner Nordwesten eine einmalige Oase der Natur: die Allacher Lohe. Ganz fleißige Spaziergänger können schon bei der Eggarten-Siedlung am nördlichsten Zipfel von Moosach mit ihrem Fußweg anfangen und sich Stück für Stück in Richtung Westen durcharbeiten.

Erst geht es über hügelige Wege an den Bahngleisen entlang mit spektakulärer Aussicht, dann vorbei am großen See der Allacher Lohe und schließlich ins Natur- und Landschaftsschutzgebiet. Dort ist man ganz rasch umgeben von Wald in einer Oase der Ruhe und hat sicherlich viele Gelegenheiten, um die nun langsam wieder lebendig werdende Flora und Fauna zu beobachten und zu genießen. Einkehrmöglichkeiten gibt es nicht in direkter Nähe, am besten also selber eine kleine Brotzeit mitbringen.

Die Allacher Lohe: Wunderbar naturbelassen.
Die Allacher Lohe: Wunderbar naturbelassen. © IMAGO/Philippe Ruiz (www.imago-images.de)

Glockenbach: Gräber und Fluten

Moosbewachsen und von dichtem Gestrüpp umgeben, ruhen hier jahrhundertealte Gräber. Ein Spaziergang über den Alten Südfriedhof lohnt sich: Während die Sonne durch die Wipfel scheint und die ersten Vögel zwitschern, spaziert man sprichwörtlich durch die Zeit.

Zum Ausklang lohnt sich ein Abstecher zum Westermühlbach, der parallel zur Pestalozzistraße plätschert und der Isar entspringt. Folgt man dem Bacherl flussaufwärts, erreicht man das Isarwerk 3 und kann den Blick über deutlich kräftigere Fluten schweifen lassen.  

Alter Südfriedhof: Zwischen hohen Bäumen und Gestrüpp ruhen hier jahrhundertealte Gräber.
Alter Südfriedhof: Zwischen hohen Bäumen und Gestrüpp ruhen hier jahrhundertealte Gräber. © imago stock&people (imago stock&people)

An der Würm entlang: Jagdschloss und Biergarten

Neben der Isar ist die Würm der zweite Fluss in München, der sich durch die gesamte Stadt zieht. Ein entspannter Spaziergang führt am Wasser entlang nach Norden durch grüne Auen und ruhige Wohnstraßen direkt zum Jagdschloss Blutenburg. Die spätmittelalterliche Anlage ist die einzige erhaltene Burg in der unmittelbaren Umgebung der Stadt. Je nach Lust und Laune beginnt man den Spaziergang in Pasing (ca. 25 Minuten), in Untermenzing (30 Minuten) oder in Lochham (etwa eine Stunde).

Nur zehn Gehminuten vom Schloss entfernt lädt der traditionsreiche Gasthof Zum Alten Wirt mit schönem Biergarten zur Einkehr ein. Er wurde bereits 1417 urkundlich erwähnt und gilt damit als ältester Gasthof Münchens. Auf der Karte stehen bayerische Klassiker wie Schweinebraten oder knusprige Haxe.  

Das Schloss Blutenburg in Obermenzing,
Das Schloss Blutenburg in Obermenzing, © Michael Eichhammer via www.imago-images.de (www.imago-images.de)

Sauschütt: Waldbaden in Grünwald

Definitiv nicht nur etwas für die reichen Klischee-Grünwalder, sondern für alle die etwas Natur mögen: Das Walderlebniszentrum Sauschütt in Grünwald bietet neben netten Wildschweinfamilien, denen man beim Herumsuhlen zuschauen kann, auch noch vieles mehr. Zum Beispiel ein Klanglabyrinth, einen großen Waldspielplatz für die Kinder und für die etwas mutigeren auch einen Klettergarten.

Auf dem rund drei Kilometer langen Walderlebnispfad lässt sich auch einiges über die hiesige Flora und Fauna lernen und am Damwildgehege gibt es auch einen Ausguck, wo man die Tiere in aller Ruhe beobachten kann.

Viele Wildschweine gibt es in der Sauschütt zu bestaunen, aber auch noch vieles mehr.
Viele Wildschweine gibt es in der Sauschütt zu bestaunen, aber auch noch vieles mehr. © imago/Reinhard Kurzendörfer

Das Wald-Café ist bei schönem Wetter an Samstagen, Sonn- und Feiertagen von 11 bis 16.30 Uhr geöffnet. Dort gibt es Getränke, Snacks und besonders empfehlenswert sind die frisch gebackenen Waffeln. Ab März gibt es übrigens auch wieder regelmäßig Sonderveranstaltungen für Familien und für Kinder auch Ferienprogramme.

