Bundeswehr-Heli erschreckt Pferd zu Tode: Klage!

Weil ein Bundeswehr-Helikopter tief über die Koppel fliegt, gerät der Walalch in Panik und bricht sich ein Bein. Er muss eingeschläfert werden. Die Besitzerin verklagt die Bundeswehr. So lief der Prozess am Amtsgericht München.
| John Schneider
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Pferd Carlos wurde nur 16 Jahre alt. Seine Besitzerin Martina H. klagt jetzt gegen den Bund.
ho/jot Pferd Carlos wurde nur 16 Jahre alt. Seine Besitzerin Martina H. klagt jetzt gegen den Bund.

München - Vielleicht hätte man den ursprünglichen Vergleich (6.750 Euro) annehmen sollen, statt es auf eine Beweisaufnahme ankommen zu lassen. Jetzt wird es den Bund teurer kommen, sich mit der Klägerin zu einigen. Der Grund: Am Montag lassen die Aussagen von vier Zeugen vor dem Landgericht wenig Zweifel daran, dass der Beinbruch von Wallach Carlos, einem 16-jährigen Andalusier, auf seiner Koppel in Seeshaupt wohl von einem tieffliegenden Hubschrauber der Bundeswehr verursacht wurde.

Das Tier war am 28. Oktober 2014 durch den "ohrenbetäubenden Lärm" – so eine Zeugin – des Hubschraubers offenbar panisch geworden und hatte sich das Bein gebrochen. Nur wenige Momente nach dem Tiefflug war zunächst der Chef der Reitanlage auf der Koppel. "Ich habe sofort gesehen, dass das Bein gebrochen war." Martina H. (59), die Besitzerin von Carlos, kam nur wenig später zu ihrem Pferd. Auch die erfahrene Reiterin habe sofort erkannt, dass da nichts mehr zu machen ist. "Ich habe ihr gesagt, dass es mir wahnsinnig leidtut."

Ein Tierarzt wurde verständigt, der Wallach eingeschläfert, um ihm weitere Schmerzen zu ersparen. Als der Zeuge von damals berichtet, ist Martina H. sichtlich um Fassung bemüht. Das Unglück geht ihr ganz offensichtlich immer noch sehr nahe.

Richterin legt dem Bund Vergleich ans Herz

Ideell ist der Verlust von Carlos unbezahlbar. Materiell will Martina H. 11.500 Euro vom Bund. Doch der stellt sich bislang quer. Angezweifelt wird nicht nur, dass der Helikopter die Ursache des Beinbruchs gewesen ist, sondern auch der angegebene Wert des Pferdes. Doch bevor hier ein teurer (und vielleicht nutzloser) Gutachter bestellt wird, legt Richterin Franziska Kreuzer dem Bund einen Vergleich über 8.900 Euro ans Herz.

Dass der Hubschrauber das Tier verschreckt hat, und damit die Todesursache war, sei nach den Zeugenaussagen viel konkreter geworden. Wird der neue Vergleichsvorschlag nicht angenommen, will die Richterin am 8. Januar eine Entscheidung verkünden. Martina H. reitet inzwischen ein neues Pferd, die Stute Evolution.

Ihr Mann sagt, warum: "Meine Frau ohne Pferd – das geht nicht."

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