Die drei Ringtunnel-Varianten

Auf der Infoveranstaltung zum Tunnel-Bau an der Tegernseer Landstraße ist sogar eine Duplex-Röhre im Gespräch.
| Verena Kemmer
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Viele Plätze blieben frei: Vorstellung der Ring-Varianten im Anton-Fingerle-Zentrum in der Schlierseestraße.
3 Viele Plätze blieben frei: Vorstellung der Ring-Varianten im Anton-Fingerle-Zentrum in der Schlierseestraße.
Vorstellung der Studie (v.l.): Norbert Kilger (Dorsch International Consultants), Christine Weis-Hiller (Planungsreferat), Clemens Baumgärtner und Carmen Dullinger-Oßwald (BA 18).
3 Vorstellung der Studie (v.l.): Norbert Kilger (Dorsch International Consultants), Christine Weis-Hiller (Planungsreferat), Clemens Baumgärtner und Carmen Dullinger-Oßwald (BA 18).
Interesse am Ring: Ein Münchner fotografiert die Variante der Tunnelverlängerung.
3 Interesse am Ring: Ein Münchner fotografiert die Variante der Tunnelverlängerung.

München - Der Mittlere Ring ist die am stärksten belastete Verkehrsader in der Stadt. Der Abschnitt Tegernseer Landstraße ist mit am meisten befahren: Auf den 1,5 Kilometern zwischen Candidbrücke und Chiemgaustraße rollen täglich über 130 000 Fahrzeuge vorbei.

Wie Lärm-, Stau-, Abgasbelastung vermindert werden kann, hat die Stadt jetzt in einer Studie untersuchen lassen. Auf einem Infoabend wurden die Tunnel-Pläne vorgestellt und gemeinsam mit den Anwohnern im Giesinger Anton-Fingerle-Zentrum diskutiert. Die erste Tunnel-Lösung sieht einen langen Tunnel von der Brudermühlbrücke bis zur Chiemgaustraße vor. Die Straßen auf Höhe Candidstraße verbleiben, die Candidbrücke wird abgerissen. Auf Höhe der Tergernseer Landstraße bleibt die vierspurige Straße über dem Tunnel mit den heutigen Abbiegespuren bestehen.

Weil das geschätzt 560 Millionen Euro kostet und mindestens 8,5 Jahre Bauzeit benötigt, ist der lange Tunnel derzeit nicht die favorisierte Variante, wie Gutachter-Chef Norbert Kilger verrät. „In puncto Kosten, Zeit und Nutzen ist die Verlängerung des Candidtunnels der klare Sieger.“

Die zweite Tunnel-Lösung der Studie hat bessere Chancen. Dabei soll der bestehende Candidtunnel verlängert werden. Die Candidbrücke bleibt stehen, vorhandene Lärmschutzwände möchte man erhöhen. Unter der Brücke ist lärmreduzierender Asphalt vorgesehen. Der Abschnitt Tegernseer Landstraße wird bis zum McGraw-Graben untertunnelt. An der Oberfläche bleibt eine vierspurige Straße und über Seitentunnels soll sie mit der Chiemgaustraße verknüpft werden. Hierfür werden sieben Jahre Bauzeit und Kosten in Höhe von „nur“ 350 Millionen Euro fällig. Klar, dass die Stadt diese Variante favorisiert.

„Ist eine Tunneleröffnung vor 2030 überhaupt möglich?“, möchte Herbert Danner, der für die Grünen im Rathaus sitzt, aus dem Publikum wissen. „Theoretisch ja, das kommt ganz drauf an, wie leicht die großen Probleme zu lösen sind“, entgegnet Christine Weis-Hiller vom Stadtplanungsreferat. Und davon gibt es viele: Wo soll etwa die Auto-Masse hin, wenn viele Fahrspuren wegen des Tunnelbaus wegfallen? Anders als bei anderen Ring-Baustellen, kann der Verkehr wegen der besonders dichten Bebauung an der Tegernseer Landstraße kaum umgeleitet werden - das Verkehrschaos während der langen Bauzeit ist programmiert.

Ursprünglich war das angrenzende Osram-Gelände als Ausweichpuffer eingeplant, um den Verkehr während des Baus umzuleiten. Hier sollen jetzt aber demnächst Wohnungen entstehen. Weil sich das Gelände in Privatbesitz befindet, kann die Stadt derzeit nicht mehr auf diese Option zählen.

Die dritte Tunnel-Lösung: Martin Vieregg hält einen Duplextunnel für die beste Wahl. Die doppelstöckige Röhre soll direkt an den Candidtunnel anschließen und auf 900 Metern bis zum McGraw Graben führen - inklusive einem unterirdischen Abzweig gen Chiemgaustraße. Bereits 2010 hatten die Freien Wähler die Studie beim Münchner Verkehrsberatungsbüro Vieregg-Rössler Auftrag gegeben. Die Röhre für rund 360 Millionen wäre ein bauliches Novum.

Laut Vieregg hätte es viele Vorteile: Oben verlaufen nur noch zwei Spuren und unten rollt der Verkehr vierspurig. Weil das Buddeln mit neuester Technik geschieht, sei nur ein Loch nötig, was das Bauen für die Anwohner viel erträglicher mache, so Vieregg.

Ganz „schwindelig“ fühlte sich Weis-Hiller beim Vieregg-Plan, weil es Autofahren so noch attraktiver mache. Ein Mann im Publikum mahnt hingegen den „Tunnelblick“ bei allen Plänen an: „Man bekämpft die Symptome und nicht die Ursache: den Verkehr."

Die Anwohner sind seit Jahrzehnten genervt: Radler und Fußgänger können die Straßen nicht überqueren, dazu Abgase, Lärm und Stau. „Macht endlich was!“ fordert ein Rentner lautstark, der schon lange an der Tegernseer wohnt. Ein Zwischenruf, der die Meinung vieler Anwohner an diesem Abend auf den Punkt bringt.

Die Stadt muss handeln: Schadstoff- und Lärmgrenzwerte werden, anders als im städtischen Lärmaktionsplan vorgesehen, massiv überschritten. Und der Verkehr nimmt zu: Bis 2025 sind es laut Studie bereits bis zu 150 000 Fahrten pro Tag. Der Tunnel muss also kommen. Bloß welcher?

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