Coronavirus: Wie wahrscheinlich das Infektionsrisiko im Freien ist

Sich draußen anzustecken ist unwahrscheinlich, aber trotzdem möglich.
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Restaurantbesucher auf Mallorca: Draußen ist das Infektionsrisiko sehr gering, besteht aber dennoch.
Restaurantbesucher auf Mallorca: Draußen ist das Infektionsrisiko sehr gering, besteht aber dennoch. © Francisco Ubilla/AP/dpa

München - Eines haben wir in dieser Pandemie gelernt: Corona ist ein Problem von geschlossenen Räumen. Das liegt daran, dass sich schlecht belüftete Orte mit Aerosolen anreichern können.

Die Viruspartikel hängen so im Raum und können auch Gesunde anstecken. "Grundsätzlich ist die Wahrscheinlichkeit einer Exposition gegenüber infektiösen Partikeln jeglicher Größe im Umkreis von ein bis zwei Metern um eine infizierte Person herum erhöht", schreibt das Robert Koch-Institut (RKI).

Im Freien gibt es jedoch selten wirklich stehende Luft. Ein bisschen Bewegung durch Wind gibt es meistens. Das verdünnt dann auch die Aerosole. Die deutsche Gesellschaft für Aerosolforschung schreibt: "Ein effektiver Prozess zur Verringerung der Partikelkonzentration in einem Raum - und damit in analoger Weise der Konzentration von virenhaltigen Aerosolpartikeln - ist die Verdünnung mit sauberer, das heißt virenfreier Luft. Im Außenbereich findet Verdünnung ständig durch natürliche Luftbewegungen statt."

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Studien zeigen: Nur wenige Corona-Infektionen im Freien

Das Infektionsrisiko sinkt draußen also deutlich. So haben zum Beispiel die Forscher um Hua Qian von der Southeast University in China die in 320 chinesischen Kommunen aufgetretenen Corona-Fälle im Januar und Februar 2020 - also zu Beginn der Pandemie - untersucht. Von mehr als 7.000 dokumentierten Infektionen fand nur eine einzige im Außenbereich statt.

Neuere Daten gibt es aus Irland. Auf Anfrage der "Irish Times" hat die dortige Gesundheitsbehörde, das Health Protection Surveillance Centre, in diesem Frühjahr 232.164 registrierte Covid-19-Fälle ausgewertet. Lediglich 262 konnten auf eine Ansteckung im Freien zurückgeführt werden. Das sind nur 0,1 Prozent der Fälle. So schlussfolgert auch das RKI in seinem epidemiologischen Steckbrief zu Covid-19: "Bei Wahrung des Mindestabstandes ist die Übertragungswahrscheinlichkeit im Außenbereich aufgrund der Luftbewegung sehr gering."

Also gibt es draußen keine Ansteckungsgefahr? So einfach ist es leider nicht. Die Studienlage ist noch recht dürftig – gerade was Situationen anbelangt, in denen man sich zwar draußen aufhält, aber lange und mitunter ohne großen Abstand an einem Ort verweilt. So gibt auch die deutsche Gesellschaft für Aerosolforschung in ihrem im Dezember 2020 veröffentlichten Positionspapier zu bedenken: "Vor allem in größeren Menschenmengen mit geringen Abständen ist aber auch im Freien eine Ansteckung nicht ausgeschlossen."

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Starker Wind könnte für Tröpfchenübertragung sorgen

Freilich ist dieses gering, allerdings gibt es auch Situationen, in denen es auf einer Restaurant-Terrasse auch einmal blöd laufen kann. So warnt der Schweizer Aerosol-Spezialist Michael Riediker vom Swiss Centre for Occupational and Environmental Health (SCOEH) in Winterthur davor, dass bei starkem Wind eine Übertragung durch Sprechtröpfchen vom Nebentisch durchaus möglich ist – etwa, wenn dort ein sogenannter Superspreader, also eine hochinfektiöse Person sitzt. Es gehe dann weniger um kleine Aerosole, sondern um größere Tröpfchen. "Hat man eine Maske auf oder wendet dem Infizierten den Rücken zu, ist die Gefahr aber nicht mehr da", sagte Riediker dem Schweizer Mediendienst "Watson". Bei Windstille sei dieses Szenario aber so gut wie ausgeschlossen, wenn die Abstände eingehalten werden.

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