Die allgemeine Sauerei: Eine Stadt vermüllt

Unser Redakteur ärgert sich über ein Sofa auf der Straße – und noch vieles mehr. Die Vermüllung Münchens macht ihn zum Glück aber nicht sprachlos. So ist diese Polemik entstanden.
| Robert Braunmüller
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Im Hintergrund ist gleich der Wertstoffhof zu sehen. Das Sofa hat es leider nicht ganz dorthin geschafft. Inzwischen hat sich jede Menge weiterer Müll hinzugesellt.
Robert Braunmüller Im Hintergrund ist gleich der Wertstoffhof zu sehen. Das Sofa hat es leider nicht ganz dorthin geschafft. Inzwischen hat sich jede Menge weiterer Müll hinzugesellt.

Untersendling - Auf einem Parkplatz vor dem Wertstoffhof in der Tübinger Straße steht ein altes Sofa. Seit zwei Wochen. Diverse Frauen mit Kopftuch und Migrationshintergrund haben es bereits auf seine Weiterverwendung hin geprüft. Aber es war ihnen zu verschlissen. 14 Tage in Wind und Wetter haben es auch nicht besser gemacht. Und so steht es da und es zieht weiteren Dreck an.

Es ist ein weiterer Schritt in der Balkanisierung Münchens. Während – wie ich selbst jüngst persönlich feststellen durfte – der Balkan an Sauberkeit gewinnt, wird unsere Stadt immer dreckiger. Öffentliche Mülleimer quellen über, weil da mittlerweile Leute ihren ganzen Hausmüll entsorgen, wenn die eigene Tonne zu voll geworden ist.

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Der öffentliche Raum verwahrlost

 

Die "fliegende Verpflegung" am Imbissstand fördert die Vermüllung. Und leider packen auch Bäckereifachverkäuferinnen liebend gerne jede einzelne Semmel in eine eigene Tüte. Und jede Bio-Tomate hat ihr eigenes Plastikschälchen, das entsorgt werden muss.

Der öffentliche Raum verwahrlost. Raucher treten auf der Straße ihre Kippen aus und werfen die Schachtel hinterher. In jeder kahlen Hecke stecken Kaffeebecher aus Plastik oder Pappe.

An den Wurzeln der Sträucher liegen rostige Bierdosen und von der Frühlingssonne vergilbte Styroporschalen, in denen Dönerverkäufer ihre Mahlzeiten ausgeben.

Wenn sich ein Fensterbrett in Reichweite der Passanten befindet, steht da bald eine leer getrunkene Schnapsflasche. Die allgemeine Sauerei greift auch auf bürgerliche Kreise über, wie der Blick ins Müllhäuschen jeder besseren Wohnanlage beweist: Offenbar sind die meisten Leute unfähig, Restmüll von Papier und Kompostierbarem zu trennen.

Viele sind zu faul, hin und wieder einen Plastik- oder Flaschencontainer aufzusuchen, obwohl ein gelegentlicher Spaziergang an der frischen Luft ihrer Gesundheit zuträglich wäre.

 

Die Saubären denken: Irgendein Depp wird den Dreck schon wegputzen

 

Das Sofa hat übrigens mittlerweile Zuwachs an Schubladen, nasser Pappe und leeren Plastikflaschen bekommen. Wahrscheinlich steht bald ein Schrottauto daneben. Ein paar hundert Meter weiter hat jemand Europaletten auf den Grünstreifen geworfen. Möglicherweise hat dieser Schmutzfink gedacht: Wenn das Holz verrottet, dient es dem öffentlichen Grün als Dünger.

Wahrscheinlich hat sich der Sofa-Besitzer bei den Öffnungszeiten des Wertstoffhofs geirrt und seinen Müll gleich dagelassen. So denken nämlich alle diese Saubären: Ich zahl ja eh schon genügend Steuern. Irgendein Depp wird den Dreck schon wegputzen.

Was tun? Ich kann das Sofa selber leider nicht wegtragen. Es würde nicht schaden, wenn man im städtischen Wertstoffhof mal über den Zaun schauen würde. Denn herumliegender Müll zieht mehr Müll an.

Ansonsten: Müll vermeiden. Und null Toleranz gegenüber Dreck in der Öffentlichkeit. In Singapur müssen Unbelehrbare ihren Dreck selbst aufsammeln. Ein guter Ansatz.


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