Das neue Justizzentrum: "Schmuckstück" und "Prunkpalast"
Mit Häppchen und Crémant und sehr vielen Juristen ist am Montag die Einweihung des neuen Strafjustizzentrums am Leonrodplatz gefeiert worden. Der Ort passt: Der Leonrodplatz ist nach einem früheren bayerischen Justizminister benannt: nach Leopold von Leonrod (1829-1905).
Ein "Prunkpalast" – aber wo ist das Spa?
Ministerpräsident Markus Söder (CSU) verglich das neue Strafjustizzentrum von der Dimension her mit dem Justizpalast, der vor knapp 130 Jahren in der Innenstadt fertig geworden war. Das neue Strafjustizzentrum steht auf einem Gelände an der Dachauer Straße, das fast achtmal so groß sei wie der Marienplatz. "Auf den ersten Blick ist das ein echter Prunkpalast", sagte Söder und witzelte: "Ich frage mich schon die ganze Zeit, wo sie den Spa untergebracht haben."
Viel Glas, lichtdurchflutete Räume, 850 Büros und 38 Teeküchen, 54 Sitzungssäle und drei große grüne Innenhöfe. Das schöne neue Justizzentrum sei ein "Signal der Wertschätzung für diejenigen, die für die Justiz arbeiten", sagte Söder. Er betonte die Wichtigkeit einer unabhängigen Justiz. "Die Stärkung der dritten Gewalt ist essenziell." Das Gebäude bezeichnete er als einladend, "aber auch sicher". Baumängel seien "bislang nicht erkennbar".

Hausherr Hans-Joachim Heßler, Präsident des Bayerischen Verfassungsgerichtshofs und des OLG München, schwärmte ebenfalls von dem Bau, der von dem Münchner Architekturbüro Plan2 entworfen wurde. Er bezeichnete ihn als "Schmuckstück von Justizgebäude" – und dankte allen, die an der Entstehung beteiligt waren.
Offenheit und Transparenz
Justizminister Georg Eisenreich (CSU) sprach von einem großen Tag für die Justiz in München. Es sei wichtig, dass sich die Menschen, die in der Justiz arbeiten, wohlfühlen. Das Gebäude stehe für Offenheit und Transparenz. Aber freilich stehe es auch dafür: "Hier werden Regeln umgesetzt und hier werden sie auch durchgesetzt." Eisenreich sagte: "Wir haben Feinde von innen und Feinde von außen, deshalb müssen wir wehrhaft sein."

Bauminister Christian Bernreiter (CSU) hatte ebenfalls einen Größenvergleich parat. Er verglich die Dimension des Justiz-Neubaus mit dem Spielfeld des Olympiastadions: 14 Mal würde das hier sozusagen hineinpassen. Die 434 Millionen Euro seien sehr gut investiertes Geld. Auch sicherheitstechnisch, so Bernreiter, sei alles auf dem neuesten Stand.
Am Ende der Einweihungsfeier sangen die Politiker, Justiz- und Justizvollzugsbeamten, Polizisten und die anderen geladenen Gäste noch gemeinsam die Bayernhymne. Für die vielen Anwesenden blieb der Sound allerdings ein bisschen schwach.

Das alte Strafjustizzentrum in der Nymphenburger Straße hat nun also bald ausgedient. Fast 50 Jahre lang war es "die Herzkammer der Münchner Strafjustiz", wie es Justizminister Georg Eisenreich bezeichnete. 100 Millionen D-Mark hatte das in den 1970er Jahren gebaute Gebäude einst gekostet. Seit 1977 fanden dort die Strafprozesse der Landgerichte München I und II, des Amtsgerichts und des Oberlandesgerichts statt. Aufsehenerregende Prozesse waren unter anderem der NSU-Prozess, die Verhandlung gegen einen der letzten NS-Kriegsverbrecher John Demjanjuk oder gegen die Mörder von Walter Sedlmayr und Rudolph Moshammer.
Im neuen Strafjustizzentrum gibt es nun übrigens auch einen der größten Schwurgerichtssäle in ganz Deutschland. Er ist circa 280 Quadratmeter groß.

