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Der letzte Befreier von Auschwitz ist tot

David Dushman, der einst den Zaun des Konzentrationslagers niederwalzte, ist in München gestorben.
| Helmut Reister
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David Dushman starb in München. Die ist das letzte Foto von ihm. Es entstand am 9. Mai auf dem Neuen Israelitischen Friedhof bei der alljährlichen Gedenkfeier.
David Dushman starb in München. Die ist das letzte Foto von ihm. Es entstand am 9. Mai auf dem Neuen Israelitischen Friedhof bei der alljährlichen Gedenkfeier. © Marina Maisel

David Dushman ist tot. In der Nacht zum Samstag starb er in München im Alter von 98 Jahren, wie die AZ aus Kreisen der jüdischen Gemeinschaft erfahren hat. Die Biografie des aus der ehemaligen Sowjetunion stammenden Juden ist Zeitgeschiche pur, Stoff für Geschichtsbücher.

David Dushman, der erst vor wenigen Wochen zum letzten Mal Geburtstag feiern konnte und bei dieser Gelegenheit zum Ehrenmitglied der Israelitischen Kultusgemeinde (IKG) ernannt wurde, war der letzte noch lebende Befreier des Konzentrationslagers Auschwitz.

Dushman lebte zuletzt in München. Hier starb er im Alter von 98 Jahren.
Dushman lebte zuletzt in München. Hier starb er im Alter von 98 Jahren. © Marina Maisel

David Dushman befreite das KZ Auschwitz

Am 27. Januar 1945 hatte der russische Soldat mit seinem T-34-Panzer die elektrisch geladene Umzäunung des Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau niedergewalzt.

David Dushman als Soldat.
David Dushman als Soldat.

Was Auschwitz damals wirklich war, wusste er nicht. "Das", sagte er viel später, "habe ich erst nach dem Krieg erfahren." Ausgrenzung, Diffamierung und den gesellschaftlichen Absturz ins Bodenlose, weil er Jude war, erlebten er und seine Familie dagegen auch in der damaligen Sowjetunion mit. Sein Vater, ein Arzt, der der stalinistischen "Säuberungswelle" zum Opfer fiel, starb in einem Arbeitslager nördlich des Polarkreises.

Für David Dushman, der aufgrund seiner Tapferkeit mit Dutzenden Medaillen und Ehrenzeichen dekoriert wurde, begann nach dem Krieg ein neues Leben. Fast vier Jahrzehnte lang, von 1952 bis 1988, trainierte er im Fechten die Frauen-Nationalmannschaft der Sowjetunion und bildete Spitzensportlerinnen der Superklasse aus. In seiner Funktion als Trainer musste er 1972 an seinem jetzigen Wohnsitz München auch den Terroranschlag auf die israelischen Sportler miterleben. "Wir hörten Schüsse und das Brummen der Hubschrauber über uns. Wir wohnten damals genau gegenüber der israelischen Mannschaft", erinnerte er sich.

Dushman wurde im Laufe seines Lebens mit zahlreichen Orden ausgezeichnet.
Dushman wurde im Laufe seines Lebens mit zahlreichen Orden ausgezeichnet. © Marina Maisel

IKG-Präsidentin trauert um Dushman

Die letzten 25 Jahre seines Lebens verbrachte David Dushman in seiner neuen Heimat München. Als gefragter Zeitzeuge trat er oft in Schulen auf. Diese selbst auferlegte Aufgabe war ihm persönlich sehr wichtig.
Ressentiments gegenüber den Deutschen kennt David Dushman nicht. "Wir haben nicht gegen Deutsche gekämpft, sondern gegen den Faschismus", stellte er bei diesen Gelegenheiten fest.

David Dushman zusammen mit Charlotte Knobloch.
David Dushman zusammen mit Charlotte Knobloch. © Marina Maisel

IKG-Präsidentin Charlotte Knobloch trauert um Dushman, wie sie der AZ mitteilte: "Jeder Zeitzeuge, der von uns geht, ist ein Verlust, doch der Abschied von David Dushman schmerzt besonders. Dushman stand an vorderster Front, als 1945 die Mordmaschinerie der Nationalsozialisten zerschlagen wurde; als 'Held von Auschwitz' gehörte er zu den Befreiern des Konzentrationslagers und rettete unzählige Menschenleben." Und weiter: "Heute war er einer der Letzten, die aus eigener Erfahrung von diesem Ereignis berichten konnten. (...) Mit ihm verlieren wir einen tapferen, ehrlichen und aufrichtigen Mann und ein Ehrenmitglied unserer Kultusgemeinde. Wir werden ihm ein ehrendes Andenken bewahren."

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