Der virtuelle Kampf um die Fußball-WM

Auf dem echten Rasen ist Deutschland Fußball-Weltmeister. In der virtuellen Welt kämpften junge Männer aus aller Welt in München erst jetzt um den Titel.  
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Die vier Halbfinalisten beim FIFA Interactive World Cup 2015 (l - r):  Abdulaziz Alshehri, Lyes Ould-Ramoul, August Rosenmeier und Julien Dassonville. Abdulaziz Alshehri gewann am Dienstag das Finale.
Ron Stoklas Die vier Halbfinalisten beim FIFA Interactive World Cup 2015 (l - r): Abdulaziz Alshehri, Lyes Ould-Ramoul, August Rosenmeier und Julien Dassonville. Abdulaziz Alshehri gewann am Dienstag das Finale.

Auf dem echten Rasen ist Deutschland Fußball-Weltmeister. In der virtuellen Welt kämpften junge Männer aus aller Welt in München erst jetzt um den Titel.

München - Es riecht nach Schweiß im Palais Lenbach in der Münchner Innenstadt. Dabei müssen die jungen Männer, die in Turnschuhen, Trikots und kurzen Hosen auf den Anpfiff warten, gar nicht selbst aufs Feld und um den Ball kämpfen - sie lassen kämpfen. 20 Männer und Jungs aus aller Welt wollen in München Fußball-Weltmeister werden - rein virtuell im Videospiel.

In der bayerischen Landeshauptstadt findet in diesem Jahr das Finale des FIFA Interactive World Cups statt. Es ist ein Spiel, das Millionen Jungs der Karriere im Profi-Fußball vorgezogen haben. Doch auch wer das Spiel an der Konsole professionell betreibt, kann gutes Geld damit verdienen. Dem Weltmeister in München winkt bei der Siegerehrung an diesem Dienstagabend ein Preisgeld von 20 000 US-Dollar (rund 17 500 Euro).

Die Knopfdrücker kommen nicht nur aus europäischen Ländern. Sie sind auch aus Japan und den USA, Saudi-Arabien, Kanada oder Burkina Faso nach Bayern gereist, um den amtierenden Champion August Rosenmeier aus Dänemark vom virtuellen Fußball-Thron zu stoßen.

Arthur Dabilgou tritt für sein Heimatland Burkina Faso an. Der 22-Jährige, der in Kanada Mathematik studiert, sagt: "Ich bin hier, weil ich ziemlich gut darin bin" und lacht. "Ich schaue sehr viel Fußball und versuche dann, das, was ich sehe, auf das Videospiel zu übertragen." Bei der WM in München dürfen die Teilnehmer sich zwei Nationalmannschaften aussuchen. Dabilgou hat sich für Brasilien und Deutschland entschieden - "weil das zwei starke Teams sind".

Brasilien steht bei den Teilnehmern hoch im Kurs - ebenso wie Argentinien oder auch Deutschland. Ausgerechnet der einzige Deutsche unter den Top-20-Spielern hat sich aber gegen den in der echten Welt amtierenden Weltmeister entschieden. Der erst 15-jährige Daniel Butenko aus Neumarkt-Sankt-Veit in Oberbayern tritt mit Portugal und Frankreich an. "Mit Cristiano Ronaldo hat Portugal einfach den stärksten Einzelspieler überhaupt im Team", sagt er.

In seinem ersten Spiel der Gruppenphase am Montagabend muss Butenko allerdings auf seine zweite Mannschaft Frankreich ausweichen. "Mit Frankreich habe ich mich immer am wohlsten gefühlt", sagt er. Bei der deutschen Nationalmannschaft fehlt ihm ein guter Außenverteidiger. Trotzdem verliert Butenko sein erstes Gruppenspiel mit Frankreich 2:1 gegen Abdulaziz Alshehri aus Saudi-Arabien, der selbst mit Portugal ins Spiel gezogen ist, und sagt: "Ich übe jeden Tag zwei Stunden - egal, bei welchem Wetter." Alshehri wird später in der Endrunde im Münchner Volkstheater zum virtuellen Fußball-Weltmeister 2015 gekürt.

Seit er sieben Jahre alt sei, spiele er regelmäßig an der Konsole Fußball, sagt auch Butenko - und das so erfolgreich, dass er bei dem ein oder anderen Turnier schon ein bisschen Geld gewonnen habe. "Wenn man konstant die Leistung halten will, muss man schon zwei, drei Stunden am Tag spielen." Die Laufwege der Spieler studiert er ein und er übt Tricks. Trotzdem betont er: "Real Life geht vor." Im echten Leben ist seine Lieblingsmannschaft der FC Bayern München und er selbst "der 10er" in der B-Jugend seines Heimatvereins. "Technisch bin ich im echten Leben besser, aber läuferisch an der Konsole." Trotzdem ist für ihn nach der Gruppenphase Schluss.

Butenko ist der jüngste Spieler im Finale, der älteste ist der 31-Jährige Rachid Azzahim aus Marokko. Eine Frau ist unter den Top 20 nicht dabei. "Die Jungs sind reaktionsschneller", mutmaßt Butenko. "Man muss ja viele Knöpfe gleichzeitig drücken."

Nach Angaben der Veranstalter ist das Turnier, das vom Fußball-Weltverband FIFA organisiert wird, das größte Videospielturnier der Welt. Weltweit hatten Millionen von Fußballfans monatelang um die Qualifikation für das Finale gekämpft. Das erste Turnier dieser Art fand im Jahr 2004 statt. 2013 hatten sich nach Veranstalterangaben schon mehr als 2,5 Millionen Spieler registriert.

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