Die brutalen Rentner-Räuber

Eine Bande hat immer wieder Senioren brutal zusammengeschlagen – auch in München. Eine 89-Jährige starb nach einem Überfall. Jetzt sitzen zwei Täter im Gefängnis.
| Ralph Hub
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Der Münchner Rentner Georg R. wurde am 27. Juni in Freimann vor seiner Wohnung überfallen.
Der Münchner Rentner Georg R. wurde am 27. Juni in Freimann vor seiner Wohnung überfallen.

München – Alte, wehrlose Menschen sind ihre Opfer. In ganz Europa überfiel die Bande Senioren. In Freimann schlugen sie einen 67-Jährigen krankenhausreif, in Berlin starb sogar eine Rentnerin. Eine lange, blutige Spur zieht sich kreuz und quer durch Europa: München, Berlin, Kassel, Basel, Prag. Die Liste der Tatorte wäre vermutlich noch länger, wenn einem Fahnder (55) des K 21 in München nicht ein Zeitungsartikel in der Berliner „BZ“ aufgefallen wäre. Dabei ging es um einen 25-Jährigen: Julian I. soll bei einem Raub im Juli in Berlin eine 89-jährige Frau getötet haben. Das Foto, der Berliner Polizei, ähnelte einem Tatverdächtigen aus München.

Das Opfer, Georg R. (67), wurde am 27. Juni in Freimann überfallen. Der Rentner kam von einem Stadtbummel zurück. Am Hauptbahnhof hatte er 1100 Euro abgehoben. Dann stieg er in die U-Bahn. Am Hart nahm er den Bus in Richtung Kieferngarten. Was Georg R. nicht ahnte: Julian I. und ein Komplize haben ihn längst im Visier. Das beweisen Fotos aus Überwachungskameras in U-Bahn und Bus. Als der Rentner am Werner-Egk-Bogen aussteigt, folgen sie ihm. „Mir sind die Burschen aufgefallen“, erzählt der Rentner, „die sahen gefährlich aus, deshalb wollte ich nichts tun, was sie provozieren könnte.“ Kurz vor seiner Wohnung zerren sie ihn in eine Durchfahrt. Die Täter schlagen den alten Mann brutal zusammen. Selbst als er am Boden liegt, treten sie auf Wolfgang R. ein. Die Angreifer schnappen sich seine Umhängetasche, greifen sich das Geld und laufen weg, insgesamt 1700 Euro. „250 Euro hatte ich in meiner Tasche in einer Zeitung, die haben sie nicht gefunden“, erzählt der Rentner. Schwer verletzt lag der 67-Jährige im Sommer mehrere Tage im Krankenhaus.

Als man dem Rentner Fotos zeigte, erkannte er die Verdächtigen sofort wieder. Die Fahndung läuft. Doch die Männer bleiben zunächst verschwunden – bis der Münchner Kriminaler am 22. August die Zeitung liest. Ein Anruf in Berlin genügt, schon hatte man den Namen zu einem der Gesuchten: Julian I.; der 25-Jährige saß da bereits in Griechenland ein. Die Polizei in Athen hatte ihn festgenommen. Sein Komplize Ruse C. (26) saß zur selben Zeit im Gefängnis in Basel (Schweiz). Laut Polizei gehören beide zu einer Bande skrupelloser Gewalttäter, die es vor allem auf Senioren abgesehen haben.

Opfer fanden sie in ganz Europa. Immer gingen sie mit äußerster Brutalität vor. In Kassel überfiel Julian I. eine 90-Jährige in einem Wohnhaus in der Brentanostraße sowie eine 85-Jährige im Mercedeshochhaus an der Unteren Königsstraße. Zwei Tage zuvor beging er den Raubmord in Berlin. Julian I. hat bereits gestanden. Doch die übrigen Mitglieder der Bande sind noch auf freiem Fuß. Georg R. hat sich von dem Überfall inzwischen erholt. Nur unterhalb seines rechten Auges hat er immer wieder Schmerzen. „Da haben sie mir einer so fest ins Gesicht getreten, dass der Knochen splitterte.“

 

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