CSD München bei Hitze: So schützen Sie sich vor Hitzschlag und Sonnenstich

München ist heiß wie noch nie in diesem Jahr. Eine außergewöhnliche Hitzewelle schwappt über uns hinweg. Und am Wochenende findet der traditionelle CSD-Umzug statt (Christopher Street Day), der gleichzeitig ein Protest für die Vielfalt in unserer Stadt ist.
Für gesunde Münchner sollte das Feiern bei Hitze mit ein paar Verhaltensregeln möglich sein. Doch Vorsicht. Wer nun stundenlang bei mehr als 40 Grad in der Sonne ausschließlich Alkohol trinkt, dabei ohne Pause tanzt und schwitzt, kann sich eigentlich auf einen Hitzschlag vorbereiten. Das kann auch tödlich enden.
Laut Robert-Koch-Institut verlieren jährlich mehrere Tausend Menschen in Deutschland ihr Leben durch zu große Hitze. Im Jahr 2024 waren es rund 3000. Das sind fast so viele Menschen wie bei tödlichen Verkehrsunfällen. Und bei einer steigenden Zahl an Hitzetagen dürfte diese Zahl nicht sinken.
Die erste Vorsorge: Richtige Kleidung
Aber zurück nach München: Die Johanniter werden heuer beim CSD (Freitag bis Sonntag) mit 35 Sanitätskräften und Ärzten vor Ort sein. Auch Dennis Kutschma (35) könnte Ihnen da über den Weg laufen. Er ist Notfallsanitäter und Wachleiter der Rettungswache Sendling. Vor allem am Freitag sowie am Samstag werden Temperaturen bis zu 36 Grad erwartet.
Bei Hitze gilt: "Wer sich sorglos verhält, dem droht Hitzschlag, ein Sonnenstich oder eine Exsikkose", sagt Kutschma. Exsikkose bedeute, dass die Körperzellen zu viel Wasser verlieren. Die beste Vorsorge beginne bei der richtigen Bekleidung. "Tragen Sie helle luftige Kleidung", rät Kutschma. Auch eine Kopfbedeckung sollte bei der Hitze selbstverständlich sein, am besten mit Nackenschutz, dazu Sonnencreme mit hohem Lichtschutzfaktor. Und damit zum Getränk.

Ein Beispiel ist beeindruckend: Die Johanniter rechnen mit drei bis vier Litern Flüssigkeit, die ihre Einsatzkräfte pro Tag pro Person brauchen werden. Daran können sich auch die Besucher orientieren, sagen die Johanniter. Sprich, nicht nur wer Alkohol trinkt, sollte genügend Wasser oder Tee mitführen. "Am besten weitgehend auf Alkohol und andere Rauschmittel verzichten", empfehlen die Johanniter.
Ein Griff an Stirn oder Nacken hilft, um erhöhte Temperatur zu erkennen
Und wer im Feierrausch dann doch nicht schafft, reichlich Wasser zu trinken: "Die Warnsignale dürfen Sie nicht ignorieren", sagt Kutschma. Bei Sonnenstich oder Hitzschlag sei die Körpertemperatur auffällig, wie bei Fieber, so Kutschma. "Fassen Sie kurz an die Stirn oder in den Nacken. So merkt man das deutlich", sagt Kutschma.
Kommt es schon zu Schwindel, Übelkeit, Erbrechen oder sogar Bewusstlosigkeit, sei es an der Zeit, die Ersthelfer zu rufen. "Lieber einmal zu viel, als einmal zu wenig", empfiehlt der Notfallsanitäter. Manchmal sei es auch schwierig, einen Hitzschlag oder die Exsikkose von einem Schlaganfall zu unterscheiden. "Die Symptome sind sehr ähnlich. Wortstörung, starrer Blick und Teilnahmslosigkeit sind eindeutige Signale für den Notarzt", sagt Kutschma.
Senioren und Kinder besonders gefährdet
Sollte man selbst Symptome wie Schwindel merken, empfiehlt Kutschma: "Suchen Sie sofort Schatten. Trinken Sie einen Schluck Wasser und kühlen Sie sich ab. Auch eine kalte Flasche im Nacken kann vorübergehend helfen", sagt Kutschma. Vorsicht: "Hat jemand eindeutig einen Hitzschlag, sollten Sie die Person nicht mit Wasser besprühen. Das kann sogar zu mehr Flüssigkeitsverlust führen", warnt Kutschma.
Die gefährdetsten Gruppen seien Senioren und Kinder. Kutschma hebt hervor: "Eine gute Mütze schützt zwar vor Sonnenstich, aber nicht automatisch vor Hitzschlag." Kinder seien auch deshalb gefährdeter, weil sie nicht so viel schwitzen und damit die Temperatur regulieren können wie Erwachsene. "Da kann die Stimmung ganz plötzlich kippen", sagt Kutschma, wenn es Richtung Hitzschlag gehe.