DHL-Panne an Weihnachten: Schimmel-Schmankerl kommt nach vier Wochen an

Es ist ein wiederkehrendes Ritual in der Familie von Gabriele P., worauf sich die Giesingerin immer sehr freut. An hohen Feiertagen wie Ostern, Weihnachten oder Pfingsten kommt bei ihr ein Packerl aus der alten Heimat an. Nämlich aus dem niederbayrischen Innernzell, wo sie geboren und aufgewachsen ist.
Ihre Mutter lebt heute noch dort. Der Inhalt des Päckchens ist eine kulinarische Spezialität, etwa ein Kilogramm schwer. "Geräucherter Schinken vom Schwein", sagt Gabriele P. Und zwar nicht irgendeiner.
"Meine Eltern sind befreundet mit einer Metzgerfamilie in Niederbayern", erzählt sie. Das dazugehörige Geschäft gibt es schon länger nicht mehr. Es wurde aufgegeben. Aber die Metzgerfamilie stelle den beliebten Räucherschinken für Freunde und Familie weiterhin her. "Dieses Schmankerl bekommt man sonst nirgends", sagt Gabriele P.
Die Mutter hat es rechtzeitig losgeschickt, beteuert sie
Doch an den Weihnachtstagen 2025 kam nichts an. "Ich hatte mich schon darauf gefreut", sagt Gabriele P., sie machte sich beinahe Sorgen. Der Schinken an sich war ihr natürlich unwichtig. Aber war alles in Ordnung in der alten Heimat, ging es allen gut? Sie meldete sich ohnehin an Weihnachten telefonisch. Gabriele P.’s Mutter hatte das Packerl wie immer abgeschickt. "Sie war verwundert. Meine Mutter sagte, dass sie es extra am 19. Dezember losgeschickt hatte, damit es zu den Feiertagen ankommt".
Auch nach dem Weihnachtstelefonat kam nichts an. "Ein paar Tage hatte ich noch darauf gehofft", sagt Gabriele P., doch spätestens gegen Jahresende gab sie die Hoffnung auf. "Ich dachte, vielleicht hat es jemand gestohlen, nachdem es die DHL vor der Tür abgelegt hat", spekuliert die Giesingerin. Oder hatte es ein Tier erspäht?
Fünf Versandkleber auf einem Päckchen
Die Mutter versprach ihr, ein neues Packerl zu schicken. Am Wochenende der dritten Januarwoche dann die Überraschung. An dem Samstag, den 17. Januar, kam tatsächlich ein Packerl an. Gabriele P. erinnert sich noch genau. "Es war 11.15 Uhr", sagt sie.
Die Giesingerin tat sich schwer, das einzuordnen. "Ich war mir erst sicher, dass mir meine Mutter ein neues Paket mit dem Räucherschinken geschickt hatte, quasi als Entschädigung", erzählt sie. Doch der Blick auf die Kartonage irritiert. "Da waren fünf verschiedene Versandettiketts übereinander geklebt", sagt Gabriele P. Absender: ihre Mutter.
Beim Öffnen der Verpackung haut es Gabriele P. beinahe um
Die Giesingerin riss das Paket auf – und fiel fast rückwärts um. "Der Räucherschinken war grün verschimmelt und roch sehr streng", erinnert sie sich. Geräuchert hin oder her. So lange hält das nicht. Sie entsorgte es.
Gabriele P. war verärgert. Noch am gleichen Tag rief sie bei der DHL-Hotline an. Dort sagte man ihr, dass sie bei einer DHL-Filiale vorstellig werden müsse, damit die Schäden begutachtet werden können. Aus dem Müll fischen wollte sie das Päckchen nicht mehr. Sie schrieb lieber der AZ und erzählte ihre Packerl-Odyssee.
DHL: "Verluste sind eine große Ausnahme"
Wir fragen bei DHL nach. Deren Sprecherin kann den Weg des Packerls nachzeichnen. Zur Weihnachtszeit 2025 seien diesmal Versandrekorde gebrochen worden, mit 13 Millionen sortierten Paketen pro Tag. "Unsere Brief- und Paketzusteller liefern bundesweit regulär jeden Werktag rund 42 Millionen Briefe und rund 6,7 Millionen Pakete aus", schreibt sie. Verluste seien trotzdem eine große Ausnahme.
Das war passiert: Gabriele P.’s Päckchen sei während eines Schichtwechsels rund um die Weihnachtstage versehentlich in einem LKW gelandet, der ins Ausland fuhr. Der Grund dafür sei auch für die DHL rätselhaft. "Ob die Sendung möglicherweise vorher vom Band gefallen ist o.ä., lässt sich nur mutmaßen", schreibt die Sprecherin. Man bitte, den Fehler zu entschuldigen.
Der Versanddienstleister entschädigt die Giesingerin
Nahrung zu verschicken sei grundsätzlich erlaubt. Die Sprecherin empfiehlt, DHL Express zu nutzen, um eine termingenaue Zustellung sicherzustellen. Bei normalem Versand "gibt es keine Laufzeitgarantie".
Am Ende bekam Gabriele P. für die ungewöhnliche Odyssee noch ein verspätetes Weihnachtsgeschenk der DHL. Sie bedankte sich bei der AZ und schrieb, dass sie am 30. Januar eine Entschädigung in Höhe von 50 Euro überwiesen bekommen habe.