Cannabis-Clubs in Bayern blockiert: Münchner fahren per Bus nach Baden-Württemberg
Wer sich zum 1. April 2024 in Bayern vorgenommen hatte, einen Cannabis-Anbauverein zu gründen, dürfte inzwischen aufgegeben haben. In Bayern ist das derzeit kaum möglich. Laufende Kosten, Mitglieder, die monatelang umsonst Beiträge gezahlt haben, kein Ertrag, kein Gewinn.
Irgendwer muss schließlich die Rechnungen zahlen. Solche Clubs sind an sich legal und dürfen an ihre Mitglieder 50 Gramm THC-haltiges Cannabis pro Monat ausgeben, wie es das Gesetz für Konsumcannabis (KCanG) von 2024 vorsieht.
Einer dieser Münchner, die es versucht hatten, wurde als "König von Haschheim" bekannt. Wenzel Waclav Cerveny wollte 2024 und 2025 im Gewerbegebiet von Aschheim so einen Verein gründen. Doch er musste seinen Chillout Club aufgeben. Cerveny scheiterte an einem eilig aufgebauten Kinderspielplatz im Gewerbegebiet, in Sichtweite des CSU-geführten Aschheimer Rathauses. In dessen Nähe durfte kein Anbauverein aktiv sein, so will es das Cannabis-Gesetz (AZ berichtete) – auch wenn der Spielplatz erst nach Gründung des Vereins aufgebaut wurde.
Entscheidend: Die Lizenz zur Weitergabe von Cannabis
In ganz Bayern gibt es derzeit etwa ein Dutzend Clubs mit einer Cannabis-Anbaugenehmigung. Doch die Abgabelizenz ist eine letzte große Hürde. Die meisten scheitern zwar nicht an Spielplätzen, doch offenbar an den behördlichen Auflagen im Baurecht. Übereinstimmenden Berichten zufolge wären sogenannte Sondernutzungsgebiete nötig, um Cannabis-Anbauvereine mit Abgabelizenz zu betreiben. Diese Gebiete gibt es aber nicht. Kein Sondernutzungsgebiet, keine Abgabelizenz möglich.

Ob es eine Anweisung von ganz oben bis in lokale Behörden gibt, ist unklar, aber nicht abwegig. Nicht nur der Bayerische Ministerpräsident Markus Söder (CSU) hatte seit der Cannabis-Teillegalisierung 2024 – initiiert von der "Ampel-Koalition" – immer wieder gewettert und betont, dass er den legalen Konsum von Cannabis massiv erschweren werde.
"Dabei sind sogar im eher konservativ geprägten Nachbarland Baden-Württemberg etwa ein Dutzend Vereine aktiv, die legal Cannabis an ihre Mitglieder abgeben", sagt Fabian Baumann (35), Vorsitzender des Cantura Cannabis Clubs (CCC) München.
Vorbildlich, verantwortungsbewusst, kontrollierter Anbau, sagt Baumann über den Cannabis-Club in Ehingen
Nun umgeht der CCC diese bayerische Blockade ganz legal. Seit einem Jahr organisiert der Club Busfahrten nach Ehingen bei Ulm in Baden-Württemberg zu einem dortigen befreundeten Anbauverein. "Zwei Mal im Monat können sich dort Interessierte genauer ansehen, wie der Otters Cannabis Social Club (CSC) Ulm funktioniert", sagt Baumann. Eine vorbildliche, kontrollierte, verantwortungsvolle Cannabisversorgung betreibe der CSC in Ehingen. Das Interesse ist groß. Etwa 50 Münchnerinnen und Münchner sitzen bei jeder Fahrt im Bus.
Doch natürlich geht es bei diesen Touren auch darum, was in Bayern nicht funktioniert: legal Cannabis zu erhalten. Eine spontane Mitgliedschaft beim CSC mit einer Mindestlaufzeit von drei Monaten ist vor Ort möglich. Auch diese Mindestlaufzeit ist gesetzlich im KCanG vorgegeben.
"Etwa die Hälfte der Mitfahrer nutzt die Gelegenheit und unterschreibt", sagt Baumann. Wer Vollmitglied wird, kann dort für die Rückfahrt bis zu fünf Packungen mit je fünf Gramm Cannabis mitnehmen. "In München können Konsumenten ihr Cannabis nur auf dem Schwarzmarkt kaufen oder selbst anbauen", sagt Baumann. Aber nicht jeder habe eben einen grünen Daumen.
Vereinsfreundschaft der Cannabis-Clubs seit 2024
"Die Gruppe ist bunt gemischt", sagt Baumann, "quer durch die Gesellschaft", vom Handwerker, über den Unternehmensberater bis zum Akademiker oder Künstler. "Zuletzt waren auch Mütter mit ihren Töchtern dabei oder auch Paare", sagt der CCC-Vorstand.
Die Vereinsfreundschaft zwischen dem Münchner CCC und dem CSC bei Ulm ist 2024 entstanden. Baumann hat Master Management in Augsburg und Göttingen studiert. Der CSC in Ehingen kontaktierte den CCC in München, um den Verein beim Aufbau als Anbauverein mit Abgabelizenz zu unterstützen.
"Und irgendwann, als der CSC den Betrieb aufnahm, kam die Idee auf, diese Busfahrten zu organisieren", sagt Baumann. 500 zahlende Mitglieder und bis zu 7000 Unterstützer hat der CCC München derzeit. Viele Teilnehmer dieser "Kaffeefahrten" ins Marihuana-Land seien natürlich Mitglieder des CCC.
"Es ist wie zu Zeiten der US-Prohibition bei Alkohol"
Baumann fühlt sich bei diesen Touren an die Zeit der Prohibition in den USA erinnert und versteht die bayerische Blockadepolitik nicht. "Auch damals fuhren die Menschen in den USA zur nächsten Grenze, wenn sie Alkohol trinken wollten und die Prohibition im Nachbarstaat nicht galt", sagt er.
Die Teillegalisierung von Cannabis in Deutschland sei zudem von Studien begleitet. "Sie zeigen, dass weder Konsum noch Kriminalitätsraten steigen", sagt Baumann. Er glaubt, dass sich auch in Bayern die Lage schnell normalisieren würde, wenn Anbauvereine wie in den restlichen Bundesländern ganz legal ihre Arbeit aufnehmen könnten. "Auch der Schwarzmarkt wäre schnell Geschichte", sagt Baumann.
Am Samstag ist es wieder so weit. Dann fährt am Vormittag ein Bus des CCC von Pasing nach Ehingen, um am frühen Abend wieder im Münchner Westen anzukommen. Baumann hebt hervor, dass es nicht nur um Freizeitkonsumenten gehe. "Unter den Passagieren sind oft Patienten, die Cannabis nicht vom Arzt verschrieben bekommen und deshalb lieber aus einem Club beziehen, bevor sie es in Bayern auf dem Schwarzmarkt kaufen müssten", sagt er.
Mehr Infos zu den Busfahrten per Whatsapp unter 0177/3806262 oder unter www.cantura.club
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