Corona-Impfstart in München: Unterwegs mit einem mobilen Team

Impfstart in der Stadt und im Landkreis - die ersten 350 Senioren in Pflegeeinrichtungen sind versorgt. Die AZ begleitet ein mobiles Impfteam im Münchner Süden. Am Dienstag soll die nächste Lieferung kommen.
| Irene Kleber
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Gabriele Schwair (83) lässt sich am Sonntag gegen Corona impfen. "Ich bin sehr dankbar", sagt sie, "jetzt muss ich keine Angst mehr haben."
Gabriele Schwair (83) lässt sich am Sonntag gegen Corona impfen. "Ich bin sehr dankbar", sagt sie, "jetzt muss ich keine Angst mehr haben." © Daniel von Loeper

München - So viel Trubel wie an diesem Sonntagvormittag hat die Hauskapelle des evangelischen Pflegezentrums Lore Malsch in Riemerling wohl selten erlebt. Neben dem Altar und dem Kreuz hat jemand das Predigtpult an die Wand geschoben. Davor huschen in orange gekleidete Ärztinnen, Rettungssanitäter und Medizinstudenten herum, umringt von Fotografen und einem Kamerateam, sogar von der "New York Times" ist jemand da.

Corona-Impfstoff ist in München angekommen

Der Blick von Markus Bauer (51) schweift nach hinten links in die Ecke. Dort liegen auf einem hölzernen Tisch ein Dutzend Spritzen säuberlich aufgereiht, ein Paket mit dunkelblauen Gummihandschuhen, ein Fläschchen Kochsalzlösung und: die winzige Ampulle, um die sich alle Aufregung dreht. Denn darin glitzert der erste kostbare Corona-Impfstoff, der vor den Toren Münchens angekommen ist. Und den das mobile Impfteam aus dem Johanniter-Impfzentrum in Oberhaching gleich hochbetagten Senioren direkt in der Hauskapelle des Pflegeheims spritzen wird.

Markus Bauer, Katastrophenschutz- Leiter der Johanniter mit Ampullen.
Markus Bauer, Katastrophenschutz- Leiter der Johanniter mit Ampullen. © Daniel von Loeper

Markus Bauer sieht erschöpft aus und trotzdem voller Energie, das muss man erst mal hinbekommen. Der Katastrophenschutz-Leiter der Johanniter hat zwei Marathon-Wochen hinter sich, um die Impflogistik für den Münchner Süden von Pullach bis Höhenkirchen in Fahrt zu bringen. "Wir haben jetzt so viele topmotivierte Männer und Frauen hier", sagt er. "Wir werden das gut hinbekommen."

Nervöses Warten auf die Corona-Impfung

Wenig später rollt die erste Seniorin herein, begleitet von der Pflegedienstleiterin. Katharina Große, 86 Jahre alt, seit einem Jahr eine der 130 Bewohnerinnen im Haus. Durchschnittsalter: 85. Das Warten von 10 bis 11 Uhr, sagt sie, habe sie schon sehr nervös gemacht, "aber jetzt bin ich so froh, dass es endlich losgeht, vielleicht kann mich mein Sohn dann wieder einfacher besuchen kommen."

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Beim Aufnahmegespräch neben der Kapellentür aber wird der Freudenglanz in ihren Augen gleich schon wieder trüber. Es wird leider nichts mit dem Impfen, erklärt ihr die Ärztin Claudia Hofberger, die in die Medikamentenakte der Seniorin geschaut hat. "Sie nehmen Blutverdünnungsmedikamente", erklärt sie, und dass dann große blaue Flecken drohen, wenn man eine Spritze setzt. Also zuerst diese Pillen ein paar Tage weglassen - und dann noch mal wiederkommen.

Impfung zuerst in Pflegeheimen ohne oder wenigen Coronaausbrüchen

Besser läuft's bei der nächsten Dame in der Reihe: Brigitte Werner (70), seit zehn Jahren hier nach einem Schlaganfall in jungen Jahren. Geduldig beantwortet sie die Gesundheitsfragen, an der nächsten Station in der Kapelle klärt die Ärztin sie auf über die Impfung, und dass eine zweite in drei Wochen folgen wird. "Erst eine Woche danach haben Sie vollen Schutz", sagt die Medizinerin. "Jaja, das habe ich verstanden", antwortet Brigitte Werner - und lächelt den Pieks, den sie in den rechten Oberarm bekommt, einfach weg. Hat's nicht wehgetan? "Ach wo, gar nicht", sagt sie, "es geht mir gut."

Pieksen unterm Kreuz in der Hauskapelle: Brigitte Werner (70), die seit zehn Jahren im evangelischen Pflegeheim Lore Malsch in Riemerling lebt, bekommt am Sonntag die erste Corona-Impfung von der Johanniter-Rettungssanitäterin und Medizinstudentin Patricia Knabe (l.).
Pieksen unterm Kreuz in der Hauskapelle: Brigitte Werner (70), die seit zehn Jahren im evangelischen Pflegeheim Lore Malsch in Riemerling lebt, bekommt am Sonntag die erste Corona-Impfung von der Johanniter-Rettungssanitäterin und Medizinstudentin Patricia Knabe (l.). © Daniel von Loeper

Warum es gerade in diesem Pflegeheim losgeht mit den Impfungen im Landkreis München, hat zuvor Landrat Christoph Göbel (CSU) erklärt. Man starte dort, wo es entweder noch keine oder kaum Coronaausbrüche gebe und die zu Impfenden also möglichst fit und gesund sind. Oder dort, wo das Pflegepersonal vor bestehenden Ausbrüchen möglichst schnell geschützt werden müsse. Das Lore-Malsch-Haus hat noch keinen einzigen Coronafall und ist deshalb nach vorn auf der Prioritätenliste gewandert.

100 Impfdosen zum Start für den Landkreis

Aber es soll zügig weitergehen in allen Pflegeheimen, sobald mehr Impfstoff eingetroffen ist als die 100 Dosen, die dem ganzen Landkreis zum Start für Sonntag zugeteilt worden sind. In München-Stadt sind zeitgleich zehn Impfteams der Aicher Ambulanz mit 250 Dosen unterwegs, im nördlichen und westlichen Landkreis außerdem das Rote Kreuz und die Malteser.

Woher nehmen die Retter all das Personal und die Motivation, jetzt an die Corona-Front zu gehen? "Viele, sehr viele haben sich freiwillig gemeldet", sagt Markus Bauer. Die junge Rettungssanitäterin Patricia Knabe (22) gehört dazu und die Münchner Ärztin Martina Pontones (27), die unter erschwerten Bedingungen durch ihre letzte Prüfung gegangen ist. "Dieses Virus hat unser Lernen so schwer gemacht", sagt sie, "schon deshalb will ich jetzt helfen, es auszurotten. Es reicht."

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