Deutschland-Premiere an der Tankstelle
Nachts ist hier am meisten los: "Zwischen 24 Uhr und vier Uhr morgens kommen Menschen mit Hunger. Polizisten, U-Bahnfahrer. Leute von der U-Bahn-Wache und andere, die Schicht haben oder einfach spät unterwegs sind", sagt Alexander Schelling (46).
Der Pächter der Allguth-Station in der Chiemgaustraße hat "Emma" gemietet, den ersten Kochroboter an einer deutschen Tankstelle. Doch Emma ist kein humanoider Roboter, sondern sieht zunächst unspektakulär aus, wie ein großer Metall-Kasten.
Acht Kochtöpfe drehen sich im Fenster
Im Guck-Fenster drehen sich bis zu acht schwarze Kochtöpfe. Zum Test hat der Münchner Tankstellenpächter, dessen Mutter ein Thai-Restaurant geführt hat, an drei Tagen hintereinander die "Tom Kha Gai mit Reis"-Kreation probiert. "Ich muss sagen, das Essen hat mich sehr glücklich gemacht", sagt Halb-Thailänder Schelling zum neuen Food-Angebot an seiner großen Tankstelle mit sechs E-Ladeplätzen und 15 Zapfsäulen. Drinnen gibt es Getränke zu Getränkemarktpreisen.
Warmes Essen, individuell personalisiert
Neben dem klassischen Tanke-Bistro mit Chilli-Leberkäs und Feuerknackersemmeln duftet es plötzlich köstlich nach heimischer Küche. Der robotische Küchenassistent "Emma" hat dampfende "Tortellini vier Käse" ins Ausgabefenster geschoben. Auch angebräunten Kaiserschmarrn macht die Maschine. Ein Kunde am Bestell-Tablet zahlt am neuen "Guthfoods"-Terminal mit Karte. Er lässt sich Udon-Nudeln "Hot & Sweet" zubereiten, für 9,90 Euro.
Die Zutaten werden vorgeschnitten gekauft
Auch wenn "Emma" nicht menschlich wirkt, fasziniert das Automatisierte. Kinder drücken die Nasen an der Scheibe vor dem Kochherd platt. Hinter dem Fenster rotieren die Kochtöpfe, bis zu acht gleichzeitig. In jedem Topf wird eine Einzel-Portion frisch gekocht. Zutaten werden vorgeschnitten eingekauft und die Saucen der Gerichte sind bereits vorgewürzt.
Bewegt werden die Töpfe von Rollen. Eine Kimme im Topfinneren rührt um, damit nichts unten ansetzt. Ein kurzer weißer Roboterarm platziert die Töpfe am Herd und holt sie zurück, um kleingeschnittenen Brokkoli, fertig gekaufte Spätzle oder frische Toppings, wie Frühlingszwiebeln, aus Edelstahlbehältern dahinter zu holen. Doch dieser automatisierte Teil der Essenszubereitung bleibt den Augen verborgen. Vier bis fünf Minuten braucht ein Gericht.
Ein Robotik-Pionier hat den Koch-Kasten entwickelt
Den Koch-Kasten, das Gerät ist circa zwei mal sechs Meter groß, hat Ingenieur und Robotik-Pionier Hendrik Susemihl aus Hamburg erfunden. Seine Firma Goodbytz liefert es an Kantinen und an eine US-Militärbasis. 25 Gerichte sind möglich. "Mein Vater hat nach einem Herzinfarkt in der Kantine seiner Herz-Reha-Klinik Bratkartoffeln mit Speck serviert bekommen, da dachte ich: Ein warmes Essen muss individuell personalisierter gehen", so der Robotikvorreiter. Der Apparat sorgt jetzt 24/7 für warmes Essen, samt Alternativen, wie der "Veganen Döner Bowl".
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