Interview

Corona-Situation in Münchner Kliniken: "Nicht wieder Intensivbetten koordinieren müssen"

Die AZ hat nachgefragt, wie man in den Krankenhäusern in München die aktuelle Corona-Lage sieht.
| Laura Meschede
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Das Klinikum rechts der Isar.
Das Klinikum rechts der Isar. © imago images/argum

München - AZ-Interview mit Viktoria Bogner-Flatz und Dominik Hinzmann: Die Mediziner haben als "Ärztliche Leitung Krankenhaus-Koordinierung" in den vergangenen Monaten die Corona-Versorgung der Münchner Kliniken koordiniert.

AZ: Frau Bogner-Flatz, inzwischen haben mehr als 50 Prozent der Münchnerinnen und Münchner mindestens eine Impfung bekommen. Können Sie nun ein wenig entspannter auf die kommenden Monate blicken?
VIKTORIA BOGNER-FLATZ: Entspannt sind wir überhaupt nicht, ehrlich gesagt. Es stimmt, ein Teil der Menschen ist inzwischen geimpft - aber bei Weitem nicht so viele, wie wir uns das gewünscht hatten. Wenn wir auf andere Länder schauen, dann macht uns das schon Sorgen. Besonders, wenn wir uns die Infektionszahlen in den Urlaubsländern anschauen.

Viktoria Bogner-Flatz.
Viktoria Bogner-Flatz. © ho

Die Corona-Entwicklungen sind schwer abschätzbar

In den letzten Tagen sind die Corona-Zahlen in München wieder angestiegen. Rechnen Sie mit einer vierten Welle?
DOMINIK HINZMANN: Es ist aktuell schwer abzuschätzen, wie sich das weiter entwickeln wird. Gerade sehen wir massive Infektionslagen beispielsweise in Spanien und in England und inzwischen auch eine zunehmende Hospitalisierung. Das sind gerade die Länder, in die aktuell viele Menschen in den Urlaub fahren. Wie stark sich die Urlaubsrückkehrer und die Europameisterschaft in den Inzidenzen niederschlagen werden, das können wir noch null abschätzen. Aber wir können sicher sagen, dass die Zahlen wohl erstmal weiter zunehmen werden.

Dominik Hinzmann.
Dominik Hinzmann. © ho

Wie schätzen Sie die aktuelle Lage ein? Wie ist denn die Situation in den Münchner Kliniken zur Zeit?
HINZMANN: Aktuell haben wir einen Status quo von münchenweit fünf bis zehn Corona-Patienten auf den Normalstationen und zwischen 15 und 20 auf den Intensivstationen. Da muss man mit einberechnen, dass viele der Intensivpatienten lange Zeit brauchen, um sich auszukurieren, und deswegen länger im Krankenhaus bleiben. Und dass wir in München auch schwerere Fälle behandeln, die zu diesem Zweck aus dem Umland zu uns kommen. Zumindest aktuell sind die Patientenzahlen in München also ganz stabil.

BOGNER-FLATZ: Wir sind in einem stetigen Austausch mit den Kliniken. Auf dem Höhepunkt der Pandemie haben wir täglich Telefonkonferenzen mit den Kliniken gehabt, seit dem 19.7. sind wir jetzt erst einmal außer Amtes. Das heißt, aktuell gibt es keine übergeordnete Koordination der Kliniken. Ob das wieder nötig werden wird, werden wir sehen.

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Was muss jetzt passieren?
BOGNER-FLATZ: Der einzige Weg aus der Pandemie ist die Impfung. Corona ist noch nicht vorbei. In manchen Gebieten in Spanien gibt es aktuell Inzidenzen von über 400, so hoch waren die Zahlen in München nie, selbst während der zweiten Welle nicht. Deshalb appellieren wir an alle Münchnerinnen und Münchner, sich impfen zu lassen. Wir würden nur ungern wieder Intensivbetten koordinieren müssen.


Nachgefragt: Das sagen die großen Kliniken

Trotz aktuell stabiler Zahlen richten sich die Krankenhäuser bereits auf einen Anstieg der Patienten mit Corona-Erkrankung ein. "Wir gehen davon aus, dass die Inzidenz kontinuierlich steigen wird", heißt es von Seiten des Klinikums rechts der Isar, wo aktuell eine Covid-Patientin auf der Intensivstation beatmet wird.

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Während in den städtischen Krankenhäusern aktuell drei Corona-Patienten behandelt werden, betreut die LMU-Klinik sechs Patienten auf Intensivstation und drei auf Normalstationen. Darunter sind viele junge Menschen: "Das Durchschnittsalter der aktuellen Intensivpatienten bei uns im Klinikum liegt bei 40,9 Jahren", berichtet Irene Kolb-Micaud vom LMU-Klinikum auf Anfrage.

"Die letzten beiden Patienten, die aufgenommen wurden, waren 23 und 21 Jahre jung und ohne relevante Vorerkrankungen". Dennoch blicken die Häuser "verhalten zuversichtlich" in die Zukunft.

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