Das schmutzige Geschäft mit den Schmuggel-Welpen

Mit roter Schleife unter dem Tannenbaum: In Zeiten von Pandemie und Weihnachten boomt der illegale Handel mit Babyhunden.
| Leonie Meltzer
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Gerettet aus illegalem Handel: Nun müssen die beiden Welpen im Münchner Tierheim in Quarantäne verharren.
Gerettet aus illegalem Handel: Nun müssen die beiden Welpen im Münchner Tierheim in Quarantäne verharren. © Kristina Berchtold

München - Die Nachfrage nach Hundewelpen nimmt aktuell zu. Das liege nicht nur an der Weihnachtszeit, sagt Kristina Berchtold vom Münchner Tierheim. Die Pandemie habe die Nachfrage verstärkt - ein Resultat der sozialen Isolation. "Durch Homeoffice und Kurzarbeit sind mehr Menschen alleine zu Hause", sagt Daniela Schneider von der Tierschutzorganisation Vier Pfoten. Das Problem dabei: Die hohe Nachfrage nach Hundewelpen könne durch seriöse Züchter und Tierheime nicht gedeckt werden.

Rückverfolgung der Händler unmöglich

Die Situation machen sich kriminelle Händler zunutze, die Welpen illegal über Online-Plattformen wie quoka oder Ebay Kleinanzeigen zum Verkauf anbieten. Hinter den oft als liebevolle Hobbyzucht getarnten Inseraten verbergen sich in Wahrheit Hunde aus osteuropäischen "Welpenfabriken". Für die Händler bedeutet dies meist ein lukratives Geschäft, da durch die Anonymität im Internet keinerlei Rückverfolgung möglich ist. "Es geht rein um den Profit, das Tier wird zur Ware degradiert", so Schneider.

500.000 Welpen werden jährlich nach Deutschland gebracht

Laut einer EU-Studie, so die Kampagnenverantwortliche für Heimtiere weiter, werden jeden Monat 50.000 Welpen zwischen den europäischen Ländern gehandelt. Rund 500.000 Hundewelpen werden jährlich nach Deutschland gebracht, meist aus Südosteuropa, aus Bulgarien, Polen, Ungarn, Serbien oder Rumänien. Die Tierschutzorganisation Vier Pfoten erkennt einen Zusammenhang mit der Pandemie: Mit der coronabedingten Grenzschließung gingen Ende März die Anzeigen für Welpenverkäufe auf Online-Kleinanzeigeportalen bis Ende April um 67 Prozent zurück. Die Hundehändler seien mit ihrem im Ausland "produzierten" Welpennachwuchs nicht mehr über die Grenzen nach Deutschland gekommen, bestätigt das Tierheim. Was wie ein Segen für den Tierschutz klinge, ziehe bittere Folgen für die Tiere nach sich: Seit Wiedereröffnung der Grenzen boome der Transit.

Die Muttertiere werden oft unter grausamen Bedingungen gedeckt

"Dahinter steckt ein mafioses Netzwerk", so Schneider. Verschiedene Akteure seien beteiligt: Der Vermehrer, der die Hunde "produzieren" lässt, sprich: Die Muttertiere werden in einer Vermehrerstation, "wie am Fließband" gedeckt - oft unter grausamen Bedingungen. "Sie vegetieren Jahre lang in engen Verschlägen oder Käfigen." Weiterhin gebe es den Transporteur, der die Tiere abhole und nach Deutschland bringe, sagt Schneider. Durch den Endhändler erfolge im nächsten Schritt die Übergabe, während der Späher Ausschau halte.

Missachtung der Prägephase

Die Deutsche Tierschutzverodnung schreibt vor, dass Welpen mindestens acht Wochen bei ihrer Mutter bleiben müssen. Bei einer Einfuhr aus dem Ausland müssen sie 15 Wochen alt sein - also alt genug für die vorgeschriebene Tollwut-Impfung. Im illegalen Handel würden sie jedoch viel zu früh getrennt, so die Tierschützerin Berchtold, und wiesen oft Verhaltensstörungen auf, weil die Prägephase bei ihrer Mutter entscheidend sei.

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Traumatisierender Transport

Außerdem haben sie "Krankheiten, wie Durchfall, Würmer, oder Parvovirose, was hoch ansteckend ist, an denen sie nicht selten sterben". Zudem seien sie oft traumatisiert vom Transport: In engen Transportern, Kofferräumen, oder unter Sitzbänken versteckt, kämen die Tiere ungeimpft, ohne medizinische Versorgung nach Deutschland, so die Vier-Pfoten-Sprecherin. "Dieses Jahr hatten wir Tiere, die in einen Bananenkarton gesteckt, ohne Luftschlitze, in einem Transporter versteckt waren", erzählt Schneider. Im Tierheim wiederum müssen die Welpen aufgrund gesetzlicher Bestimmungen dann monatelang in Quarantäne. "Sie werden isoliert, in der Lebensphase, in der sie eigentlich Lernerlebnisse bräuchten, genau wie soziale Kontakte zu Menschen und anderen Hunden", sagt Berchtold.

Tierheim fordert höhere Strafen für illegalen Tierhandel

Das Tierheim fordere schon lange effektivere Maßnahmen und höhere Strafen für den illegalen Tierhandel. Bußgelder und Verwahrkosten würden von den Händlern meist miteinkalkuliert werden, so die Sprecherin. "Unser Ansatz ist, dem kriminellen Handel den Zugang zum Markt zu verschließen", sagt auch Schneider. Vier Pfoten plädiere für eine Rückverfolgbarkeit und Regulierung des Handels. So müssten Tierverkäufer identifizierbar sein, ausschließlich registrierte Hunde dürften angeboten werden. "Das anonyme Inserieren muss unmöglich werden, auf Bundesebene hat sich leider nichts getan."

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