Braune Haare, braune Augen: Das Profil von Domenicos Mörder

Wer hat Domenico L. umgebracht? Die Münchner Polizei hat nun neue Hinweise auf das Aussehen des "Isarmörders".
| Ralph Hub
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Erstmals hat die Polizei die erweiterte DNA-Untersuchung angewendet. Das Gutachten bringt viele neue Erkenntnisse, aber keinen Durchbruch.

München -  Der Isarmörder ist Europäer, ein Mann mit braunen Augen, hellbraunem Haar und mittlerer Hautfarbe. Väterlicherseits stammen seine Vorfahren aus Osteuropa.

Fast ein halbes Jahr hat die Analyse im Labor gedauert und sie hat neue, erstaunliche Erkenntnisse gebracht. Mit einer Wahrscheinlichkeit von 68,9 Prozent hat der Gesuchte braune bis helbraune Haare. Mit 68,8-prozentiger Wahrscheinlichkeit ist er ein mittlerer Hauttyp. Und mit 91-prozentiger Wahrscheinlichkeit hat er braune Augen.

Isarmörder: Polizei hat präzise Merkmale herausgefunden

"Das sind präzise Merkmale, die uns bei der Fahndung und Identifizierung helfen können", sagt Josef Wimmer, Chef der Münchner Mordkommission. Bislang gab es nur eine vage Beschreibung.

Allerdings sind diese Merkmale so weit verbreitet unter der europäischen Bevölkerung, dass der Kreis der Verdächtigen buchstäblich in die Millionen geht. Zudem könnte der Täter inzwischen ergraut sein, oder er könnte an Haarausfall leiden und eine Glatze haben. Auch die Hautfarbe kann sich ändern, je nachdem, ob der Täter möglicherweise regelmäßig ins Solarium geht. All das sind Veränderungen, die sich im Laufe von inzwischen fast sieben Jahren nur schwer bestimmen lassen.

Wer erstach Domenico L. nachts an der Isar?

Am 28. Mai 2013 wurde Domenico L., ein in München lebender Ingenieur (31) aus Italien, in der Nähe der Corneliusbrücke ermordet. Er und seine Verlobte radelten abends an der Isar, als sie ein Mann aufhielt. Er spuckte die Frau an. Als sich Domenico L. einmischte, stach ihm der Fremde ein Messer ins Herz.

Bei dem Angriff verletzte sich der Mörder. Blut wurde sichergestellt. Die Mordkommission hat deshalb vom Isarmörder ein vollständiges DNA-Muster. Die Spurensicherung fand damals aber nur eine geringe Menge. "Wir mussten uns deshalb genau überlegen, wie viel wir von dem DNA-Material an das Labor in Innsbruck schicken", sagt Kriminalhauptkommissar Holger Smolinsky.

Mit mehr DNA hätte sich sogar durch die neue Analysemethode das Alter des Täters bestimmen lassen. "Dazu hätten wir allerdings die tausendfache Menge gebraucht", so Holger Smolinsky.

Isarmörder hatte Vorfahren in Osteuropa

Genauso wichtig wie die körperlichen Merkmale ist für K11 die "kontinentale Bestimmung" – soll heißen, woher stammt der Täter. Feststellen lässt sich das über das Y-Chromosom, das Väter weitergeben. Im Fall des Isarmörders gehen die Fahnder davon aus, dass dessen männlichen Vorfahren aus Russland, Weißrussland oder dem Norden der Ukraine stammen.

Die gespeicherten Daten wurden mit den Polizeidatenbanken der drei Staaten abgeglichen. "Ein Treffer war nicht dabei", sagt Holger Smolinsky. Er glaubt, dass er den Isarmörder eines Tages wird fassen können. "Diese Hoffnung ist mein täglicher Antrieb", sagt der 45-Jährige.

Neue DNA-Analyse ist umstritten

Mit der erweiterten DNA-Analyse hat das Präsidium kriminalistisch und juristisch erstmals umstrittenes Neuland betreten. Das neue bayerische Polizeiaufgabengesetz (PAG) erlaubt der Kriminaltechnik, geografische Herkunft, Augen- und Haarfarbe eines Täters zu rekonstruieren. Dazu dürfen die Wissenschaftler seit eineinhalb Jahren zusätzliche Erbinformationen der DNA auslesen.

Kritiker warnen, dass die erweiterte DNA-Analyse nicht besonders effizient sei – und zu pauschalen Verdächtigungen und Diskriminierung von Minderheiten führen könnte. Im Fall Domenico L. kommt hinzu: Das PAG trat erst Jahre nach dem Mord in Kraft, dürfte also in dem Fall nicht angewendet werden. Die Ermittler haben aber einen Kniff gefunden. Josef Wimmer: "Der Mörder ist eine Gefahr für die Allgemeinheit. Er könnte jederzeit zurückkehren und nochmals töten."

Lesen Sie hier: Unbekannte überfallen Wettbüro in München - Großeinsatz der Polizei

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