Der Surfer unter den Dirigenten – letzte Saison für Nagano

Die kommende Spielzeit ist für Kent Nagano die letzte an der Bayerischen Staatsoper. All seine Vorhaben habe er nicht umsetzen können, sagt er. Und das gilt nicht nur für die Musik.
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Die kommende Spielzeit ist für Kent Nagano die letzte an der Bayerischen Staatsoper. All seine Vorhaben habe er nicht umsetzen können, sagt er. Und das gilt nicht nur für die Musik.
dpa Die kommende Spielzeit ist für Kent Nagano die letzte an der Bayerischen Staatsoper. All seine Vorhaben habe er nicht umsetzen können, sagt er. Und das gilt nicht nur für die Musik.

München – Das Führungsduo der Bayerischen Staatsoper könnte unterschiedlicher kaum sein: Auf der einen Seite der gerne kraftmeierisch auftretende Intendant Nikolaus Bachler, auf der anderen der zurückhaltende und sensible Generalmusikdirektor Kent Nagano. Diese ungewöhnliche Zusammenarbeit findet mit der kommenden Spielzeit ein Ende.

Bachler bleibt, Nagano geht. Für ihn kommt der russische Dirigent Kirill Petrenko – Bachlers Wunschkandidat für den Posten an seiner Seite. All seine Pläne habe er nicht verwirklichen können, sagte der 60-jährige Nagano am Mittwoch bei der Vorstellung seiner letzten Spielzeit in München. Er habe es nicht geschafft, das Staatsorchester in sein Heimatland, die USA, zu bringen. Und „Hänsel und Gretel“ hätte er gerne einmal dirigiert. „Aber man muss Prioritäten setzen.

Vielleicht in einem anderen Jahr.“ In der kommenden Spielzeit – der siebten für Nagano – wird er, der zuletzt bei der „Walküre“-Premiere in München vom Publikum frenetisch gefeiert wurde, drei Neuinszenierungen seinen musikalischen Stempel aufdrücken: Der Oper „Babylon“ von Jörg Widmann, für die Peter Sloterdijk den Text geschrieben hat, Modest Mussorgskys „Boris Godunow“ und „Written on Skin“ von George Benjamin. Außerdem gibt es für ihn im großen Jubiläumsjahr natürlich noch einmal viel Wagner:

„Tannhäuser“, „Parsifal“, „Tristan und Isolde“ und den „Ring des Nibelungen“. Wie es nach 2013 mit dem Münchner „Ring“ weitergeht, ist nach Angaben Bachlers noch unklar. Naganos Nachfolger Petrenko soll 2013 den Jubiläums-„Ring“ in Bayreuth dirigieren. Auf drei Dinge sei er als Generalmusikdirektor besonders stolz, schrieb Nagano in einem offenen Brief: die Wiederentdeckung von Richard Strauss und die Schwerpunkte Verdi und slawisches Repertoire. Seinem Orchester dankte er „für die künstlerische Initiativkraft, die immer wieder von ihm ausgegangen ist“.

Die Zeit in München beschreibt er – allen Geschichten über Auseinandersetzungen mit Intendant Bachler zum Trotz – als „sieben Jahre höchster musikalischer Erfüllungen und Offenbarungen“. Im Jahr 2006 kam der Kalifornier mit japanischen Wurzeln als Nachfolger von Zubin Mehta an die Bayerische Staatsoper. Vorher war er Chefdirigent des Deutschen Symphonie-Orchesters in Berlin. Er hat in den großen Häusern der Welt am Pult gestanden – darunter die Opéra de Paris und die Metropolitan Opera in New York.

Dabei bewegte er sich oft abseits des klassischen Mainstreams. Bis Ende der 1990er Jahre hatte er weder Mozart noch Beethoven oder Brahms eingespielt, wofür er in Deutschland seinerzeit kritisiert wurde. Heute ist er neben seiner Arbeit in München Direktor des Orchestre symphonique de Montréal. Das will er auch bleiben. Außerdem will er endlich mehr Zeit mit seiner Familie und vor allem mit seiner 13-jährigen Tochter verbringen – und „schreiben“. Was, das wollte er noch nicht verraten. „Das wird eine Überraschung.“

Eine Sache gibt es übrigens noch, die Nagano in München nicht gemacht hat, obwohl er das vorhatte: Der leidenschaftliche Surfer hat sich nie auf die berühmte Eisbachwelle im Englischen Garten getraut. Stundenlang habe er den Surfern bei ihrer „seltsamen Art“, den Sport auszuüben, zugeschaut – mit wachsender Bewunderung. Einmal habe er einen Fuß in den Bach gehalten. „Und ich muss sagen, das ist wirklich kalt.“

 

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