Circus Krone: Mut, Muskeln und Akrobatik
Der Circus Krone und sein erstes Winterprogramm: Neben Clowns gibt es sehr biegsame Körper, fliegende Messer, ein wildes Wildschwein und eine echt kuschelige Raubkatzen-Nummer
München - Bevor Carmen Zander sich in Lebensgefahr begibt, wird sie ganz ruhig. Sie schminkt ihre Augen wie eine Raubkatze und zieht ein glitzerndes Kleidchen an: Sie ist Tigerdompteuse, in wenigen Stunden beginnt an diesem ersten Weihnachtsfeiertag ihr Auftritt im Circus Krone. Eine Premiere für sie – aber auch für ihre fünf Tiger.
Ihre Raubkatzen-Nummer ist einer der Höhepunkte des ersten Krone-Winterprogramms. Genau wie Patrick und Ramona Brumbach, das messerwerfende Ehepaar. „Los Alamos“ nennen sich die Mexikaner. Als Patrick sich eine Augenblende aufsetzt und dann blind seine Frau mit Messern bewirft, geht ein Raunen durch das Publikum. Einige Frauen halten sich vor Schreck die Hand vor den Mund. Für die Künstler der beste Beweis, dass ihr Auftritt bei den Zuschauern gut ankommt.
Belohnt durch viel Applaus werden auch die zwei „Giang Brothers“. Die Akrobaten aus Vietnam umturnen sich gegenseitig. Sie spielen mit Tempo und Langsamkeit, mit Mut und Muskeln, mit Balance und Anmut. Dann ihr berühmtestes Kunstwerk: Die Brüder machen einen Kopfstand aufeinander. Dafür üben sie jeden Tag – seit sieben Jahren.
Dann spannen die Zirkusmitarbeiter ein Tuch über den Sand, tragen lange Stangen in die Arena und befestigen Seile von der Zeltkuppel. Augenblicke später erscheint die Artistengruppe „The Strangers“. Ihre Spezialität: Kunststücke an der Hohen Peche, eben jenen langen Stangen. An diesen hängen sie, springen von einer zur anderen und machen symmetrische Figuren, die wie ein Scherenschnitt wirken, ehe sie mit ihren Körpern um die Stange wirbeln.
Während das Publikum in der Pause über die Zirkusnummern plaudert, konzentriert sich Dompteuse Zander auf ihren Auftritt. Sie muss ruhig sein, muss den Tigern schon an Barthaaren, Ohren und Augen ansehen, ob diese nervös oder ungeduldig sind. Es ist eine heikle Situation. Die Pranke eines Raubtiers könnte ihren zierlichen Körper treffen – und schwerst verletzen.
Die Mitarbeiter verwandeln die Manege in ein Gehege. Zander atmet ein und aus, hört wie das Publikum gebeten wird, während ihrer Nummer auf jeden Fall sitzen zu bleiben – und betritt dann den Käfig. Ihr Auftritt klappt: Die Tiger springen, balancieren, Zander umarmt sie sogar, küsst die Tiere auf die Schnauze und reitet auf ihnen. Nur einmal, da stolpert Zander, kurz wird ein Funken ihrer Nervosität sichtbar, kurz wird dem Publikum klar, in welcher Gefahr die Dompteuse schwebt. Wäre sie gefallen, erzählt sie nach ihrem Auftritt, wären die Tiger wohl auf sie losgestürzt. So ist ihr Instinkt, wenn sie geschwächte Beute wittern. Darum lautet die Grundregel der Dompteure: Lasse den Tiger niemals über dich – egal was passiert.
Hinter dem Vorhang warten die Künstler, sie beobachten, wie ihre Kollegen schwitzend und außer Atmen, aber mit einem Lachen, zurückkehren. Glücken will der Auftritt einzig den drei Clowns nicht so recht. Die Lacher aus dem Publikum sind spärlich.
Lustiger ist Sonni Frankellos Elefantenshow. Die drei Tiere aus Afrika spielen Mundharmonika und Fußball, tanzen Breakdance und verwandeln hinter einem Tuch Äpfel in Bananen. Besonders Freude kann sich Kickbox-Weltmeisterin Christine Theiss, als sie von einer Elefantin durch die Manege getragen wird. „Sie war ganz zart und vorsichtig, es war wirklich wunderbar“, sagt Theiss später. Frankello erzählt, dass Elefanten sehr sensibel auf Menschen reagieren, vor allem bei Schwangeren. „Oft bemerke ich gar nicht, dass eine Frau ein Kind trägt, doch die Tiere spüren das sofort.“
Theiss haben sie auch mit flachstem Bauch durch die Manege getragen. Der Applaus ist laut. Als die Elefanten verschwinden, fragt eine Dreijährige: „Oh, schon vorbei?“ Das fragen sich auch die Erwachsenen: Schön war sie, diese Premiere, sehenswert und abwechslungsreich.
Während Promis wie Edmund Stoiber mit Clan im Taxi nach Hause fahren, verfüttert Dompteuse Zander Fleischbrocken an ihre Tiger. Dann erst schminkt sie sich ab, wünscht ihren Katzen eine gute Nacht. Bis zum nächsten Morgen, wenn es wieder in die Manege geht – ab jetzt jeden Tag, bis Ende Januar.