Der King von Bayern

Im März 1959 besucht Elvis Presley das Bavaria Filmgelände und Starnberg, soll aber nicht ins Hofbräuhaus: Der neue Film von Klaus Bichlmeier zeigt Bilder vom München-Trip des Amerikaners
| Timo Lokoschat
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Als GI in Hessen: Presley war 18 Monate in Deutschland stationiert - zwischen 1958 und 1960.
AP Als GI in Hessen: Presley war 18 Monate in Deutschland stationiert - zwischen 1958 und 1960.

Im März 1959 besucht Elvis Presley das Bavaria Filmgelände und den Starnberger See, soll aber nicht ins Hofbräuhaus: Der neue Film von Klaus Bichlmeier zeigt Bilder vom München-Trip des Amerikaners

München - Höllenmaschine. Das inzwischen veraltete Wort für Sprengladung hat man schon lange nicht mehr gelesen. 1959 war’s ein gängiger Ausdruck. Zum Beispiel für die Bombe, die am 3. März in Frankfurt explodierte und den berüchtigten Waffenhändler Georg Pucher alias „Captain Morris” in den Tod riss.

Sicher gab es in der Redaktionskonferenz der AZ damals Stimmen, die diese Geschichte zur Schlagzeile machen wollten. Doch am Ende setzten sich die Elvis-Fans durch. Denn: Der King kam nach München!

Ein Knüller, an dessen Formulierung auf Seite 1 dann offenbar auch nicht allzu lange gefeilt wurde, schließlich sprach die Nachricht für sich. Und so hieß es in roten Buchstaben schlicht und ergreifend: Elvis Presley in München. Die Frankfurter Höllenmaschine, die von der französischen Geheimorganisation „Die Rote Hand” gezündet worden war, schaffte es nur zum Unteraufmacher.

Regisseur Klaus Bichlmeier hat das alte AZ-Exemplar für seinen Film „Zeitreise München” aufgetrieben. Auch in den Archiven am Rundfunkplatz 4, dem heutigen Sitz der Redaktion, lagert noch eine Ausgabe von damals. Lotte Holetz, die junge Reporterin, die Elvis traf, arbeitet nach wie vor für die Leute-Seite dieser Zeitung.

„Er hat schließlich nur ein paar Tage Urlaub”

„Als Fremdenführerin hatte sich Elvis Vera Tschechowa mitgebracht”, berichtete sie am 4. März 1959. Außerdem, dass er das Bavaria-Filmgelände besuchte und in der dortigen Kantine aß.

Danach lieh Schauspielerin Ada Tschechowa dem Sänger und ihrer Tochter Vera einen VW Karmann, damit die „junge Gesellschaft” an den Starnberger See fahren kann, um dort eine Bootsfahrt zu unternehmen.

Vom Hofbräuhaus riet Ada Elvis ab. Viel zu viel los. „Er hat schließlich nur ein paar Tage Urlaub und möchte nicht immer von Autogrammjägern eingekeilt sein”, erklärte sie.

Regisseur Bichlmeier glaubt noch an ein anderes Motiv für Presleys München-Trip: „Er wollte endlich mal ein nackertes Madl sehen.” In Frankfurt, wo der 24-jährige King als GI diente, sei in dieser Hinsicht gar nichts gegangen. Striptease war verboten, München in dieser Hinsicht freizügiger.

„Publikum begeistert! Weltstars! Sexbomben!”

Tatsache: Am Abend besuchte Elvis das „Moulin Rouge”, einen für damalige Verhältnisse recht sündigen Nachtclub in der Herzogspitalstraße, trank Whiskey on the rocks und wartete auf die Wäschemodenschauen um halb eins und halb drei. Das Etablissement hatte in der selben Ausgabe eine kleine Werbeanzeige geschaltet. Text: „Publikum begeistert! Weltstars! Sexbomben!”

Für die Morgenausgabe der AZ wurde die Schlagzeile dann übrigens doch noch einmal gewechselt: Eine Frau war vom Zug erfasst und wie durch ein Wunder nur leicht verletzt worden. Eine Minute später erstickte die 67-Jährige unglücklicherweise an einem Apfelstück, das sie gerade im Mund hatte.
 


Der Film „Zeitreise München” ist als DVD für 20 Euro in allen Münchner Hugendubel-Filialen erhältlich. Oder direkt beim Regisseur unter info@zeitreise-muenchen.de.

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