Die Münchner lieben ihre Maroni: Aber in jeder Tüte ist was faul

Die AZ hat Maroni getestet: In der schlechtesten Stichprobe sind sogar über die Hälfte der Esskastanien faul oder nicht schälbar! Laut Experten landet oft B-Ware an den Ständen. Und die Verbraucherzentrale warnt vor Schimmel.
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Maroni: Eigentlich lecker - aber nicht überall gibt es gute Qualität
Ronald Zimmermann Maroni: Eigentlich lecker - aber nicht überall gibt es gute Qualität

MÜNCHEN - Die AZ hat Maroni getestet: In der schlechtesten Stichprobe sind sogar über die Hälfte der Esskastanien faul oder nicht schälbar! Laut Experten landet oft B-Ware an den Ständen. Und die Verbraucherzentrale warnt vor Schimmel.

Süßlich nussig sollen sie schmecken, goldgelb glänzend schimmern und beim Schälen die frostigen Finger wärmen. Heiß dampfende Maroni gehören zum Christkindlmarkt wie der Krampus zum Nikolaus. Doch die Qualität der Edelkastanien lässt dramatisch nach. Die AZ hat acht Maronistände in der Innenstadt und auf dem Tollwood getestet – mit zum Teil erschreckenden Ergebnissen.

Fad, faulig, fummelig: In jeder Tüte fand die AZ mindestens ein ungenießbares Exemplar – in einem Fall waren sogar sechs von elf Maroni für die Mülltonne!

Offenbar wissen die Verkäufer um die miese Qualität ihrer Ware, weisen mit Schildern darauf hin, dass „mal eine schlechte Kastanie dabei sein kann“ und man reklamieren soll. Bei der Beanstandung waren zwar alle kulant. Doch wer reklamiert schon? Die Tüte am Stachus gekauft, drei wurmige Exemplare am Marienplatz entdeckt – da geht wohl kaum einer zurück.

Für das Kreisverwaltungsreferat (KVR) ist der Maroni-Ärger nichts Neues. „Unsere etwa 50 Lebensmittelkontrolleure im Außendienst berichten nach Stichproben von ein bis zwei fauligen Exemplaren pro Tüte“, sagt Peter Seidel. Aber: Den Bratern sei nichts vorzuwerfen, denn faule Eier ließen sichnicht von außen erkennen. Nur bei gesundheitsschädlichen, schimmeligen Maroni müsse das Amt eingreifen. Etwa ein Bußgeld verhängen, oder den Stand aus dem Verkehr ziehen.

Denn bei Schimmel wird’s richtig gefährlich: „Auffällig dunkle oder verfärbte Maroni keinesfalls essen“, rät Susanne Moritz von der Bayerischen Verbraucherzentrale. Die Nussfrüchte können von Pilzen befallen sein. „Bis zu 280 Schimmelarten können für den Menschen sehr gefährliche, krebserregende Stoffwechselprodukte wie Afflatoxine freisetzen“, erläutert die Ernährungsberaterin.

Aber wieso ist die Qualität so mies? „An den Ständen werden oft billigere, minderwertige und schlecht gelagerte Maronen angeboten. Nach Deutschland wird inzwischen hauptsächlich Kategorie drei aus den Erzeugerländern geliefert“, sagt Volker Bouffier, Leiter der Interessengemeinschaft Edelkastanie.

Die besten Exemplare hätten die zwei- bis dreifache Größe einer Stand- Maroni, stammten aus Frankreich und werden vorwiegend als Feinkost eingelegt oder kandiert. „Die Hersteller glauben, wir in Deutschland kennen diese Qualität nicht“, erklärt Bouffier. Wer schöne Maroni für daheim sucht, solle sich an geschälte, durchsichtig eingeschweißteWare halten.

Unser Testsieger vomTollwood verkauft ausschließlich erstklassige Maroni aus Portugal, sagt er der AZ. Tipp vom KVR: Halten Sie sich an Verkäufer Ihres Vertrauens, bei denen Ihnen die Maronen schon einmal gut geschmeckt haben.

Christoph Maier

So gelingen die Maroni daheim

Ohne den richtigen „Ritz“ läuft nichts: Die Nussfrüchte ambesten mit einem scharfen Teppichmesser quer über die gewölbte Seite kreuzförmig einschneiden. Vergisst man diesen Schnitt, platzen sie im Ofen. Arbeitshandschuhe schützen beim Einschneiden vor blutigen Daumen.

Vorher löchrige Maroni aussortieren. Hier hat sich der Kastanienwickler eingenistet! Exemplare, die sich eindrücken lassen fliegen auch in den Müll.

Den Backofen auf 180 bis 200 Grad vorheizen. Der Trick: Eine Schale mit Wasser auf den Boden des Ofens stellen! So trocknen die Maronis nicht aus. Je nach Größe brauchen sie zwischen 30 und 40 Minuten. Wenn die Schale weit aufgegangen ist, sind die Edelkastanien fertig. Alternative: einschneiden, schälen und im Kochtopf garen.

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