"Dauerhafte Aufgabe": Münchner Gedenken an NSU-Opfer Habil Kilic

Vor 25 Jahren wurde der Gemüsehändler Habil Kiliç in München durch die NSU-Rechtsextremisten ermordet. Nun gab es in der Landeshauptstadt eine Gedenkveranstaltung, um an ihn und die anderen NSU-Opfer zu erinnern; der Türkenrat München hatte dazu aufgerufen. Rund 70 Menschen versammelten sich nach Angaben der Organisatoren nahe dem damaligen Tatort in der Bad-Schachener-Straße.
Die rechtsextreme Terrorgruppe NSU ("Nationalsozialistischer Untergrund") ermordete zehn Menschen, verübte Sprengstoffanschläge und beging Raubüberfälle, bevor sie enttarnt wurde. Kiliç war am 29. August 2001 erschossen worden. Die Opfer des NSU waren neun Gewerbetreibende türkischer und griechischer Herkunft sowie eine deutsche Polizistin.
Den Familien wurde nicht geglaubt
Habil Kiliç wurde im Jahr 2001 in seinem Obst- und Gemüseladen in Ramersdorf ermordet. Er wurde 38 Jahre alt und war Vater von drei Kindern. Habil Kilic ist das vierte von insgesamt zehn Opfern des NSU-Terrors, der zwischen 2000 und 2006 neun Kleinunternehmer türkischer und griechischer Herkunft sowie die Polizistin Michèle Kiesewetter ermordete.

Bei Habil Kilic wurde – wie auch bei den anderen Morden des NSU – zunächst im Umfeld des Opfers ermittelt, obwohl die Angehörigen früh auf einen rechtsextremen Hintergrund hinwiesen. So wurden die Opfer und ihre Familien durch das Ermittlungshandeln zusätzlich stigmatisiert.
Offene Fragen und Enttäuschung
"Der Mord an Habil Kilic schmerzt auch mehr als zwei Jahrzehnte später. Er war Münchner, Familienvater und Geschäftsmann. Wir erinnern an ihn als Menschen und als Teil unserer Stadt – und wir erinnern daran, wohin Rassismus und Rechtsextremismus führen, wenn ihnen nicht entschieden widersprochen wird", sagte Münchens Zweite Bürgermeisterin Mona Fuchs.

München trage im Komplex des sogenannten NSU eine besondere Verantwortung, so Fuchs weiter: "Das Urteil hat bei vielen Angehörigen Enttäuschung und offene Fragen hinterlassen, die bis heute bitter nachwirken. Wir werden Habil Kilic und die anderen Opfer des NSU nicht vergessen. Ihre Namen, ihre Geschichten und das Leid ihrer Familien gehören zu unserer Erinnerung als Stadt."
Rassismus und Rechtsextremismus dürften niemals relativiert, verharmlost oder hingenommen werden: "Ihnen entgegenzutreten ist eine dauerhafte Aufgabe unserer demokratischen Stadtgesellschaft."
Reale Bedrohung
Die Fachstelle für Demokratie der Landeshauptstadt München unterstreicht die politische Dimension des Gedenkens: "Auch 25 Jahre nach diesem Mord ist klar: Rechtsterrorismus ist keine Randerscheinung, sondern eine reale Bedrohung für unsere Demokratie. Wir müssen wachsam bleiben und entschieden gegen jede Form von gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit vorgehen."