Die Frau von Oberbürgermeister Reiter über Wohnungslose in München

Fünf Jahre Kälteschutz: Die Verantwortlichen ziehen eine positive Bilanz für die nächtliche Notunterkunft.
| Eva von Steinburg
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Berthold Troitsch (l.) vom Kältebus München ist Nachts im Einsatz.
Matthias Balk/dpa Berthold Troitsch (l.) vom Kältebus München ist Nachts im Einsatz.

Sie suchen eine Arbeit: auf dem Bau, im Reinigungsgewerbe oder im Biergarten – junge Rumänen und Bulgaren, die in der bayerischen Boom-Town ihr Glück versuchen. Seit der EU-Osterweiterung ist das auch ihr gutes Recht.

Viele dieser Männer und wenigen Frauen würden jedoch in ihren Autos schlafen oder unter Brücken campieren, bis sie auf dem so genannten Arbeiterstrich am Hauptbahnhof einen Job ergattert haben. Um ihnen einen sicheren Schlafplatz zu garantieren, gibt es seit fünf Jahren das Kälteschutzhaus in der Bayernkaserne, finanziert von der Stadt und dem Evangelischen Hilfswerk.

Die Bilanz: von November 2016 bis 30. April übernachteten hier 3.111 verschiedenen Menschen. Im Durchschnitt waren jede Nacht 333 Betten belegt. Auch Frauen schlafen hier, etwa aus Ungarn, oder der Slowakei. Machmal sogar Familien. Alleinstehende kommen meist für ein bis neun Nächte. Ein Viertel der Wohnungslosen sucht sogar für mehr als einen Monat jede Nacht von Neuem in der Bayernkaserne ein Dach über den Kopf.

Notunterkunft, nicht Herberge

Notunterkunft, nicht Herberge, ist das Kälteschutzhaus, das verfestigte Camps verhindert. Erst um 17 Uhr öffnet das Gebäude Haus 12 – alle Schlafräume haben Stockbetten. Eine schmale, blaue Decke, ein Laken, ein portioniertes Stück von der Klopapierrolle – dieses minimalistische Paket holt sich jeder an der Theke ab. Es gibt eine heiße Dusche, aber keinerlei Luxus: Nicht mal ein Handtuch oder Kaffee. Und jeden Morgen um 9 Uhr werden die Zimmer komplett geräumt.

"Hier ist ein Kommen und Gehen. Das ist wie ein pulsierendes Etwas", erklärt Rudolf Stummvoll, Leiter des Amtes für Wohnen und Migration. Parallel bekommen Arbeitsuchende aus Osteuropa Beratung in ihrer Sprache: "So hat jeder die Chance sich eine Existenz aufzubauen, egal ob er ein Gehaltskonto hat oder nicht auf der Schokoladenseite des Lebens angekommen ist."

Petra Reiter, die Ehefrau des OB, ist als Schirmherrin des Netzwerks Wohnungslosenhilfe in das Thema involviert: "Andere Städte müssen Menschen abweisen. In München gibt es für jeden Bedürftigen einen Schlafplatz", das ist ihr wichtig: "Der Kälteschutz ist aber kein Hotel. Der Standard ist niedrigst. Wenn Leute finden, unsere Wohnungslosen sind verwöhnt, dann sind sie nicht richtig informiert."

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