Carsharing-Gesetz: Interview mit DriveNow-Chef über Geld und Parkplätze

Drive-Now-Chef Sebastian Hofelich über seine Erwartungen an das Carsharing-Gesetz.
| Florian Zick
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AZ-Interview mit DriveNow-Chef Sebastian Hofelich
DriveNow AZ-Interview mit DriveNow-Chef Sebastian Hofelich

München - Das neue Carsharing-Gesetz soll es Anbietern erlauben, ihre Autos kostenlos im öffentlichen Straßenraum abzustellen. Die AZ hat sich mit Sebastian Hofelich, dem Geschäftsführer von Drive Now, darüber unterhalten, was dieses Gesetz für seine Branche bedeutet.

Herr Hofelich, wie wichtig ist das neue Carsharing-Gesetz für Sie und Ihre Branche?
Sebastian Hofelich: In erster Linie ist für uns wichtig, dass der Gesetzgeber erkannt hat, dass da ein Markt entsteht. Das Carsharing-Gesetz ist insofern ein Kompliment für uns. Mit dem Gesetz wird unter anderem anerkannt, dass Carsharing ein sehr sinnvolles Instrument ist, dem Parkplatzdruck in verdichteten Innenstädten entgegenzuwirken. Gerade in Stadtteilen wie Schwabing oder dem Glockenbachviertel brauchen wir Entlastungseffekte.

Wie viele kostenlose Stellplätze hätten Sie denn gerne von der Stadt?
Das werde ich oft gefragt, aber wir stellen hier keine konkrete Forderung an die Stadt. Wir wollen nur das, was wir bisher gemacht haben, erfolgreich fortführen. Alle reden über Dieselverbot und Elektroquote – wir verfolgen mit Carsharing einen alternativen Ansatz, um Innenstädte von Verkehr und damit auch von Emissionen zu entlasten.

Haben Sie auch schon mal durchgerechnet, wie viel Sie sich mit dem neuen Gesetz sparen könnten?
Nein, wir sind relativ schlecht im Rechnen. (lacht) Aber im Ernst: Das ist nicht unser Hauptfokus.

Wir haben das trotzdem mal für Sie erledigt: Sie haben derzeit 700 Autos im Einsatz. Bei einer Parkgebühr von 900 Euro pro Auto und Jahr kommt man da locker auf über eine halbe Million.  
Das Geld ist für uns jetzt aber nicht die Motivation. Für uns ist eher wichtig, dass das Thema Carsharing damit allgemein befördert wird. Studien besagen ja, dass ein Carsharing-Fahrzeug mindestens drei reguläre Fahrzeuge ersetzt. Letztendlich macht ein Carsharing-Auto also zwei Parkplätze frei. Der Parkdruck wird reduziert, es entsteht öffentlicher Raum – und davon profitieren doch wir alle.

Sie betonen vor allem den gesellschaftlichen Nutzen. Nun ist Drive Now aber ein Unternehmen und muss auch Profit machen.
Das ist ja das Schöne: Das geht in diesem Fall Hand in Hand. Je besser das Geschäft bei uns läuft, desto mehr wird auch der Straßen- und Verkehrsraum entlastet. Wir müssen die Leute deshalb noch stärker von unserem Angebot überzeugen.

Warum ist der Deutsche eigentlich so schwer dazu zu bewegen, auf ein eigenes Auto zu verzichten?
Ach, das hat jede Menge Gründe. Da gibt es die starken Auto-Enthusiasten. Bei manchen überwiegen aber auch praktische Erwägungen. Die fühlen sich einfach wohler, wenn sie ein eigenes Auto vor der Haustür stehen haben. Wir haben aber jetzt schon jeden fünften Führerschein-Inhaber in München als Kunden. Den Rest werden wir davon überzeugen müssen, dass man auch mit einer guten Mischung aus Carsharing und öffentlichem Nahverkehr in der Stadt immer bequem von A nach B kommen wird.

Werden Sie mit dem Anschub aus dem Carsharing-Gesetz in den nächsten Jahren denn auch stärker in die Elektromobilität investieren?
Zu unserem Fuhrpark in München gehören aktuell 85 Elektroautos. Die Stadt ist jetzt dabei, massiv in die Infrastruktur zu investieren. Wenn mehr Ladesäulen da sind, werden wir sicher darüber nachdenken, mehr Elektrofahrzeuge auf die Straße zu bringen. Bis jetzt sind wir da aber eher in Vorleistung gegangen.

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