Dieses Wochenende: Das Filmtheater am Sendlinger Tor eröffnet wieder

Seit Januar 2025 ist das Filmtheater Sendlinger Tor, nach vielen Jahrzehnten, Geschichte. Doch ab Januar 2026 sorgt eine Zwischennutzung für eine Wiederbelebung des denkmalgeschützten Kinosaals – zumindest für ein paar Monate. Am Wochenende geht es mit einer großen Neueröffnung los – ein Filmstar ist auch dabei.
von  André Wagner, Tobias Singer
Der denkmalgeschützte Kinosaal im geschlossenen Filmtheater am Sendlinger Tor. Ab Januar soll er zum temporären Kulturtreffpunkt werden. (Archivbild)
Der denkmalgeschützte Kinosaal im geschlossenen Filmtheater am Sendlinger Tor. Ab Januar soll er zum temporären Kulturtreffpunkt werden. (Archivbild) © picture alliance/dpa

Nach 112 Jahren ging eine Ära zu Ende. Seit Anfang des letzten Jahres laufen im Filmtheater Sendlinger Tor keine Filme mehr über die große Leinwand. Das Münchner Kult-Kino schloss nach einem langen Rechtsstreit.

Zwar hat sich im historischen Foyer der Kaffee- und Matcha-Laden "Plex" eingerichtet, doch im Kinosaal selbst herrscht seit Monaten gähnende Leere. Das ändert sich jetzt. Vom 17. bis zum 18. Januar wird hier eine große Neueröffnung gefeiert. Wofür? Bis Ende März verwandelt sich das ehemalige Filmtheater in das neue "D INGs" – einen Kulturtreffpunkt, der nicht nur für Filme, sondern auch für Kunst, Musik und Events da sein soll.

Filmtheater am Sendlinger Tor wird zum temporären Kulturtreffpunkt

Verantwortlich dafür wird das Münchner Künstlerkollektiv "Broke today" sein, welches für drei Monate als Zwischennutzer in das denkmalgeschützte Kino am Sendlinger Tor einzieht und den historischen Saal als Raum für Urban Art, Musik und Performances nutzen wird. 

Das Projekt zielt darauf ab, brachliegende Räume in München neu zu beleben und jungen, aufstrebenden Künstlerinnen und Künstlern eine Bühne zu bieten.

Das Künstlerkollektiv "Broke Today" ist in München für seine experimentellen Kunstformate, alternativen Events und interdisziplinären Projekte bekannt. Zuletzt hatte das Team das Happy End Hotel in der Paul-Heyse-Straße bespielt, davor wurde ein Abbruchhaus in der Zieblandstraße als Bühne genutzt. Im Filmtheater am Sendlinger Tor will das Künstlerkollektiv für Profis, Nachwuchskünstler aber auch neugierige Besucher einen Raum schaffen, der offen und frei bespielbar ist. Und alle sollen eingeladen sein, mitzuwirken und mitzugestalten. Ganz egal ob Kunstschaffende, Individuen, Kollektive, Institutionen oder Marke.

Wolfgang Niedecken auf der Bühne des Kinos am Sendlinger Tor

Ein Blick auf die Webseite zeigt, geöffnet hat das "Dings" am Sendlinger Tor zukünftig von Mittwoch bis Sonntag jeweils von 17 bis 21 Uhr. Montag und Dienstag sind Schließtage. Ein erstes größeres Konzert gibt es mit Wolfgang Niedecken am 5.2., für den zweiten Soloauftritt des BAP-Frontmanns einen Tag später gibt es bereits keine Tickets mehr. 

Deutscher Filmstar unterstützt die Zwischennutzung

Für den Filmpart ist "Behind the tree" verantwortlich. Der Berliner Streaming-Dienst, gegründet von Schauspieler Frederick Lau und Nico Solar Lozier, verbindet Filmkultur mit Erlebnissen und schafft Formate und Räume, die berühren. 

Frederick Lau kann man laut Programm übrigens am 17.1. ab 13.30 Uhr bei einem Live-Podcast mit einem Überraschungsgast zuhören. Wie der Grimmepreisträger im Interview mit der "Süddeutschen Zeitung" verrät, sei er als Freund des traditionellen Kinos voller Vorfreude auf die neue Aufgabe. Als er gehört hat, dass "wir die Möglichkeit haben, dieses Traditionskino am Sendlinger Tor zu beleben – da rennt man bei mir offene Türen ein".

Austern im Kino

Neben dem Live-Podcast soll zum Auftakt soll es in München unter anderem eine Reihe mit dem Titel "Oysters and Movies" geben – der Name soll Programm sein. Dabei werde niemand gezwungen, Austern und Champagner zu konsumieren, so Lau. Es gehe mehr "ums Zelebrieren der französischen Filmkultur".

Langfristige Zukunft weiter ungeklärt

Mit am Start bei der Zwischennutzung am Sendlinger Tor ist auch Matthias Schlick. Der Münchner Eventmanager ist neben der kuratorischen Mitgestaltung insbesondere für den Bereich der Corporate Events verantwortlich und bringt seine langjährige Erfahrung in Konzeption, Organisation und Raumgestaltung ein.

Während die langfristige Zukunft des historischen Filmtheaters weiterhin nicht geklärt ist, wird der denkmalgeschützte Kinosaal so wenigstens für ein paar Monate wiederbelebt.

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