Die Stadt im 19. Jahrhundert: Bilder aus dem ur-alten München
Gut 2,5 Millionen Fotos hat das Münchner Stadtmuseum in seinen Beständen – die größte und bedeutendste Sammlung in einem Kommunalarchiv in ganz Deutschland. Der Schirmer/Mosel Verlag hat, zusammen mit der früheren Leiterin des Foto-Archivs Elisabeth Angermair, einen Bildband gezaubert, der nicht nur das alte München zeigt vor der Zerstörung im Zweiten Weltkrieg, sondern das ur-alte München im 19. Jahrhundert und weiter bis zum Ausbruch des Ersten Weltkriegs 1914.
Das erste Foto Deutschlands
Im Fokus der zweiten Neuauflage des prächtigen Bildbands steht auch die erste Fotografie Deutschlands: eine Aufnahme der Frauentürme von 1837 durch Franz von Kobell und Carl August Steinheil, der die Kamera dazu erschaffen hatte. Das erste Foto Deutschlands! Wenn nicht sogar der ganzen Welt: Als Geburtsjahr der Fotografie gilt zwar seit jeher das Jahr 1839, als Louis Jacques Mandé Daguerre in Paris sein Verfahren der Daguerreotypie vorgestellt hatte. Kobell und Steinheil dagegen hatten bereits 1837 fotografiert – die handschriftliche Datierung auf ihrem Foto von den Frauentürmen wurde erst 2024 entdeckt. Ihren Erfolg aber stellten sie erst nach Daguerre in München vor, wie in dem Buch anschaulich nachzulesen ist.
Historiker entdeckt Foto im Keller des Deutschen Museums
Entdeckt freilich, und das steht nicht in dem Bildband, sollte aber nicht unerwähnt bleiben, hatte das Ur-Münchner Foto der Münchner Fotograf und Historiker Heinz Gebhardt – im Keller des Deutschen Museums. Er schrieb ein Buch darüber und richtete 1978 eine Ausstellung im Stadtmuseum dazu aus.
In der Schau waren damals sämtliche Originale von Kobell und Steinheil ausgestellt. "Die Datierung lautete damals zwar nicht 1837 sondern 1838, aber immerhin ein Jahr vor der Bekanntgabe von Daguerre", so Gebhardt zur AZ. Der Grund: Er durfte die Fotos zwar ausstellen, aber nicht anfassen. Und so blieb der handschriftliche Vermerk "1837" auf der Rückseite damals noch unentdeckt...
"Auf diese drei Bände bin ich schon ein bisschen stolz"
Aber – der gewichtige Bildband hat noch viel mehr zu bieten. Ausgehend vom 360-Grad-Panorama der Stadt, das Georg Böttger 1858 vom Alten Peter aus aufgenommen hatte, wird das ur-alte München vorgestellt. Ausgehend von der Altstadt und weiter raus in alle Himmelsrichtungen über imposante Dachlandschaften und mehrstöckige Speicher in die damals noch dörflichen und gar nicht herrschaftlichen Vorstädte Münchens, in denen windschiefe Herbergen das Leben der Kleinhäusler vor der Stadt bestimmt haben.
Mit dem neu aufgelegten Bildband "München im 19. Jahrhundert" (49,80 Euro), dem Bildband über das Ruinenleben Münchens "Memento 1945" (48 Euro) und dem gleichfalls neu aufgelegten Bildband "München in Farbe, 108 Stadtbilder von 2009 bis 2025" des Fotografen Rainer Viertlböck (49,80 Euro) hat der Verlag Schirmer/Mosel drei gewichtige Standardwerke über die Stadt geschaffen, die eigentlich in jedem Bücherschrank zu finden sein sollten. Wie meint doch Verleger Lothar Schirmer (81) zur AZ? "Auf diese drei Bände bin ich schon ein bisschen stolz." Das darf er auch sein.
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