Sarah Connor verzaubert Olympiahalle: Prominenter Neu-Münchner bleibt auf Tribüne zurückhaltend
Irgendwas hat diese Frau an sich, dass man sie einfach gut finden muss. Ist es diese Stimme, die im deutschen Pop bis heute heraussticht? Sind es Songs wie „Vincent“, bei denen Radiosender einst auf die Barrikaden gingen, während die Fans in der Olympiahalle geschlossen aufspringen? Oder ist es diese entwaffnende Mischung aus Selbstironie und Nahbarkeit, wenn sie gleich zu Beginn der Show augenzwinkernd sagt: „Es gibt so Städte, da bin ich nicht so textsicher“? Eine charmante Anspielung auf ihren Hymnen-Patzer zur Eröffnung der Allianz Arena. Wahrscheinlich ist es genau diese Schnittmenge, die Sarah Connor trifft und ihre dreistündige Sause zu einem fast perfekten Popkonzert macht.
Dabei begann der Abend für viele schon vor dem ersten Ton. Wer mit der U3 anreiste, hörte Connor persönlich aus den Lautsprechern: „Servus München, willkommen in der U-Bahn. Ich bin Sarah Connor und ich spiele heute Abend in der Olympiahalle.“ Eine Ansage, die es im inoffiziellen MVG-Ranking locker auf Platz zwei hinter Oktoberfest Kult-Ansager Norbert Grünleitner schaffen dürfte.
Seit über 25 Jahren steht Connor auf der Bühne, und das Publikum spiegelt diese Treue wider: Es ist ein generationenübergreifendes Familientreffen. Hier gibt es keinen exzessiven Jubel, keine überdrehte, am Reißbrett entworfene Show. Trotzdem wirkt die Bühne mit ihren riesigen Leinwänden und dem beweglichen Leucht-Vorhang modern. Es ist im besten Sinne ein Pop-Spektakel ohne Spektakel.

Mutig, mutig: Sarah Connor setzt in Olympiahalle auf neue Songs
Musikalisch beweist sie Mut. Statt einer reinen Best-of-Dienstleistung setzt sie stark auf neues Material. Ein Risiko, das aufgeht. Songs wie „Geiles Leben“ oder „Heut’ ist alles gut“ wirken leicht und tragen ihre Stimme mühelos durch alle Lagen. Den emotionalen Anker setzt sie bei „Zusammen ist man weniger kaputt“. Ein Song über ihre Ehekrise, reduziert und akustisch am Bühnenrand vorgetragen.
Und dann natürlich „Vincent“. Eingeleitet mit jazzigem Intro. Connor räkelt sich am Boden, improvisiert bluesig, spielt mit Stimme und Stimmung. Unterstützt wird sie von einer opulent besetzten Band: neun Musiker, drei Backgroundsänger, sechs Tänzer, dazu wechselnde Outfits und als Gast Johannes Oerding für „Bonnie & Clyde“. Viel Aufwand, der sich aber nie in den Vordergrund drängt.

Denn im Zentrum steht immer Connor selbst. Seit ihrem Wechsel zur deutschen Sprache sind ihre Songs persönlicher geworden. Zwischen den Liedern erzählt sie von ihrem Leben, von ihren Kindern („Warum hat mir keiner gesagt?“), die zum Studieren nach England gingen und wieder zurückkamen. „Ist wohl doch ganz nett mit Wäschewaschen und vollem Kühlschrank“, kommentiert sie trocken und zwinkert Tochter Phini zu.
Überhaupt: Familie ist an diesem Abend überall. „Viele meiner Nichten und Neffen leben ja seit Neuestem in München und sind zu Gast“, ruft Connor und widmet den Jüngsten „Ich wünsch dir“.

Überraschender Star-Besucher: Bushido mit Familie bei Sarah-Connor-Konzert
Selbst ein eher unerwarteter Gast fügt sich in dieses Bild ein: Rapper Bushido verfolgt die Show zurückhaltend von der Tribüne. Fast wie einer der vielen Männer, die ihre Partnerinnen an diesem Abend begleiten (müssen). Während die Halle bei Songs wie „FICKA“ oder „Halt mich“ geschlossen steht und die Hits lautstark mitfeiert, bleibt er aber lieber sitzen oder läuft zu drei Fans, die unbedingt ein Foto haben wollen. Seine Frau Anna-Maria (Connors Schwester) bekommt eine ganz persönliche Version von „Drachen“ gewidmet und muss sich hier und da ein Tränchen aus den Augen wischen.
Die Stimmung? Weniger Ekstase, mehr Verbundenheit. Kein Ausrasten, sondern ein großes, musikalisches Wohnzimmer. Connor muss kein künstliches Spektakel inszenieren, um zu wirken. Sie ist die Gastgeberin ihrer riesigen „Familienband(e).

