Der fast perfekte Internet-Betrug

Bande prellt mindestens 100 000 Kunden, der Schaden geht in die Millionen: Die Gauner locken mit Elektronik, Autos und Kleidung. Die Opfer ahnen nichts Böses und zahlen.
| Ralph Hub
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Hier wird’s kriminell: LKA-Fahnder Gerald Busch zeigt auf die Internetseite
„usa-auto-kaufen.de“ der E-Commerce-Mafia.
dapd Hier wird’s kriminell: LKA-Fahnder Gerald Busch zeigt auf die Internetseite „usa-auto-kaufen.de“ der E-Commerce-Mafia.

Bande prellt mindestens 100 000 Kunden, der Schaden geht in die Millionen: Die Gauner locken mit Elektronik, Autos und Kleidung. Die Opfer ahnen nichts Böses, zahlen – bekommen aber nichts.

München - Noch immer sind etliche der Online-Shops aktiv. Wer über sie im Internet einkauft, ist sein Geld garantiert los. Über 100 000 Kunden hat die E-Commerce-Mafia abgezockt und Millionen kassiert.

Ein Audi R8 FSI quattro V10 für 80 700 Euro? Ein wirkliches Schnäppchen, das da unter „www.usa-auto-kaufen. de“ angeboten wird. Immerhin liegt der reguläre Listenpreis in der Grundausstattung bei knapp 110 000 Euro. Doch Vorsicht: Wer den Wagen in diesem Onlineshop bestellt ist sein Geld schneller los, als es der Bolide von 0 auf 100 schafft – nämlich in 4,6 Sekunden.

Das Angebot ist gefaked, genauso wie alles andere auch auf der Seite. Und auch die Angebote auf „www.af-importautohaus. de“ sind falsch. In den Bungalows von „www.luxus- ferienhaus24.de“ kann niemand zu den angegebenen Bedingungen Urlaub machen.

AZ - Video: So kam die Polizei den Betrügern auf die Schliche

Die Seiten sind noch aktiv, weil die Server im Ausland stehen und bisher nicht abgeschaltet werden konnten. Wie viele sonst noch online sind, kann selbst die Kripo nicht mit letzter Sicherheit sagen. Die Ermittlungen vom LKA in München und der Staatsanwaltschaft in Augsburg laufen noch. „Es ist wie ein Puzzle mit 10 000 Teilen“, erklärt Sabine Nagel, Sachgebietsleiterin für Wirtschaftsdelikte beim LKA.

Über 100 000 Kunden fielen auf die E-Commerce-Mafia herein. Der Schaden geht nach Angaben der Ermittler in den zweistelligen Millionenbereich. Das ist „in seiner Dimension bisher einzigartig“, sagt LKA-Präsident Peter Dathe.

Die Bande fälschte die Online- Auftritte seriöser Firmen und bot neben Autos und Ferienwohnungen auch Designerkleidung, Unterhaltungselektronik an – alles, womit sich eben Geld verdienen lässt. Stets verlangten die Gauner Vorkasse. Geliefert haben sie nie. Häuften sich die Beschwerden, machten sie den Online-Shop dicht. Und eröffneteten einen neuen.

Selbst wer als Kunde vorsichtig war und sich auf einen der angebotenen Rechtsanwälte als Treuhänder verließ, wurde abgezockt. Auch diese Daten waren geschickt gefälscht, genauso wie die Kontodaten auf die das Geld ging. Rund 10000 so genannte Finanzagenten hatte die Bande angeworben. Sie alle sind dran wegen Geldwäsche. „Ihnen drohen Haft bis zu fünf Jahre oder Geldstrafen“, so Staatsanwalt Matthias Nicolai.

Die Gauner fälschten Kundenbeurteilungen, manchmal sogar komplette Bewertungsportale. Großzügig stellten sie sich darauf Bestnoten für ihre Betrügereien aus. Kritische Beurteilungen konterten sie, indem sie per Cyber-Attacken die Portale lahm legten oder direkt den Betreiber bedrohten, berichten Fahnder.

Aufgeflogen ist der Schwindel, als sich ein Elektronikhändler aus Schwaben im Herbst 2009 bei der Polizei in Nördlingen meldete. Kunden mit denen er nie etwas zu tun hatte, bombardierten ihn mit Beschwerden. Die Ermittlungen liefen an. Stück für Stück enttarnten die Fahnder das System. Letzten Mittwochnahmen sie neun von zwölf Verdächtigen im gesamten Bundesgebiet fest: Programmierer, Shop-Betreuer, Geldkuriere – den harten Kern der Bande. Darunter auch einen Krankenpfleger. In seiner Wohnung stand ein riesiger Flachbildschirm für 4000 Euro, gekauft vom Geld geprellter Opfer. In bar.

 

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