Demjanjuk: Fisch, Gebete und andere Skurrilitäten

Sprengstoffhunde, Gebete, Witzbolde: 10 Fakten rund um die 93 Verhandlungstage im medienwirksamen Kriegsverbrecher-Prozess um John Demjanjuk.  
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Sprengstoffhunde, Gebete, Witzbolde: 10 Fakten rund um die 93 Verhandlungstage im medienwirksamen Kriegsverbrecher-Prozess um John Demjanjuk.

Sammelzone: Der Prozess begann mit einer Riesen-Peinlichkeit. Vor dem Justizgebäude war für die wartenden Journalisten ein Bereich abgesperrt worden, der auf einem Schild mit „Demjanjuk-Sammelzone” bezeichnet wurde. „Wie im KZ”, schimpfte ein Wartender.

Auf den Hund gekommen waren am Eröffnungstag alle, die den Prozess verfolgen wollten. Sie alle mussten stundenlang in der Kälte ausharren, weil ein Sprengstoffspürhund zu spät ankam.

Das Outfit war jeden Tag das Gleiche: Der Demjanjuk-Look ist eine Baseball-Kappe und eine undurchdringliche Sonnenbrille. Hätte er den Prozess durchgeschlafen, kaum jemand hätte es gemerkt.

Im Bett statt auf der Anklagebank: Das gab’s noch nie. Auf Grund eines Rückenleidens setzte Demjanjuk nach wenigen Prozesstagen durch, dass er im Liegen der Verhandlung folgen durfte.

Fisch statt Hungerstreik: Im Februar 2011 kündigte Demjanjuk einen Hungerstreik an. Der nie kam. Vielleicht, weil ihm vor allem die Fischgerichte in der JVA schmeckten.

Dauerbrenner: Mit dem heutigen 93. und vielleicht letzten Prozesstag sind es fast anderthalb Jahre, die John Demjanjuk das Gericht (und die Weltöffentlichkeit) beschäftigt. Auch das ist rekordverdächtig.

Antragsflut ohne Beispiel: An die 500 Anträge sind es geworden, die Verteidiger Ulrich Busch stellte. Fast alle wurden abgelehnt.

Richter als Arzt: Im März 2010 musste der Vorsitzende Richter Ralph Alt einen Verhandlungstag absagen, weil Demjanjuk „schlecht geschlafen” hatte. Ein anderes Mal ließ ihn Alt trotz Unpässlichkeit zwangsvorführen.

Das Gebet: An einem Tag wunderte sich das Gericht über Demjanjuks Gemurmel. Was er denn sagen wolle, wurde er gefragt. „Er betet”, antworte die Übersetzerin.

Der Witzbold: Außerhalb des Gerichtssaales soll Demjanjuk durchaus für Späße und Flirts zu haben gewesen sein, im Justizzentrum war das eher selten. „Ich bin nicht Hitler. Was schaut ihr so?”, so eine seiner seltenen Äußerungen. Er lächelte dabei. Es sollte ein Witz sein. Gelacht hat niemand. 

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