Die R-Frage

Timo Lokoschat, stellvertretender AZ-Lokalchef, über den täglichen Kampf auf Münchens Straßen
| Timo Lokoschat
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An ihnen scheiden sich die Geister: Radfahrer in München.
picture-alliance/dpa An ihnen scheiden sich die Geister: Radfahrer in München.

Hier die bösen Radler, dort die engelsgleichen Fußgänger und Autofahrer: So einfach liegen die Dinge eigentlich nie. Natürlich auch nicht im aktuellen Fall, in dem ein Fahrradfahrer mit einem Rentner aneinandergeriet, ihn wahrscheinlich im Gerangel schubste und damit zu Tode brachte. Die Reaktionen von notorischen Radlhassern stehen allerdings jetzt schon fest: Typisch! Radler eben! Schrecken vor nichts zurück!

Auf der anderen Seite wird es wieder Briefe an die Redaktion geben: „Was haben Sie bloß gegen die Radler?“ So wie bei fast jedem Artikel, in dem das R-Wort auftaucht. Meistens werfen uns beide Lager „einseitige Berichterstattung“ vor, was im Grunde ein Kompliment ist. Zwischen den Stühlen zu sitzen – das ist als Journalist nicht immer der bequemste, aber oft der richtige Platz.

Was sich in dieser Debatte beobachten lässt, ist ein psychologisches Phänomen, das in München besonders ausgeprägt zu sein scheint: Das Verkehrsmittel, in dem man sich gerade befindet, wird als das richtige und wichtigste wahrgenommen. Ein Fußgänger oder Radler, der sich hinters Steuer setzt, schimpft plötzlich auf die blöden Spaziergänger und Pedalisten.

Und ein Autofahrer oder Fußgänger, der sich auf den Sattel schwingt, ignoriert auf einmal Ampeln und Schilder, die er vorher noch gesehen hat. Hoffentlich öffnet der jüngste traurige Fall einigen Verkehrsteilnehmern die Augen – ganz gleich, auf welche Weise sie sich am liebsten fortbewegen.

 

 

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