Christian Magerl ersetzt Nina Ruge
Ein amüsanter Fall von feindlicher Übernahme: Auf der Internetseite der Startbahn-Befürworter kommen Gegner des Projekts zu Wort. Aus einer Moderatorin wird ein Grüner. Die AZ klärt’s auf.
MÜNCHEN - Moderatorin Nina Ruge legt sich mächtig ins Zeug. Sie spricht von der „Weltstadt mit Herz“. Zitiert den Dalai Lama und Ernst Bloch. Alles, um für die dritte Startbahn zu werben. „Gehen Sie bitte zur Wahl, entscheiden Sie mit!“, appelliert sie an die Münchner.
Das ist der Inhalt eines knapp zweiminütigen Videos auf der Internetseite des Bündnisses „JA zur 3. Startbahn“ (www.ja-zur-3.de). Ruge ist Botschafterin für das umstrittene Bauprojekt. Doch sobald ihr eindringlicher Appell verhallt ist, übernimmt die andere Seite das Ruder – die der Startbahngegner.
Mitten im Internetauftritt der Projektbefürworter sind da plötzlich Videos anzuklicken, in denen der grüne Landtags-Abgeordnete Christian Magerl über die Schulden der Flughafengesellschaft (im Jahr 2010: 2,7 Milliarden Euro) referiert. Oder die Kosten-Explosion damals beim Bau des Flughafens in Erinnerung ruft.
Wahlweise kann man sich mittels eines anderen Videos auf der Internetseite der Projekt-Befürworter auch von der Münchner Grünen-Chefin Katharina Schulze erklären lassen, warum’s die Startbahn aus ihrer Sicht nicht braucht. Übertitelt ist das alles trotzdem noch mit „Nina Ruge, Moderatorin und Autorin“.
Eine feindliche Übernahme des Webauftritts – für die die Startbahn-Gegner aber wohl gar nichts können. Vielmehr beschert das Internet-Videoportal YouTube, das die Startbahn-Befürworter für ihre Botschafter-Videos benutzen, dem anderen Lager eine Enklave mitten im fremden Territorium. Denn das Portal schlägt automatisch andere Beiträge zum Schlagwort-Thema Startbahn vor.
„Ich sehe da kein Problem“, sagt Maximilian Böltl vom Befürworter-Bündnis. „Die Leute sollen sich ja auch umfassend informieren.“
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