Die richtige Erde für alle Hobby-Gartler

Viele Erden für Blumen oder Gemüse enthalten Torf – doch das ist nicht gut fürs Klima. Die AZ verrät, worauf man beim Kauf der Erde achten soll.
| Petra Martin
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Mitarbeiter des Abfallwirtschaftsbetriebs München verkaufen Erde direkt am Wertstoffhof. Foto: AWM/ho
AWM/ho Mitarbeiter des Abfallwirtschaftsbetriebs München verkaufen Erde direkt am Wertstoffhof. Foto: AWM/ho

München - Alles blüht und grünt, da wollen auch die Hobbygärtner im Frühsommer nochmal nachlegen und zur warmen Jahreszeit Blumen, Kräuter und Gemüse anpflanzen. Und dazu braucht’s neben den Pflanzen und Töpfen auch Erde. Eine gute Erde ist die Grundlage für erfolgreiches Wachstum. Aber Erde ist halt nicht gleich Erde.

Denn: Viele Erden enthalten Torf – und das ist gar nicht mal so gut, sagt der Bund Naturschutz. Der wirbt dafür, sich für torffreie Produkte zu entscheiden. Die gibt’s sogar beim Discounter. Doch ausgerechnet die „Münchner Erden“ des Abfallwirtschaftsbetriebs der Landeshauptstadt enthalten bis zu 45 Prozent Torf – wie übrigens auch einige „Bio-Erden“.

Aber warum sollte man überhaupt auf Torf verzichten? Und warum ist in der Erde überhaupt Torf enthalten? Die Abendzeitung hat sich schlau gemacht:

Warum ist in der Blumenerde überhaupt Torf enthalten?

Zuerst einmal muss man sich klarmachen, welche Funktionen die Erde für die Pflanze erfüllt: Zum einen brauchen die Wurzeln einen Raum, in den sie hineinwachsen können. Zum anderen ist die Erde auch die „Nahrungsquelle“ für die Pflanzen. Über die Wurzel zieht die Pflanze Wasser und Nährstoffe, um zu wachsen und schließlich auch blühen und fruchten zu können.

Die Erde muss also einerseits für die Wurzeln durchlässig sein und zum anderen Nährstoffe in der richtigen Zusammensetzung enthalten. Torf enthält kaum Nährstoffe und wird deshalb zum „Verdünnen“ eingesetzt. Außerdem speichert er Wasser und ist luftdurchlässig.

Warum sollte man auf Torf verzichten?

Torf wird aus Mooren gewonnen. Moore speichern viel Kohlendioxid (CO²), leisten also einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz. Wenn sie abgetragen werden, können sie kein CO² mehr speichern. Moore erholen sich vom Abbau nur sehr langsam: „Um einen Meter Torf aufzubauen, sind 1000 Jahre notwendig“, sagt Christian Hirneis, Vorsitzender beim Bund Naturschutz in München.

Gibt’s Alternativen zum Torf?

Als Torfersatzstoffe kommen Kompost, Rindenhumus, Holz- oder Kokosfasern zum Einsatz. Auch in den „Münchner Erden“ ist Kompost enthalten. „Wir verwenden hierfür die Bio-Abfälle der Münchner“, erklärt Janet Hagen von den „Münchner Erden“. Allerdings enthält der Kompost alleine zu viele Nährstoffe und Bakterien, die „weiterarbeiten“.

„Die Nährstoffzusammensetzung verändert sich also im Laufe der Zeit. Deshalb muss der Kompost gemischt werden.“ Torf sorgt dafür, dass dieser Prozess unterbrochen wird. „Außerdem ist er leicht, sodass der Sack Erde auch noch besser transportiert werden kann“, erklärt Hagen.

Rindenhumus ist, einfach gesagt, kompostierter Rindenmulch, also zerkleinerte Rinde. Doch um den herstellen zu können, fehlen den „Münchner Erden“ die Flächen. Außerdem hat er ein hohes Gewicht und ist auf dem Markt nicht in geeigneter Qualität zu erwerben. Holzfasern sind zwar sehr leicht, haben aber den Nachteil, dass sie nicht stickstoffstabil sind und deshalb nur zu 20 Prozent in den Mischungen verwendet werden können.

Am beliebtesten sind Kokosfasern als Torfersatzstoff. Auch der Bund Naturschutz (BN) empfiehlt diese Fasern. In der Discounter-Blumenerde sind auch sie enthalten.

Warum dann nicht in den „Münchner Erden“?

„Wir haben uns die Entscheidung nicht leicht gemacht“, sagt Janet Hagen. „Kokosfasern stammen meist aus Sri Lanka, Indien oder Malaysia. Da können wir die Arbeitsbedingungen nicht nachvollziehen. Außerdem ist nicht sicher, ob diese Fasern belastet sind. Und: Der lange Transport mit dem Schiff aus Asien nach Rotterdam und dem Lastwagen nach München. Das ist auch nicht ökologisch“, sagt Hagen.

Deshalb haben sich die „Münchner Erden“ dafür entschieden, Torf zu verwenden. „Wir nehmen hauptsächlich Mischtorf aus dem Norden Deutschlands und geben etwas Weißtorf aus dem Baltikum dazu.“ Langfristig wollen die „Münchner Erden“ jedoch auf den Einsatz von Torf verzichten und arbeiten an einer neuen Rezeptur.

Ganz verteufeln will Janet Hagen den Einsatz von Torf nicht. Sie gibt zu bedenken, dass es ähnlich ist wie bei „Light“-Produkten: Hier kommt statt Zucker ein Zuckerersatzstoff zum Einsatz – mit seinen eigenen Vor- und Nachteilen.

Die meiste torfhaltige Erde wird übrigens nicht im Privatgarten verwendet, sondern in professionellen Gärtnereien. Wer der Natur etwas Gutes tun will, kann in torfreduzierter Erde heimische Pflanzen säen, denn sie dienen den heimischen Tieren als Nahrungsquelle.

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