CSU fordert: Die "Landshut" soll heim nach Riem

Es ist ein Stück Geschichte: Das Flugzeug, das einst in München getauft und später von Palästinensern entführt wurde. Die CSU will es ausstellen. Warum ein Historiker kritisch ist.
| Felix Müller
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Nach dem Geiseldrama in der "Landshut" im Jahr 1977: Die Befreiten sind in Köln/Bonn gelandet. (Archivbild)
Nach dem Geiseldrama in der "Landshut" im Jahr 1977: Die Befreiten sind in Köln/Bonn gelandet. (Archivbild) © Heinz Wieseler/dpa

München - Wer 1977 alt genug war, um bewusst fernzusehen, hat die Bilder wohl noch im Kopf, wie die erschöpften befreiten Geiseln in Köln/Bonn aus einer Maschine der Lufthansa steigen. Während der Schleyer-Entführung hatten palästinensische Terroristen die "Landshut" auf dem Flug von Mallorca nach Frankfurt gekapert. Nach der Ermordung des Flugkapitäns und mehreren Zwischenstopps landete die Maschine in Mogadischu, wo die Geiseln von deutschen Spezialkräften befreit werden konnten.

Diese Geschichte hat sich für viele Zeitgenossen eingebrannt. Weniger bekannt ist die Verbindung der "Landshut" nach München. Am 7. August 1970 war sie in einem Hangar am Flughafen Riem - übrigens in Gegenwart einer großen Delegation aus Landshut - getauft worden. Diesen Kreis will die Stadtrats-CSU nun schließen - und beantragte am Donnerstag, dass die "Landshut" Teil einer Gedenkstätte auf dem alten Flughafen-Gelände in Riem werden soll.

CSU will die "Landshut" nach Riem zurückholen

"Es wäre eine schöne Nachricht zum 50. Jubiläum der Flugzeugtaufe, wenn die Landshut nach Riem zurückkehrt", sagte CSU-Stadtrat Sebastian Schall am Donnerstag der AZ. "Es würde der historischen Bedeutung des Riemer Flughafengeländes gerecht." Die Geschichte der "Landshut" bringe "auch historische Verantwortung mit sich." Es sei "schade, wenn dieses Relikt für die Öffentlichkeit verloren geht".

So sieht die Maschine inzwischen aus: Die "Landshut" wird in Friedrichshafen 2017 verladen.
So sieht die Maschine inzwischen aus: Die "Landshut" wird in Friedrichshafen 2017 verladen. © dpa / Karl-Josef Hildenbrand

Die CSU wünscht sich ein "bleibendes Gedenken" in Riem. Nun soll geprüft werden, ob eine Möglichkeit besteht, die "Landshut" zurückzuholen. Für eine Finanzierung gebe es viele Möglichkeiten, so die CSU - die etwa die Lufthansa, die Messe, die Flughafen GmbH, die Stadt selbst und auch Bürger-Spenden ins Spiel bringt.

"Landshut" flog nach Geiseldrama noch Jahre weiter

Die "Landshut" war noch Jahrzehnte für andere Fluggesellschaften weiter geflogen - bis sie 2017 in ein Museum nach Friedrichshafen gebracht wurde. Laut CSU sieht sie dort einem "unklaren Schicksal" entgegen.

Also lieber nach Riem? Der Historiker Mathias Irlinger von der Dokumentation Obersalzberg, der zur Geschichte des Flughafens Riem geforscht hat, sieht den CSU-Vorstoß kritisch. "Riem selbst erzählt mit seinen historischen Überresten so viele spannende Geschichten", sagte er im Gespräch mit der AZ.

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"Es wäre klüger, hier vordergründig diese facettenreiche und spannende Geschichte der Stadt München zu erzählen - vom Bau im Nationalsozialismus bis in die Gegenwart", sagte er. "So gab es 1970 auch in Riem einen terroristischen Anschlag von Palästinensern auf ein israelisches Flugzeug." Es sei "schade, wenn Riem zu sehr zu einem Erinnerungsort für den Deutschen Herbst 1977 wird", sagte Irlinger. Die Idee mit der "Landshut" sei nicht unbedingt schlecht, es sollte sich aber nur um ein ergänzendes Exponat handeln.

Nun muss sich sowieso erstmal klären, ob das überhaupt möglich ist - die Landshut zurückzuholen, heim nach Riem.

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