Es gibt einen Parkplatz in der Nähe, mit den öffentlichen Verkehrsmitteln ist das Walderlebniszentrum per Bus (271 Richtung Dietramszell, Haltestelle "Grünwald Friedhof", von dort etwa zehn Minuten zu Fuß) oder Tram (25 bis "Derbolfinger Platz", von dort eine halbe Stunde zu Fuß). 

Start in die neue Freiluftsaison: An der Isar bis zum Biergarten

Ein paar Tropfen Öl sollte man seinem Radl schon gönnen, bevor es zur Isar geht. Nach der langen Winterpause hat die Kette Rost angesetzt, wie auch der Velozipedist.

Man kann das Radl aber auch stehenlassen und einen entspannten Spaziergang an der Isar unternehmen. Am einfachsten startet man hinter dem Deutschen Museum. Der Weg führt direkt an der Isar entlang. Kurz hinterm Tierpark Hellabrunn kann man sich aussuchen, ob man das linke oder das rechte Ufer nimmt. Je nach Stand der Sonne kann man mehr oder weniger viel Vitamin D tanken.

Spaziergänger am Isarufer in der Nähe des Tierparks.
Spaziergänger am Isarufer in der Nähe des Tierparks. © Felix Hörhager (dpa)

Apropos tanken: Der Vorteil dieser Strecke liegt in der Biergartendichte. Da wäre die Menterschwaige vor der Großhesseloher Brücke. Nach der Brücke lockt die Waldwirtschaft. Und bei wem die Kondition dann noch ausreicht, kann an der Bahnlinie entlang zur Grünwalder Straße. An der Trambahn-Wendeschleife geht’s rein in den Wald und dann an der Bahnlinie entlang bis zur Kugler Alm bei Deisenhofen. Das sind etwa acht Kilometer. Zurück nimmt man die S-Bahn, die fährt trotz Streik.  

Nymphenburg: Rund ums Schloss

Der Nymphenburger Schlosspark ist immer ein Genuss – auch jetzt im Vorfrühling gibt’s hier viel Natur. Hier kann man sich an Massen von Frühblühern erfreuen, den Enten, Gänsen und Schwänen zuschauen oder Eichhörnchen zählen. Auf den vielen breiten und schmaleren Wegen gibt’s Sonne satt und zahlreiche Bankerl zum Rasten sowieso.

Wer mag, fährt mit der Tram 17, die ab Sonntag wieder regulär fährt, direkt zum Schloss. Richtig Strecke macht man mit der ganz großen Runde mit Start am Rotkreuzplatz und den Kanal hinauf – immer schön auf der Sonnenseite.

Spaziergänger am Nymphenburger Schlosskanal.
Spaziergänger am Nymphenburger Schlosskanal. © IMAGO (www.imago-images.de)

Wer mag, kann im Park auch noch einen Abstecher in den Botanischen Garten nebenan machen und von dort (Maria-Ward-Str.) mit der Tram die Rückfahrt antreten; wer den Park nach Süden verlässt in Richtung Margarethe-Danzi-Straße, hat es aber auch zur S-Bahn Laim nicht mehr weit.  

Eine Runde Durch den Westpark: Wie eine Fernreise

Der Westpark wurde 1983 anlässlich der Internationalen Gartenausstellung angelegt. Landschaftsarchitekt Peter Kluska ließ sich von der Voralpenlandschaft inspirieren: Künstliche Hügel und Täler, zwei Seen und weitläufige Wiesen laden zu entspannten Spaziergängen ein.

Im westlichen Parkteil fallen besonders die exotischen Bauwerke ins Auge: die Nepalesische Pagode, die Thailändische Sala sowie die sorgfältig gestalteten japanischen und chinesischen Gärten. Hier kann man sich zumindest gedanklich ein bisserl auf Fernreise begeben.

Die Nepalesische Pagode im Westpark: Ein Spaziergang fühlt sich ein bisserl nach Fernreise an.
Die Nepalesische Pagode im Westpark: Ein Spaziergang fühlt sich ein bisserl nach Fernreise an. © Copyright: xmunich1x via imago-i (www.imago-images.de)

Wer doch noch weiter spazieren will, kann den östlichen Teil des Parks erkunden: Der Mollsee schlängelt sich wie ein langes Band durchs Grün und bietet immer wieder hübsche Ausblicke.

Zum Einkehren eignet sich besonders das gemütliche Gans am Wasser direkt am Ufer. Auf der Karte stehen Kaffee und Kuchen sowie herzhafte Klassiker wie Rosmarinpommes oder Bratwurstsemmel. Wer Lust auf Biergarten-Atmosphäre hat: Der Hopfengarten am BMW-Park hat wegen des schönen Wetters bereits geöffnet – offiziell war der Saisonstart erst für den 1. März geplant.

Der Westpark ist mit der S7 erreichbar (vom Heimeranplatz 20 Minuten zu Fuß), ab Sonntag mit dem Bus (u.a. 63, 62,130), Tram 18 oder U6. 

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