Design-Star Patrick Mohr: "Ein Zwitter inspiriert mich"

Patrick Mohr ist der erfolgreichste Nachwuchsdesigner Münchens. Bei der Berliner Fashion Week schickte er Model Sara Nuru mit einem Zuckerwürfel im Mund über den Laufsteg. Im AZ-Interview spricht der 29-Jährige über die Kraft der Berge und Ideen in der Sauna.
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Der Meister an seinem Arbeitsplatz: Patrick Mohr in seinem Atelier in der Baaderstraße.
Petra Schramek Der Meister an seinem Arbeitsplatz: Patrick Mohr in seinem Atelier in der Baaderstraße.

MÜNCHEN - Patrick Mohr ist der erfolgreichste Nachwuchsdesigner Münchens. Bei der Berliner Fashion Week schickte er Model Sara Nuru mit einem Zuckerwürfel im Mund über den Laufsteg. Im AZ-Interview spricht der 29-Jährige über die Kraft der Berge und Ideen in der Sauna.

AZ: Herr Mohr, Sie sind in Rosenheim aufgewachsen, haben in München ihr Label gegründet. Ist Berlin die nächste Station?

PATRICK MOHR: Nein, ich wurzel stark in Bayern und brauche die Alpen. Auf den Berg zu gehen, gibt mir die Kraft, um in dem harten Mode-Business stark sein zu können. Wenn ich in Berlin leben würde, wäre das für meine Psyche schlecht.

Warum?

Die ganze Zeit dieser Erwartungsdruck, dieser Hype um mich, das ist eine Last. Stellen Sie sich vor, bei mir hat Sara Nuru von Germany’s next Topmodel angefragt, ob sie laufen darf. Ich kannte die gar nicht. Ich habe nicht mal einen Fernseher! Aber sie wollte unbedingt für mich laufen, dann ist das schon okay.

Sara war aber kaum zu erkennen...

Es geht mir nicht um die Models, sondern um die Kollektion. Um das sehr Skulpturale des Bodybuilding. Die Models liefen neben echten Bodybuildern in meiner Show und hatten krasse Stücke an. Die Kleider sind nur noch tragbare Kunst, nichts für den Alltag. Am Ende muss Mode aber tragbar sein, sonst können wir Designer davon nicht leben.

Sie kleiden sich selbst ausgefallen...

...und gelte deshalb als Paradiesvogel, nur weil ich nicht dem Normalbild in München entspreche. Dazu möchte ich nur sagen: Ich möchte nicht als Eintagsfliege abgestempelt werden. Mit mir als Designer ist weiterhin zu rechnen. Ich mache keine oberflächliche Mode wie viele Modeketten, sondern stehe mit meiner Person dahinter. Meine Mode ist authentisch, ist wie ich. Wem das nicht gefällt, der soll wegbleiben.

Was inspiriert Sie?

Ein Saunagang. Vielleicht hat es etwas mit der Hitze zu tun, aber es klickt dann in meinem Hirn. In der Therme Erding saß ich einmal neben einem Mann, der ein Zwitter hätte sein können. Alle waren schockiert, mich hat es inspiriert. Der Moment, in dem meine Kollektion entstanden ist.

Ihre Jeans passen Männern als auch Frauen. Warum designen Sie unisex?

Für mich gibt es nur den Menschen an sich. Ich sehe Mann und Frau als Einheit. Eine Jeans muss vom Schnitt her beiden passen und nicht nur in eine Abteilung im Kaufhaus. Was jedem gefällt, das sollte er tragen, egal was auf dem Etikett steht. Als Mann kann ich doch ruhig mal in die Damenabteilung gehen und dort etwas suchen.

Haben Sie das schon mal gemacht?

Klar. Jetzt gehe ich aber nicht mehr shoppen. Ich ziehe die Sachen von meiner Freundin an. Und sie meine.

Was würden Sie auf einen Staatsempfang mit Bundeskanzlerin Angela Merkel tragen?

Das gleiche wie jetzt. Wenn ihr das nicht passt oder ich gar meine Mütze abnehmen muss, dann gehe ich wieder. Ich hätte auch gar keinen Anzug.

Interview: Anne Kathrin Koophamel

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