"Das Problem sind die Autos – nicht die Radfahrer": Was Initiativen jetzt für die Lindwurmstraße fordern
Wahrscheinlich hat es um 170 Meter Straße selten so viel Aufregung gegeben wie an der Lindwurmstraße. Vom Sendlinger Tor bis zum Goetheplatz gibt es seit fast einem Jahr einen neuen, abmarkierten Radweg.
Von der Reisingerstraße bis zur Fliegenstraße, also auf 170 Metern, hat die Stadt den Radweg vor Kurzem vorübergehend geopfert und dort eine Busspur eingerichtet.
Weil die MVG die U-Bahnhöfe Poccistraße und Goetheplatz saniert, fahren auf der Lindwurmstraße Busse als Schienenersatzverkehr. Doch die stecken häufig im Stau fest. Die neue Busspur soll das verbessern. 170 Meter Radweg weg – kein großes Ding? Einige sehen das ganz anders.
Lindwurmstraße: Initiativen wollen Autoverkehr statt Radverkehr beschränken
Es werden immer mehr Stimmen laut, die den Autoverkehr auf der Lindwurmstraße beschränken wollen, um so mehr Platz für Radler und Fußgänger zu schaffen.
Zum Beispiel Berthold Maier, der Sprecher vom Arbeitskreis Attraktiver Nahverkehr. Er findet es zwar grundsätzlich richtig, dass der Busverkehr auf der Lindwurmstraße Vorrang bekommt. "Falsch ist, dass dies auf Kosten des Radverkehrs geht", sagt er. Stattdessen fordert er, dass die Stadt über "Einschränkungen des Durchgangsverkehrs" – also des Autoverkehrs – nachdenkt.
Während die U-Bahn saniert wird und so lange der Schienenersatzverkehr auf der Lindwurmstraße unterwegs ist, sollten nur Anwohner und Lieferdienste dort fahren dürfen, findet er. So könnte der Radweg bleiben. "Natürlich ist das nicht einfach durchzusetzen", sagt Maier. Doch er hält es für falsch, dass Radler nun die Einzigen sein sollen, die für die Busse Platz machen müssen.
Ganz ähnlich sieht das Sabine Krieger vom Bund Naturschutz. "Die Autos müssen ja nicht ganz raus", sagt sie. Doch die Stadt sollte prüfen, wo Umleitungen möglich sind oder wo man Parkplätze streichen könnte.
"Ursachen der Staus angehen"
Auch die Bürgerinitiative Lindwurmstraße hält es für falsch, Radler und diejenigen, die den ÖPNV nutzen, "gegeneinander auszuspielen". Die Stadt solle "die Ursachen der Staus angehen" und den "motorisierten Individualverkehr während der Bauzeit wirksam reduzieren", schreibt die Bürgerinitiative in einer Stellungnahme.
Und auch im Rathaus bleibt die Lindwurmstraße ein Streitthema. ÖDP-Chef Tobias Ruff fordert ebenfalls, dass das Rathaus prüfen müsse, ob es möglich ist, auf der Lindwurmstraße den Verkehr zu beschränken. "Nur Anwohner, Taxis, Lieferdienste und Menschen mit einer Behinderung sollten noch reinfahren dürfen", findet er. Auch ob auf Parkplätzen mehr Platz geschaffen werden könne, müsste die Stadt seiner Meinung nach genauer untersuchen. Ebenso, ob sich die Abbiegesituationen an den Ampeln verbessern lasse. "Das eigentliche Problem sind die Autos, nicht die Fahrradfahrer", sagt er.
Alternative für nächste Bauphase
Die Grünen haben die Verwaltung bereits gebeten, Alternativen zur Busspur auf dem Radweg für die nächste Bauphase zu prüfen. Erst einmal soll die Busspur ja nur bis zum Ende der Sommerferien bleiben.
Auch an anderen Stellen in der Stadt bremst der Autoverkehr den ÖPNV aus, ist Berthold Maier vom AAN überzeugt. Er weiß, dass die MVG an verschiedenen Stellen in der Stadt mehr Trambahn-Züge einsetzt, um Verspätungen auszugleichen. "Das verursacht erhebliche Mehrkosten", sagt er. Gleichzeitig muss die Stadt jedoch sparen. Am Mittwoch entscheidet der Stadtrat in der Vollversammlung über Angebotskürzungen im ÖPNV. Bevor gekürzt wird, sollte die Stadt alles tun, um den ÖPNV zu beschleunigen, findet Maier.
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