Dank Schranne: Marktweiber glücklich

"Drüben schauen, bei uns kaufen": Seit der Eröffnung der Halle freuen sich die Händler auf dem benachbarten Markt. Ihre Umsätze steigen - dank der neuen Laufkundschaft.
| Tina Angerer
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Der tolle Herbst macht's möglich: der Viktualienmarkt ist heuer voller denn je.
Foto: Petra Schramek 4 Der tolle Herbst macht's möglich: der Viktualienmarkt ist heuer voller denn je.
Die neue Halle in der Nachbarschaft bringt Schwung in den Markt.
Foto: Petra Schramek 4 Die neue Halle in der Nachbarschaft bringt Schwung in den Markt.
"Wir profitieren davon, dass die Schranne so viele Leute anzieht", sagt Elke Fett, die Sprecherin der Viktualienmarkt-Händler. Hier posiert sie in der benachbarten Halle.
Gregor Feindt 4 "Wir profitieren davon, dass die Schranne so viele Leute anzieht", sagt Elke Fett, die Sprecherin der Viktualienmarkt-Händler. Hier posiert sie in der benachbarten Halle.
Dichtes Gedränge in der Schranne. Gekauft wird aber eher auf dem Viktualienmarkt...
Foto: Gregor Feindt 4 Dichtes Gedränge in der Schranne. Gekauft wird aber eher auf dem Viktualienmarkt...

"Drüben schauen, bei uns kaufen": Seit der Eröffnung der Halle freuen sich die Händler auf dem benachbarten Markt. Ihre Umsätze steigen - dank der neuen Laufkundschaft.

München - Leichtgläubig, das ist man auf dem Viktualienmarkt nicht, eher extra skeptisch. Doch nach den ersten Wochen Schrannenhalle sind auch die Vorsichtigen überrascht. Denn die neue Halle in der Nachbarschaft bringt Schwung in den Markt. „Wir profitieren. Die Schranne zieht Leute an, die vielen Neugierigen, die die Halle erkunden – das ist auch alles zusätzliche Kundschaft für uns“, sagt Elke Fett, die Sprecherin der Marktweiber.

Manche sprechen sogar von Umsatzsteigerungen von bis zu 20 Prozent. Das tolle Herbstwetter hat da sicher auch eine Rolle gespielt. Dennoch sagt Fett: „So einen Oktober hatten wir lange nicht – dank Schranne. “ Auch beimWurststandl Teltschik, der auf der Seite Richtung Frauenstraße liegt, freut man sich über jeden Schrannenbesucher: „Der Strom der Leute ist jetzt anders, seit sie noch durchgehen bis zur Schranne oder von dort kommen. Bei uns gehen einfach mehr Menschen vorbei“, sagt Manuela Teltschik.

Ihre Stammkundschaft ist ihr sowieso treu geblieben. „Freilich geht auch unsere Kundschaft mal in die Schranne. Aber die kaufen sich ja nicht jeden Tag eine Schweinerei beim Käfer.“ Sie essen stattdessen weiterhin ihre Weißwürscht, zwei Stück für 3,40 Euro, da kommt man drüben brotzeittechnisch eh nicht weit. Manche Marktleute haben schon gescherzt, man könnte sich künftig Buttons ans Revers heftenmit der Aufschrift „We like Schranne.“ Nicht nur bei den Standlbesitzern, sondern auch bei den Kunden am Markt ist die Halle natürlich Gesprächsthema. Beim kleinen Steirer Standl steht eine Dame aus Graz. Seit über dreißig Jahren lebt sie in München, aber steirisches Essen liebt sie immer noch. Natürlich war sie auch schon in der Halle, dort gibt es jetzt den riesigen Steirer Laden auf der zweiten Empore. „Ich habe mir eine steirische Salami gekauft. Die war gut. Aber die Halle ist mir ein bissl zu teuer, da muss man den Geldbeutel gut festhalten.“ Für ihre Gäste, die sie heute Abend bekocht, kauft sie deswegenweiterhin bei dem kleinen Standl am Markt.

Schilcher Sturm reicht sie als Aperitif, und den gibt es in der Schranne auch nicht. Standlbesitzer Karl Gaich füllt seiner Stammkundin aus einer Zwei-Literflasche ausnahmsweise etwas ab in eine kleinere Flasche, die er extra aus seinem Keller holen muss. Die persönliche Ansprache ist es, womit der Steirer Gaich über seine Waren hinaus punktet – auch wenn es bei ihm nur eine Sorte Kürbiskernöl gibt und nicht fünf wie drüben. „Ich merke bis jetzt nicht, dass mir Kundschaft abgeht“, sagt er.

Manche kommen auch nach ihrem Schrannenbesuch mit leeren Händen auf den Markt zurück. Was einen Händler zum Ausspruch verleitet: „In der Halle schauen und klauen. Bei uns kaufen.“ Früher hätten sich oft Grantler beschwert, dass der Viktualienmarkt ja nur noch für die Geldigen sei. Heute, so erzählt er, kommen sie und sagen, die Schranne sei ja nur für die Geldigen. Und kaufen sich am Markt einen Kaffee und eine Brezn und schimpfen zufrieden.

Schlechtes wünscht der Schranne hier aber niemand. „Wir wünschen uns alle, dass sie sich halten kann“, sagt die Würschtel-Frau Manuela Teltschik. Besonders nach dem Weihnachtsgeschäft, wenn die lauen Monate kommen, werde es interessant. Auch Elke Fett hofft, dass er weiterhin gut geht mit dem Nachbarn. „Eine Schranne, die nicht läuft, bringt uns überhaupt nichts.“

 

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