Deutsches Museum in München: Neue Ausstellung über Chiffrier-Maschinen

Verschlüsselungsgeräte, die in Zigarettenetuis passen und eine Maschine, die als unknackbar galt: Das Deutsche Museum verfügt ab 2019 über eine Sammlung von wertvollen Chiffrier-Maschinen.
| Jasmin Menrad
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Die Kuratorin Carola Dahlke zeigt die mechanische Chiffriermaschine Kryha Standard, die von 1924 ist.
Daniel von Loeper Die Kuratorin Carola Dahlke zeigt die mechanische Chiffriermaschine Kryha Standard, die von 1924 ist.

München - Bis zu vierzehntausend Männer und Frauen arbeiteten im britischen Bletchley Park während des Zweiten Weltkriegs an der Entschlüsselung der Enigma. Gelungen ist das nur einer anderen Maschine, Codename "The Bomb".

Das Deutsche Museum hat jetzt die einzigartige Kryptographie-Sammlung von Klaus-Peter Timmann aus Pöcking geschenkt bekommen. Timmann hat über dreißig Jahre Codierungs- und Decodierungsmaschinen gesammelt. Seine Witwe Marion Winkelbauer hat die Stücke jetzt an das Deutsche Museum übergeben. Sie sind ab Ende 2019 zu sehen.

Darunter ist auch ein Verschlüsselungsgerät, das in ein Zigarettenetui passt, und das Timmann selbst entwickelt hat. Von einer Telefonzelle in Possenhofen hatte Marion Winkelbauer ihrem Mann in den 80er Jahren eine verschlüsselte Botschaft geschickt: "Es war heute wenig Wind am See." Die Botschaft kam in Tönen aus dem Telefonhörer bei ihrem Mann an. Er verstand sie. Auch dieses Gerät gehört jetzt dem Deutschen Museum.

Timmann war leidenschaftlicher Erfinder, Sammler und Verkäufer. Er gründete 1970 eine Firma, die Verschlüsselungsgeräte produziert, die wiederum beim Militär und Geheimdiensten zum Einsatz kamen.

Die Geschichte der Kryptographie geht von der monoalphabetischen Verschlüsselung (also dem Ersetzen eines Buchstabens durch einen anderen oder durch ein Zeichen) über die polyalphabetische Verschlüsselung (mit Maschinen wie der Enigma, die permanent die Verschlüsselung ändert) bis zur Quantenkryptographie, die Abhören sofort erkennt. Letztere soll, so verspricht’s der Generaldirektor vom Deutschen Museum Wolfgang M. Heckl, schon bald in die Informatikausstellung integriert werden.

Für historische Verschlüsselungstechniken, die an Spionagefilme mit Männern im Anzug und Pfeife erinnern, gibt’s die Sammlung Timmanns. Das Herzstück ist die Enigma von 1942, von der nur 150 Stück den Krieg heil überstanden haben und die einen Wert von einer halben Million Euro hat. Doch um’s Geld soll’s nicht gehen. Denn sie zu entschlüsseln, war kriegsentscheidend.

Dem Informatikpionier Alan Turing ist das gelungen, obwohl die Enigma 159 Millionen Millionen Millionen (das ist kein Fehler) Möglichkeiten kennt, einen Text zu verschlüsseln. "Heute verschlüsselt man so nicht mehr. Denn auch wenn man die Zahl der Verschlüsselungsmöglichkeiten erhöht, werden auch die Computer immer besser", sagt Heckl.

Der Mini-Computer


Die Rotor Chiffriermaschine HC-9. Fotos: Daniel von Loeper

Die mechanische Rotor Chiffriermaschine HC-9 wurde ungefähr um das Jahr 1950 gebaut. Sie ist nicht nur klein, batterielos und einfach zu bedienen, sondern vor allem programmierbar. Sie wurde bis in die 1970er Jahre von der schwedischen Armee verwendet und kam auch in vielen südamerikanischen Ländern zum Einsatz. Sie nutzt eine Lochkarte, die das Weiterschalten der Rotoren steuert.

Hast du Töne?


Links das Handgerät und rechts der Koffer zur Übertragung.

Diesen Spionagekoffer, der ausschaut wie ein Aktenkoffer, hat Klaus-Peter Timmann entwickelt. In das zigarettenetuigroße Handgerät werden Nachrichten eingetippt. Zur Übertragung hält man einen Telefonhörer auf die Hörmuscheln im Koffer. Dabei werden nur Töne gesendet, nicht gesprochen. Ein Vertriebsmitarbeiter in Afrika, so erzählte es die Timmann-Witwe, hatte mal bei ihnen angerufen, weil er sein Programm für das Handgerät verloren hatte. Weil’s eine Tonfolge war, konnte ihm Timmann das am Telefon wieder draufspielen.

Erich Honeckers geheimes Telefon


Das Krypto-Telefon soll Honecker gehört haben.

Dieses Krypto-Telefon P-171D-ATS der russischen Firma Telta soll DDR-Staatschef Erich Honecker gehört haben und stammt etwa aus dem Jahr 1970. Honecker nutzte es, um vertrauliche Gespräche zu führen – ob das ausschließlich politische Telefonate waren, ist nicht überliefert. Auch kann nicht nachgewiesen werden, dass das tatsächlich das Telefon von Honecker ist. Baugleiche Apparate nutzte auch der KGB. Üblich waren auch Apparate ohne Wählscheibe, die direkt mit dem Hauptquartier verbunden waren. Genutzt hat das alles nichts, die Telefonate waren rasch dechiffriert und konnten so abgehört werden.

Buchstabe, Buchstabe wechsel dich


Die Enigma M4.

Marion Winkelbauer und Museumsdirektor Wolfgang M. Heckl zeigen die Enigma M4 aus der Sammlung von Klaus-Peter Timmann. Sie hat vier Walzen und ein Steckerbrett und gilt als besonders sicher. Jedes Mal, wenn man einen Buchstaben drückt, glüht ein kleines Lämpchen bei dem Buchstaben, der diesen Buchstaben ersetzt. Doch das wechselt ständig: Ist ein A mal ein B, kann’s beim nächsten mal ein Z sein.

Das ist sonst noch im Deutschen Museum los

Die Dauerausstellung "Bild – Schrift – Codes" soll Ende 2019 eröffnen, dort ist auch die Sammlung von Klaus-Peter Timmann zu sehen. Doch es gibt noch viel Spannendes im Deutschen Museum zu entdecken:

  • Werktäglich gibt’s im Kinderreich ab 15 Uhr ein Mitmachprogramm für Kinder von 4 bis 8 Jahren. Eine Anmeldung ist nicht nötig.
  • Die Geschichte der automatisierten Musik wird bei der Seniorenführung am Donnerstag, 8. Juni um 10 und um 14 Uhr aufgezeigt. Eintritt und Führung frei, Anmeldung unter Tel. 233 211 66.
  • Durch die rund 400 Meter Bergbau geht’s speziell für Frauen am Mittwoch, 10. Mai, um 10 Uhr. Die Führung kostet nur den normalen Museumseintritt, Anmeldung unter Tel. 21 79 569.
  • Im Repair-Café im Verkehrszentrum (Am Bavariapark 5) bieten Elektriker, Ingenieure und Uhrmacher kostenlos Rat und Anleitung zum Reparieren von technischen Geräten an. Bringen Sie am Samstag, 13. Mai zwischen 11 und 16 Uhr ihre funktionsuntüchtigen Kleingegenstände mit.
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