Wirt der Deutschen Eiche kehrt dem Münchner CSD den Rücken

Der Münchner Kultwirt Dietmar Holzapfel kehrt dem CSD den Rücken: Zu viel Gigantismus, zu wenig Charme, kritisiert der Betreiber der Deutschen Eiche – und feiert lieber abseits der großen Politparade.
Irene Kleber |
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Letztes Jahr ist er noch mit bunter Federboa mitspaziert bei der CSD-Parade: Deutsche-Eiche-Wirt Dietmar Holzapfel.
Letztes Jahr ist er noch mit bunter Federboa mitspaziert bei der CSD-Parade: Deutsche-Eiche-Wirt Dietmar Holzapfel. © imago/Studio Liebhart

Na sowas, ausgerechnet Dietmar Holzapfel (69), der als Wirt des Schwulen-Lokals Deutsche Eiche im Gärtnerplatzviertel lange Jahre eines der wichtigen Gesichter des CSD war, wird dieses Wochenende nicht auf der großen queeren Demo- und Kulturparty zu sehen sein. Vordergründig: "Weil am Samstag mein 50-jähriges Abiturfest ist, und zwar in Ingolstadt", sagt er.
In Wahrheit ist die Abifeier aber nur ein günstig gelegener Auswärtstermin, der es ihm erspart, in München große Erklärungen liefern zu müssen.

Ein Glaserl Champagner für den OB

Der AZ liefert er die Hintergründe trotzdem: Holzapfel mag nämlich gar nicht mehr kommen zur großen Polit-Parade des Christopher Street Days samt LGBTIQ*-Straßenfest. Viel von dem bunten Feierspaß hat in früheren Jahren direkt vor der Eiche in der Reichenbachstraße stattgefunden. "Da ist der Oberbürgermeister bei uns vom Wagen gestiegen und hat mit seiner Frau ein Glaserl Champagner bekommen."

"Aus Sicherheitsgründen ist das sinnvoll"

Nun, wo das Fest wegen der schieren Menschenmassen quasi aus seinem Viertel verbannt und auf die Ludwigstraße umverlagert worden ist, sei das "nicht mehr mein CSD". "Aus Sicherheitsgründen ist das sinnvoll", sagt er zwar, aber auch: "Mir ist das zu viel Gigantismus geworden. Diese immer riesigeren Trucks heute, diese Unmenge an Wagen, diese hunderttausenden Menschen, die unterwegs sind. Den Feiernden geht es heute ja eh nur noch um Lärm und Party."
Einerseits sei es wünschenswert, dass sich zunehmend große Firmen mit ihren queeren Mitarbeitern beteiligen. "Andererseits fehlt das charmante Feiern im Viertel – und auch das Kämpferische. Heute muss man eigentlich auch nicht mehr um Rechte kämpfen, die Szene hat ja alles erreicht."

Dietmar Holzapfel 2024 mit seinem Papp-Söder.
Dietmar Holzapfel 2024 mit seinem Papp-Söder. © E. Harbeck/CSD

"Ausgrenzen, das finde ich unmöglich"

Dass Holzapfel (der in den Nullerjahren selber zum Veranstaltungsteam gehörte) mit dem CSD fremdelt, hat spätestens 2023 begonnen, als die aktuellen Veranstalter die CSU von der Politparade ausgeschlossen hatten (AZ berichtete). "Wir kämpfen gegen Ausgrenzung und dann grenzen wir selber aus, ich finde das unmöglich." Aus Protest war der Eiche-Wirt deshalb 2024 mit einer Pappfigur von CSU-Ministerpräsident Markus Söder mit Regenbogenherz mit der Aufschrift 'doch dabei' zur Parade gekommen.

Weißwurstfrühstück, "dann bin ich weg"

Das ist heuer nicht mehr nötig, die CSU darf mit eigenem Wagen wieder mitfahren. Freitagabend feiert Dietmar Holzapfel noch eine Openingparty in der Eiche mit, auch Samstagfrüh beim Weißwurstfrühstück einer Bank für ihre queeren Mitarbeiter ist er noch da. "Danach servus", sagt er, "dann bin ich weg."

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  • Wickie712 vor 11 Minuten / Bewertung:

    Recht hat er, es wird immer mehr zum Kommerz. Einige oder vielleicht auch viele, die Homosexuell sind, oder gar nicht wissen, welches Geschlecht sie sich fühlen, wenden sich von den Festen und Initiativen ab.

    Homosexuelle gab es schon immer, Menschen die sich anders angezogen haben auch, nicht nur Freddie Mercury , Boy George, etc. oder ein Musiker der keine dunkle Pigmentierung seiner Haut wollte uns lieber Hellhäutig sein wollte.

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  • Boandl_kramer vor 55 Minuten / Bewertung:

    Der Münchner CSD ist halt zum großen queeren Volksfest geworden. Und könnte sich in zehn Jahren zur zweiten jährlichen Wiesn entwickeln.

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  • Normalist vor einer Stunde / Bewertung:

    Recht hat er. Die Veranstaltung verkommt zu einem Kinderfasching.

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