Die Münchner Vorstadthochzeit feiert Schnapsjubiläum

Eines der legendärsten Künstlerfeste der Stadt, die Vorstadthochzeit, ist vor 111 Jahren gegründet worden. Für den Ball am Freitag gibt es noch Karten.
| Julia Sextl
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Spielen das diesjährige Brautpaar: Kathrin Anna Stahl (l.) und Stefan Murr.
Engelbert Jost Spielen das diesjährige Brautpaar: Kathrin Anna Stahl (l.) und Stefan Murr.

München - Es könnte bald einen tragischen Todesfall in München geben, in der Nacht auf den 11. Mai: Denn am Vorabend jener Nacht wird Cäcilie Singerl, ehr- und tugendsame Jungfrau und Tochter eines Sargmachers, ihren Bräutigam Martl Hubertus Ganghofer heiraten.

Und es ist nunmal so, dass die drei älteren Schwestern von der Cäcilie allesamt ihre Männer um die Ecke gebracht haben – direkt in der Hochzeitsnacht, dann gibt’s nicht so viele Scherereien. Fragt sich nur, warum der Ganghofer, von Beruf Hasenjäger im Englischen Garten, die Cäcilie überhaupt heiratet; wo er doch eigentlich wissen müsste, dass dann sein letztes Stündlein geschlagen hat.

Vorstadthochzeit - Mord in der Hochzeitsnacht

"Na, wegen der Mitgift natürlich“, sagt Kathrin Anna Stahl, 41 und Schauspielerin. Und sie weiß Bescheid: Denn sie spielt nicht nur seit Jahren die Anverwandtschaft aus dem Glasscherbenviertel auf der Vorstadthochzeit, in diesem Jahr ist sie selber die Braut. Erst kürzlich feierte sie als Cäcilie Singerl die Verlobung mit ihrem Martl, im feschen braunen Sonntagskleid – und der Martl fesch in Tracht.

Ihn spielt der Schauspieler Stefan Murr (43), der jüngst wieder als Scheuer-Double auf dem Nockherberg zu sehen war.

Spielen das diesjährige Brautpaar: Kathrin Anna Stahl (l.) und Stefan Murr.
Spielen das diesjährige Brautpaar: Kathrin Anna Stahl (l.) und Stefan Murr. © Engelbert Jost

Mord in der Hochzeitsnacht, von Beruf ein Hasenjäger: Die Vorstadt-Hochzeit anno 1905 ist – wie könnte es auch anders sein – eine Satire. Eine spöttische, übertriebene, lustige Veranstaltung, die bereits im Jahr ihrer Gründung, 1908, das Ziel hatte, eine ehrbare Vorstadthochzeit zu parodieren.

Die Idee dazu hatte damals Karl Arnold, Karikaturist, Mitarbeiter des "Simplicissimus"und der Treibauf einer Schwabinger Malerrunde. Damals reihte sich die Vorstadthochzeit in die zahlreichen und teils legendären Faschingsfeste ein, für die München berühmt geworden war – wie beispielsweise die "Schwabinger Bauernkirta“.

Vorstadthochzeit - erste Veranstaltung im Jahr 1908

Arnold und seine Mitstreiter ließen damals alles aufmarschieren, was auf einer ordentlichen Hochzeit zu finden ist: vom Veteranenverein über die Feuerwehr bis zum grottig singenden Gesangverein.

Die erste Feier war im Arzberger Keller an der Nymphenburger Straße. Bis 1914 zählte die Vorstadthochzeit zu den originellsten Münchner Faschingsfesten.

Erst nach den Kriegen, 1951, wurde die Vorstadthochzeit in kleinem Kreis wiederbelebt. 1958 ging’s dann regelmäßig im Franziskaner über der Klause in Harlaching weiter, mit strengen Vorschriften für die Kostümierung.

Diese gelten auch heute noch: "Falschozongne werden zum Umziehen heimgschickt“, sagt Stahl. Gewünscht werden Kostüme, wie sie um die Jahrhundertwende getragen wurden, oder historische Tracht.

Wer nix daheim hat, darf aber auch ein bisserl mogeln: "Eine hochgeschlossene, einfarbige Bluse und ein schlichter langer Rock, vielleicht noch mit einem Rüscherl dran, gehen auch“, sagt Stahl. Für Männer kommt ein schlichter Anzug mit schmaler Krawatte oder Mascherl, aufgestelltem Kragen und Hut in Frage.

Auf der Vorstadthochzeit ist fast alles erlaubt

Ob Dienstbote oder Herrschaft, Vorstadtstenz, Bohemian oder atemberaubend korsettierte Dame – alles ist erlaubt. Für Jungfrauen gibt es sogar extra einen Jungfrauen-Chor. "Die singen zwar schief und greislig, das aber gekonnt“, sagt Stahl und lacht.

Ob sie als Cäcilie Singerl ihren Bräutigam überleben lässt, weiß sie selber noch nicht. Aber eine Chance hat er zumindest: "Ein Hasenjäger, das ist doch süß! Zum Großwildjäger hat’s nicht ganz greicht, deswegen jagt er jetzt Hasen im Englischen Garten. Das find’ ich sexy." Na, dann schau ma mal . ..


10. Mai, im Festsaal im Hofbräuhaus (Platzl 9), 19.30 Uhr, Einlass 18.30 Uhr. Tickets (66 sowie 50 Euro) gibt’s über okticket.de

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