Der Oppositionsführer wirbelt die Sicherheitskonferenz auf

Der Box-Champion erntet viele Sympathien in München – aber konkrete Zusagen kann er nicht mit nach Haus nehmen
| Matthias Maus
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Vitali Klitschko auf der Sicherheitskonferenz 2014 in München
dpa Vitali Klitschko auf der Sicherheitskonferenz 2014 in München

 

Der Box-Champion erntet viele Sympathien in München – aber konkrete Zusagen kann er nicht mit nach Haus nehmen

München Vitali Klitschko ist lange Distanzen gewohnt, aber sein Kampf um die Macht in der Ukraine geht über mehr als zwölf Runden. Man sieht dem Box-Weltmeister die Strapazen der letzten Monate an, als er am Sendlinger Tor sagt: „Ich weiß besser als andere: Ohne Kampf gibt es keinen Sieg.“

Seinen Kampf hat der Führer der ukrainischen Oppositionspartei Udar (Schlag) nach München getragen. Auf der 50. Münchner Sicherheitskonferenz traf er mit US-Außenminister John Kerry zusammen, mit Frank-Walter Steinmeier – und mit einem unangenehmen Gegner.

„Wir haben den Traum von Europa viele Jahre geträumt“, sagte Klitschko: „Durch Korruption habe wir viele Jahre verloren.“ Klitschko redet deutsch, englisch, da tut sich der 42-Jährige unnötig schwer. Auf dem Diplomaten-Parkett fühlt er sich unsicherer als im Ring.

Wenn die Revolution scheitere, „dann werden Europas Werte sterben in der Ukraine“, sagt er und fordert „ein starkes Signal“. Das „blutige Geld“ der korrupten Regierung müsse gestoppt werden. Er fordert Neuwahlen und die Rückkehr zur Verfassung von 2004, aus der Zeit der orangenen Revolution.

Vitali Klitschko erntet den längsten Applaus der Konferenz, als habe er eine rechte Gerade gelandet. Aber einen Wirkungstreffer, wie es Wirtschaftssanktionen gegen die Ukraine wären, den kann er nicht landen.

Die EU lehnt Sanktionen ab. Sein Gegner auf dem Podium ist der Geschäftsführende Außenminister Leonid Koschara. „Man kann die Ukraine Russland nicht wegnehmen“, sagt der in entwaffnender Deutlichkeit. Die russischen Milliarden und das billige Gas sind ihm offen gestanden lieber als ein paar lausige Millionen aus Brüssel. Aber erst mit seiner Behauptung, die Polizisten des Maidan würden „mit Molotow-Cocktails angegriffen“, die Demonstranten seien „Terroristen“, lockt er Klitschko aus der Reserve.

Der hat eine Broschüre vorbereitet, „Gräuel“ steht darauf, und sie dokumentiert die Verletzungen und die Kämpfe auf dem Unabhängigkeitsplatz. Eigenhändig verteilt der Zwei-Meter-Mann das Heft an Minister und Militärs. Klitschko mischt den Laden auf, Claudia Roth ist dennoch skeptisch: „Er war authentisch, er war aber auch nervös“, sagt die Grüne Bundestags-Vizepräsidentin zur AZ. „Vielleicht hätte er offensiver sein müssen.“

Auf dem Sendlinger Tor-Platz hatten sie ihm zugejubelt: „Braver Junge“, skandierten seine Landsleute, viele in blau-gelbe Nationalfarben gehüllt wie Olena Botezatu. „Wir können stolz auf ihn sein“, sagt die 28-Jährige. „Aber ich weiß nicht, wie die Revolution ausgeht. Putin ist einfach zu stark.“ Und Bogdan Puskar sagt: „Wenn wir keine Hilfe vom Ausland bekommen, dann schaut es nicht gut aus.“ Matthias Maus

 

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